Forum Borreliose & Co-Infektionen

Normale Version: Mitochondriopathie und Borreliose
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Hallo,

ich bin gerade etwas durcheinander und hoffe ihr könnt mir weiterhelfen.. ich war gerade beim Arzt, nachdem ich mein AB-Therapie diesen Montag beendet habe. Die Therapie war wie folgt gestaffelt:

1. Woche: Ceftriaxon intravenös
2. Woche: Ceftriaxon + Metronidazol intravenös
3. Woche: Metronidazol intravenös

Im Anschluss: 6 Wochen oral Mino mit 2 x 50 mg, Tini 2 x 500 mg und Quensyl

Meine Symptome haben sich stark gebessert. Ich kann wieder ordentlich denken und habe erheblich Energie. Ich war schon etwas euphorisch.. das obwohl ich in den letzten beiden Wochen bei der topischen Anwendung von ätherischen Ölen immer noch Symptomverbesserung verspürt habe, bzw. die Nebenwirkungen von den ABs wesentlich erträglicher gewesen. Mein Spezi hatte mich gerade dazu überredet von einer Fortführung der Therapie abzusehen, als ich ihn darauf hinwies, dass mir die Ergebnisse von einem Gentest noch nicht vorliegen. Er hat daraufhin nochmal in seinen Computer geschaut und meinte, dass da noch Informationsbedarf meinerseits besteht. Als ich ihm sagte, dass ich meinen Job gekündigt habe (ich arbeitete als Gärtner, eigentlich habe ich aber mal einen Doktor gemacht), um mir einen besseren Job zu suchen, da das Geld knapp ist, sagte er mir, dass es eine schlechte Entscheidung gewesen sei und dass er mir davon abgeraten hätte. Der Gentest würde das anzeigen. Dann hat er mich aufgefordert noch einen Termin zu machen, da er keine Zeit mehr in der Frühsprechstunde für mich habe. Damit war er dann schon fast aus dem Zimmer. Ich habe ein Vorstellungsgespräch am nächsten Mittwoch! .. Ich wurde dann an die Arzthelferin verwiesen, die mir erst einen Termin für Ende Juni machen wollte, mir auf Nachfrage, was mit dem Test los sei, dann erklärte, dass der Gentest ergeben habe, dass mein Körper nicht adäquat mit Stress umgehen würde und das dies eine Mitochondriopathie zur Folge haben würde. Laut kleiner Internetrecherche meinerseits sind davon im Wesentlich stark energieverbrauchende Organe wie Gehirn/Nervensystem und Herz betroffen. Ich habe mich dann dazu entschieden als Selbstzahler einen früheren Termin zu ergattern.. am 4.4... Jetzt stehe ich da mit dieser Information und bin etwas sauer und verwirrt. Zum einen hat es etwas ironisches, dass man so schwerwiegende Stressanfälligkeit genetisch attestiert kriegt und in meiner Situation, ohne Job jetzt und mit neuen Zukunftsplänen, noch 2 Wochen warten muss bis man mehr erfährt. Das hat einfach Stresspotential. Auf der anderen Seite sagt da eine Stimme in mir, dass es doch eigentlich grober Unfug ist, Stress alleine genetisch zu verorten.

Gerade was das angeht, müsste man doch mit Übungen gegenarbeiten können oder?

Ich habe in meinem Leben in der Tat schon einige schwerwiegende psychische Leiden durchgemacht.. nicht zuletzt durch die Borreliose.. aber ich bin hier und lebe und eigentlich habe ich in letzter Zeit sehr gut gelernt damit umzugehen.

Ist die Aussage des Doktors da nicht ein wenig pauschal und unprofessionell?
Was kann ich tun um eine Mitochondrien zu unterstützen? - Mir ist klar, dass das ABs dann besonders problematisch sein könnten, auch wenn ich gerade das Gefühl habe, dass sie den Mitochondrien gerade erstmal tüchtig geholfen haben. Ich spüre einfach viel Energie momentan.

Hat hier jemand ein ähnliches Problem?

