Forum Borreliose & Co-Infektionen

Normale Version: Phagen
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Seiten: 1 2
Phagen-Therapie


Im Eliava Institut in Tiflis, Georgien, das seit vielen Jahrzehnten Infektionen mit Viren, Biophagen bekämpft.
Eine für uns immer mehr an Bedeutung gewinnende Behandlungsmöglichkeit.
Biophagen könnten ein Ersatz für Antibiotika werden, da Bakterien zunehmend mit Resistenzen reagieren. 1916 von Dr. Felix d'Herelle entdeckt, wurde die Phagen Forschung im Eliava Institut bis heute weiterbetrieben.
In der westlichen Welt geriet diese Art der Infektionsbehandlung durch die Antibiotika Behandlung weitestgehend in Vergessenheit.

http://de.wikipedia.org/wiki/Eliava-Inst...nforschung
http://www.eliava-institute.org/

ARTE: „Lebensretter Ostblockviren- Ein Weg aus der Antibiotikakrise…“
http://www.youtube.com/watch?v=_mm3GlUnGFk
Das 1928 von dem britischen Forscher Alexander Flemming entdeckte Penizillin machte den Medizinern und ihren Patienten Hoffnung, dass es nun vorbei sei mit den bakteriellen Infektionen. Doch es stellte sich heraus, dass Bakterienstämme Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln können. So sind alternative Heilmethoden gefragt. Eine davon scheint die Phagentherapie zu sein.
Der Franzose Henri Lemaitre setzt seine ganze Hoffnung darauf. Ein Sturz von der Leiter hatte für ihn tragische Konsequenzen. Die Operationen übersteht er gut, doch dann infiziert er sich im Krankenhaus mit einem lebensgefährlichen resistenten Keim. Kein Antibiotikum hilft. Zwischenzeitlich sieht es so aus, als könne nur eine Amputation Henri Lemaitre retten. Der Pariser Arzt Alain Dublanchet hat die Therapie mit Bakteriophagen erstmals am Pariser Institut Pasteur kennengelernt. Nun hofft er am Eliava-Institut in Georgien die Lösung für seinen Patienten Lemaitre zu finden. Seit Jahrenzehnten hat sich dort die Therapie mit Phagen bewährt.
Bakteriophagen sind der natürliche Feind der Bakterien. Anders als Antibiotika befallen sie nur eine bestimmte Bakterienart und wirken spezifischer. Dies ist Vor- und Nachteil zugleich. Denn der Bakterienstamm muss genau bestimmt werden, bevor die Phagenkultur auf diesen Keim angelegt werden kann, anders als bei einem Breitband-Antibiotikum.
In der ehemaligen Sowjetunion hat sich der Einsatz von Phagen vor allem im Zweiten Weltkrieg etabliert. Nach dem Krieg wurde das Eliava-Institut in Tiflis zum Zentrum der Phagenproduktion und -medikation des gesamten Ostblocks. Millionen Menschen konnten behandelt und gerettet werden. Doch das Wissen des Instituts ist in Gefahr. Es fehlt an Geld und Infrastruktur, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Und in den westlichen Ländern ist die Phagentherapie ein kaum erforschtes, skeptisch betrachtetes Gebiet. Die Dokumentation geht der alternativen Heilmethode auf den Grund und zeigt dabei ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen auf.

So wie in dem Film dargestellt, würde eine Studie in den westlichen Ländern für eine Phage ca. 10 Millionen Euro kosten. Davor scheuen sich die Firmen. Eine belgische Firma entwickelt daher im Moment eine Phage gegen MRSA. Die Phagen werden in Georgien aus Flusswasser gewonnen. Vielleicht sollten wir wieder mehr Flusswasser anstatt Wasser vom Supermarkt trinken. Wenn in Belgien eine künstliche Phage hergestellt wird, helfen uns vielleicht eines Tages auch die Phagen nicht mehr.
Ein Militärkrankenhaus in Wiesbaden setzt bei nicht mehr mit Antibiotika behandelbaren Patienten aber aufgrund des Protokolls von Helsinki Phagen als Therapie ein. Aufgrund des Helsinkiprotokolls dürfen Ärzte Medikamente ohne Studiennachweis einsetzen, wenn herkömmliche Therapien nichts mehr nützen. Vielleicht müsste dieses Protokoll bei MRSA öfters zur Anwendung kommen und die Phagentherapie angewendet werden.

Planetopia:
http://www.planetopia.de/nc/magazin/news...oeten.html


Neue Wege der TU Braunschweig und doch schon lange bekannt, PHAGEN
Phagen sind Viren, die Bakterien infizieren. Man findet sie überall, auch im menschlichen Körper.
http://www.spektrum.de/alias/antibiotika...me/1215095
Ein interessantes Thema, bin gespannt, wie sich das noch weiter entwickelt.
Ich betrachte das Ganze aber mit einer nüchternen Skepsis, also abwarten und Tee trinken.

Icon_lobo_kaffeetassen_smilie_mr_green


Ein georgisches Phagen-Therapiezentrum gibt übrigens auf der Homepage an, dass Borreliose bislang noch nicht mit Phagen therapierbar ist.
Das stimmt.
Noch.
Im Sommer gab es eine Meldung von australischen Patienten, es wären einer australischen Forschergruppe gelungen Biophagen für bestimmte Borrelien zu züchten.
Allerdings gibt es dafür noch keine offizielle Betätigung.

Ich persönlich setze auf diese eventuelle Behandlung sehr viel Hoffnung.
(02.12.2013 17:00)Valtuille schrieb: [ -> ]Ein georgisches Phagen-Therapiezentrum gibt übrigens auf der Homepage an, dass Borreliose bislang noch nicht mit Phagen therapierbar ist.


Das Phagenthema hatte wir ja schon einige Male hier im Forum.
Unser Spezi meinte sogar, daß das in Zukunft wohl die einzige Möglichkeit sei, um zum Beispiel eine sonst nicht mehr therapierbare Borreliose zu heilen.

Leider steht aber unsere gesamte Bakterienforschung in dieser Hinsicht einschl. der Phagenforschung ganz am Anfang, bzw. geschieht so gut wie nix.

Trotzdem glaube ich, daß sich hier in den nächsten 10 Jahren etwas bewegen wird, weil dann nämlich gar nichts anderes mehr geht. Antibiotika, die auch bei vielen anderen Infektionen nicht mehr wirken, haben wir ja schon zuhauf.
Vielleicht wird auch in Punkto Borreliose hier Tiflis ein Vorreiter sein, wäre zu hoffen. Denn auch da gibt es Borreliose.
Wenn es in Australien wirklich schon erfolgreich war, dann müßten wir es ja eigentlich schon gehört haben. Ich weiß von nix.
Da jede Pharge speziel auf jeden Erregerstamm( und derer gibt es ja eine Menge ) gezüchtet werden muß, braucht es viele finanzielle Mittel, um da überhaupt etwas zu erreichen.

LG

Amrei
Hab auch noch nix offizielles aus Australien gefunden!

Aber hier noch einige Links:


Internationale Praxis Zürich: „Borreliose, Lyme-Erkrankung:
neue Therapien
Die Borreliose oder Lyme-Disease, ist eine durch Zecken übertragene Infektion, die akut und chronisch verlaufen kann.
Auch bei dieser Erkrankung sehen wir eine Vielzahl an unspezifischen Symptomen, die besonders die Gelenke, Muskeln, Bänderapparat und die Haut betreffen. Auch das Nervensystem kann bei Borreliose betroffen sein. Die Borreliose Infektion wird oft verschleppt und unzureichend behandelt, da nicht immer akute Symptome auftreten.
Ein relativ neuer Therapieansatz bei chronischen Beschwerden mit Borreliose wird von uns angeboten. Dieser besteht in Infusionen antioxidativer Verbindungen, die die betroffenen Gewebe vor freien Radikalen durch chronische Infektion und persistierende Erreger schützen.
Ausserdem wird experimentell ein neuer Therapieanatz versucht, ist jedoch noch nicht klinisch vefuegbar und es wird wohl noch einige Jahre damit dauern, wenn es ueberhaupt moeglich ist: "Bakteriophagen". Dies sind fuer den Menschen harmlose Viren, die jedoch Bakterien vernichten koennen. Einem wissenschaftlichen Institut in Australien ist es gelungen Borrelien- fressende Bakteriophagen herzustellen und diese zur Therapie chronischer Infektionen mit Borrelien einzusetzen. Dabei ist die Anwendung ueber die Haut der betroffenen Areale moeglich, da Viren problemlos durch Haut, Weichteile und Knochen diffundieren (wandern) und so an den Ort gelangen an dem sie gebraucht werden. Bakteriophagen konnten sogar Osteomyelitis (d.h. Infektionen im Knochen) heilen in z.T. schlecht durchbluteten Bereichen und dadurch fuer Antibiotika schwer zu erreichen. Da sie spezifisch mit einer bestimmten Art von Bakterien reagieren und diese vernichten, sind sie fuer den Menschen ohne jegliche Nebenwirkungen. Die Therapie mit Bakteriophagen gegen Borreliose ist weltweit nicht verfuegbar, andere Infektionen mit Phagen zu behandeln ist in Deutschland noch nicht lizensiert, sie kann aber aufgrund der Bestimmungen von Helsinki unter Umstaenden durchgefuehrt werden. Ggf. muss der Patient dazu nach Georgien, dem Zentrum der Phagentherapie reisen. Mehr zur Therapie mit Bakteriophagen siehe unter: Bakteriophagen“ http://www.internationale-praxis.de/borr...ecken.html
Grenzen der Phagen:
http://www.scilogs.de/fischblog/antibiot...ntherapie/