Einen lieben Dank an das Forum... Ich bin froh, dass es diese Anlaufstelle gibt, auch wenn ich gesundheitlich bedingt häufig zu platt war, um mich hier vernünftig zu informieren.
Also mal im Ernst auf so einen test würde ich nix geben, wenn du dich jetzt gut fühlst wäre ne das Beweis genug dass ich an einem schweren Infekt litt.
Stress ist immer Kacke, aber idR macht das einen nicht nachhaltig Krank, glaube kaum dass man sowas testen kann, genauso wie man Depressionen etc. Nicht testen kann.
Was für ein Gentest war das und wie war das Ergebnis?
vielleicht ist dieser link hilfreich:
http://www.borreliose-lorenz.de/sekundae...thien.html
(20.03.2019, 11:54)Markus schrieb: [ -> ]Was für ein Gentest war das und wie war das Ergebnis?

Ich habe mir heute morgen noch den Test per Email zuschicken lassen. Es sind eigentlich 11 Tests gemacht worden, d.h. 11 Gene sind untersucht worden. Von jedem Gen wurden dabei beide Allele untersucht. Der ganze Befund umfasst über 20 Seiten und ich habe noch nicht die Gelegenheit gehabt mir da alles anzugucken. Ich werde mal versuchen das zusammengefasst wiederzugeben.


(20.03.2019, 19:59)Nala schrieb: [ -> ]vielleicht ist dieser link hilfreich:
http://www.borreliose-lorenz.de/sekundae...thien.html

Danke. Ich werde es mir anschauen.
Untersucht wurde die folgenden Gene und damit die wahrscheinliche Aktivität der zugehörigen Enzyme:

1. COMT, Katechol-O-Methyltransferase <- deutlich reduziert
2. CYP1A1, P450 Cytochrom 1A1 <- reduziert
3. CYP1A2, P450 Cytochrom 1A2 <- erhöht
4. CYP2D6, P450 Cytochrom 2D6 <- normal
5. GSTM1, Glutathion-S-Transferase M1 <- fehlt
6. GSTP1, Glutathion-S-Transferase P1 <- normal
7. GSTT1, Glutathion-5-Transferase T1 <- normal
8. MAOA, Monoaminooxidase-A <- deutlich reduziert
9. NAT2, Gen N-Acetyltransferase 2 <- deutlich reduziert
10. PON1, Paraoxonase 1 <- reduziert
11. SOD2, Superoxiddismutase <- normal

Interessanterweise hatte ich ja starke Problem bei der Anwendung von CBD-Öl. Ich war dann immer benommen. Hatte das damals schon auf eine möglicherweise induzierte Hemmung des Cytochroms P450 zurückgeführt. Wenn man sich meinen Genotyp anschaut dann ist genau diese vom CBD gehemmte Version des Cytochrom P450 in seiner Aktivität reduziert.

Ansonsten muss ich sagen, dass ich meine Tests etwas anders betrachte als mein behandelnder Arzt. Zwar reagiere ich vielleicht stark auf Stress, aber eigentlich hab ich dank des verminderten Abbaus von Serotonin und Dopamin auch potentiell sehr viele Glücksgefühle. Sprich, ich bin einfach emotionaler. So what... Dafür probier ich mich jetzt einfach mal bewusster an der emotionalen Aufwärtspirale. Ich habe unten mal rausgeschrieben, was mir mit dem Befund geliefert wurde. Es wird einem schnell dabei der Eindruck vermittelt, dass man eigentlich nur Sachen falsch machen kann und das sich von allem fernhalten muss. Aber einfach mal so drüber nachgedacht..wenn 50% der kaukasischen Bevölkerung eine bestimmte Deletion haben, dann kann die ja so schlimm auch nicht sein. Gut vielleicht ist das Zusammenspiel aller verminderten Aktivitäten ungünstig... Ich habe einfach mal ein wenig recherchiert und bin auf eine Homepage gestoßen, die sogar Substanzen angibt, mit die Einfluss auf die Enzymaktivitäten nehmen kann. D.h. man kann auch selbst darauf noch Einfluss nehmen (https://www.selfdecode.com). Alles im allen finde ich den Gentest schon interessant und bereue ist jetzt nicht mehr ihn gemacht zu haben. Mal schauen, wie ich noch Einfluss nehmen kann.

Grüße
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zu 1.: Eingeschränkte O-Methylierung von Katecholaminen (Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Levopoda, nicht Serotonin) durch COMT-Enzyme wahrscheinlich. Risiko für IgG3-Mangel, für erhöhte IgE- und/oder Cortisolplasmakonzentration und ein COMT-abhängiges chronisches Erschöpfungssyndrom ist nachgewiesenermaßen signifikant erhöht. Es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass die 185-Variante mit einem erhöhten Risiko für eine Hyperaktivitätsstörung, Fibromyalgie, und veränderte kgnitive Fähigkeiten sowie in einer Meta-Analyse mit der Schizophrenie assoziiert ist. Homozygot vorliegende der Sequenzvariante mit dem chronischem Erschöpfungssyndrom, reduziertem IgG3, erhöhtem IgE- und/oder Cortisol-Plamaspiegel und dem Risiko für das häufigere Auftreten von Infektionskrankheiten der oberen Atemwege assoziiert ist.

zu 2.: Führt zu einm Aminosäureaustausch in unmittelbarer Nähe der Hämbindungsregion. Es ist noch unklar in wie weit physiologische Auswirkungen zu erwarten sind. Eine änderung der Enzymaktivitöt kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Häufigkeit im kaukasischen Bereich 2,95%. Es gibt hinweise, dass das Enzym des CAP1A1-Gens am Stoffwechsel polychlorierter Biphenyle und Arylamine beteiligt ist. Außerdem ist das Enzym des CYP1A1-Gens durch Dioxin induzierbar.

zu 5.: spezifischer Substanzen und deren Metabolite assoziiert. Es soll bedacht werden, dassbei einer genetisch bedingten Entgiftungsstörung weitere Gluthation- Peroxidasen/Glutathion-S-Transferase (z.B. GPX1, GSTP1, GSTT1) bzw. andere Phase-II-Enzyme (z.B.Methyltransferasen, N-Acetyltransferasen, UDP-Glukuronosyltransferasen) ebenfalls hereditär bedingt verändert vorliegen können. Zu den Substraten der GSTM1-Enzyme zählen pharmakologisch wirksame Substanzen, Benzpyren, sowie viele Metabolite endogener und exogener Stoffe. Ca. 50% der kaukasischen Bevölkerung sind Träger dieser Deletion. Im Rahmen zytostatischer Behandlungen wird bei Trögern der GSTM1-Deletion ein erhöhtes Risiko für neuro- bzw. hepatotoxische Nebenwirkungen beschrieben. Eine Exposition mit Pestiziden oder organischen Lösungsmitteln bei Trägern der GSTM1-Deletion ist mit einem erhöhtem Risiko für das Auftreten zell- bzw. hepatotoxischer Nebenwirkungen beschrieben. Eine Exposition mit Pestiziden oder organischen Lösungsmitteln bei Trägern der GSTM1-Deletion ist mit einem erhöhtem Risiko für das Auftreten zell- bzw. DANN-schädigender Ereignisse assoziiert, insbesondere dann, wenn gleichzeitig eine GSTT1-Deletion vorliegt. Die Deletion des GSTM1-Gens ist mit einem erhöhtem Stress als Ursache chronisch-entzündlicher als auch allergisch bedignter Krankheiten assoziiert. Es liegen wissenschaftliche Information vor, die über eine multiple Chemikaliensensitivität berichten, wenn die Gene weiterer Phase-II-Enzyme gleichzeitig hereditär bedingt verändert vorliegen.

zu 8.: Ist am Abbau unterschiedlicher biogener Amine beteiligt. Es deamiert Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Wird in mehreren Studien als Suszeptibilitätsgen von ADHS beschrieben.

zu 9.: Es ist eine NAT2-Aktivität von ca. 11% verlgichen mit der eines homozygoten Schnellacetylierers zu erwarten. Erhöhtes Risiko für das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen bei Einnahme bzw. Exposition gegenüber NAT2-spezifischen Fremdstoffen. Langsamacetylierier zeigen ein signifikant erhöhtes Risiko für das Auftreten hepatotoxischer Effekte unter Tuberkulosetherapie. Unerwünsche Arzneimittelnebenwirkungen und oder erhöhte Plasmaspiegel werden durch Gabe von Sulfonaminen (Gruppe von ANTIBIOTIKA!), Sulfoamethoxazol, und Hydralazin beobachtet. Berufsbedingte Exposition gegenüber aromatischen Aminen haben ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Harnblasenkarzinoms.

zu 11.: Paraoxonase hydrolysiert eine Vielzahl von nervenschädigenden Sunstanzen wie Diazoxon, Soman, Sarin sowie die toxischen Metabolite von verschiedenen Organophosphor-Insektiziden, z.B. Parathion, Chlorpyrifos, und Diazinon. Zudem besitzt es eine Arylesterase-Aktivität, bei der Phenylacetat als Substrat fungiert. In klinischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Variante L55M Einfluss auf veränderte Glukosestoffwechsel hat: Träger der homozygoten LL Variante haben einen signifikant schlechteren Glukosestoffwechsel
Ich seh das mit den Genpolymorphismen skeptisch. Bei der COMT haben z.B. 25 % den Wildtyp, 50 % sind intermediär und 25 % die homozygote Variante. Das alleine kann, wie du auch schon erwähnst, nicht wirklich ausschlaggebend für irgendwelche Erkrankungen sein. Die GST-M1 fehlt auch bei 50 % der Bevölkerung, ist auch nichts besonderes. Bei den CYPS ist hinsichtlich Medikamenten vor allem 3A4 relevant, etwas weniger 2D6.

In dieser Genkonstellation eine Ursache der Erschöpfung zu sehen halte ich schon für ziemlich spekulativ, aber ich stecke da auch nicht so drin. Wenn dir AB aber deutlich geholfen haben, dann ist doch klar, dass du eine Infektion hast und dann würde ich das auch weiterführen.
Ohne jemanden angreifen zu wollen, aber bringen diese ganzen Tests einen weiter ? Ich glaube da dreht man sich nur im Kreis.
Wenn man merkt das man sick ist, dann ist das so. Man sollte denke ich wirklich probieren sich damit auseinander zu setzen und sich zu stärken statt immer weiter und weiter zu testen. Denke nicht das man dort den heiligen Gral finden wird und dann geht’s aufwärts. Der Körper ist viel zu komplex und doch recht einfach. Man sollte sich selber probieren, auch wenns dauert, was einem gut tut und was nicht.
Das nur als meine Meinung, wie gesagt, ist kein Angriff.

PS die meisten dieser Tests zahlt man dann ja leider auch meist noch selber...
in meinen augen ist das totaler bullshit. ein guter arzt behandelt patienten und keine blut (oder gen) werte.
solche genexpressionen werden auch laufend an & ab geschaltet. das ist keine statische geschichte.

interessanter sind eiglt. die cortisol und nebennieren werte. grundsätzlich erzeugen chronische infektionen natürlich einen permanenten körperlichen stress, der sich auch auf hormoneller ebene zeigt und zu körperlichen & geistigen energie defiziten führen kann.
da kann man aber gegensteuern, indem man entspannungsübungen in sein leben einbaut & stressoren meidet (dazu zählt bspw. auch koffein). gute ernährung und substiution von mikronährstoffen verbessern das auch nochmal.

wenn du dich relativ fit fühlst, ist das echt unnötige panik mache. man kann das immer nur relativ in der gesamtsituation betrachten und nicht anhand ein paar laborparameter.
Danke Dranbleiben für diesen Bericht, in dieser Ausführlichkeit zu dem Thema hat das hier noch keiner eingestellt.

Das schöne an den genetischen Faktoren - man muss solche Tests nur einmal im Leben machen.

Zu den Enzyme ist es jedoch manchmal etwas schwierig zuverlässige Aussagen zu treffen, da sie tageszeitlich stark schwanken können. Ich kenne mich mit den Testverfahren aber nicht so genau aus, dass ich das letztlich beurteilen kann. Sie können aber stark hoch und zurückgeregelt, regelrecht trainiert werden.

Was gut ist, dass das Cyp 2D6 bei dir normal ist. Cyp 3A4 ist bei den meisten Verstoffwechlsungen von Medikamenten beteiligt und CYP 2D6 ist ein wichtiger Ausweichmetabolismus, wenn Cyp3A4 inhibiert wird. Man kann anhand dieser CYP-Untersuchungen möglicherweise einige sehr unangenehme Folgen von Medikamenteneinnahme verhindern, wenn man die Mechanismen beherzigt. Eigentlich finde ich, sollte das bei jedem Menschen gemacht werden, um Arzneimittelinteraktionen und Nebenwirkungen zu minimieren.

So manch eine Therapie ist bei Ultraschnellmetabolisiereren in den Sand gesetzt und bei Poor-Metabolizern sind Nebenwirkungen und Vergiftungen zu erwarten. Das zum Thema therapieren bis zur Symptomfreiheit....

Ich denke aber auch, dass man seinen Stresslevel kompensieren kann und bin gespannt, welche Schlüsse du noch aus diesen Ergebnissen ziehst. Wenn man seine Besonderheiten kennt, ist es auch vielleicht leichter damit umzugehen. Würde mich freuen, wenn es dir gelingt und darüber weiterhin berichtest.

Liebe Grüße Urmel
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