Artikel in der Apothekenumschau:
http://www.apotheken-umschau.de/Medikame...34779.html

ZDF Beitrag:
Bio-Phagen-Therapie in Tiflis/Georgien:
http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programd...3/20153218
Mein Gott, wenn das DER Durchbruch bedeuten könnte...vielleicht könnte man sogar mit diesen Phagen/Viren eine akute Borreliose ohne AB erfolgreich behandeln und somit schwere chronische Fälle ganz verhindern???

Ich hoffe, daß wir in den nächsten Jahren (wahrscheinlich erst Jahrzehnte) diese zusätzliche Therapie zur Verfügung haben werden und daß die gesetz. KK sie auch übernehmen, damit möglichst viele Patienten davon profitieren.

Für die meisten Patienten besteht aber leider nach wie vor die Schwierigkeit, ihre chronische Borreliose überhaupt nachzuweisen. Denn ohne Nachweis einer aktiven Infektion wird keine KK eine solche Therapie bezahlen, auch wenn sie sich in vitro und in vivo als erfolgreich erwiesen hat. Hier besteht nach wie vor ein enormer Forschungsbedarf...die aktuelle Diagnostik immer noch (auch im Frühstadium!) unzuverlässig.

Vielen Dank Petronella!
Zitat:Auch aufgrund solcher Erfolgsgeschichten hat die EU 3,8 Millionen Euro in eine klinische Studie gesteckt. Rose und weitere Mediziner setzen an mehreren europäischen Kliniken Phagen bei Patienten mit infizierten Brandwunden ein. Die Studie soll zeigen, wie effektiv die Phagen sind. Und: Ob sie für die Patienten wirklich ungefährlich sind.

Denn Phagen sind für den menschlichen Körper nicht nur Helfer, sondern auch Eindringlinge. Kritiker der Phagentherapie befürchten, die Viren könnten eine Reaktion des Immunsystems auslösen. Für Rose ist das ein denkbares Risiko, das in der Studie anhand von Blutanalysen beobachtet werden soll. Insgesamt ist er jedoch optimistisch: "Die Phagen greifen nur das Bakterium an, aber nicht den Menschen selbst. Wir haben eine kleine Sicherheitsstudie gemacht. Da haben wir gezeigt, dass wir keine Nebenwirkungen hatten." Auch von Kollegen in Polen und Georgien seien ihm keine Fälle mit Komplikationen bekannt.
Aus:
http://www.daserste.de/information/wisse...n-106.html
Sorry, hatte es ganz vergessen es hier einzustellen


ÄrzteZeitung vom 09.10.2015

Ein Leitartikel von Peter Leiner

"Antwort auf zunehmende Antibiotika-Resistenzen?

Mit Viren Antibiotika-resistente Bakterien bekämpfen

Viren, die pathogene Keime vernichten und keine Resistenzen erzeugen - ein Traum aller, die auf neue Therapieoptionen bei bakteriellen Infektionskrankheiten hoffen. Endlich beginnt eine größere kontrollierte Studie, die bisherige Erfolgsberichte bestätigen soll.

MÜNCHEN. Wissenschaftler kennen Phagen nun schon seit genau 100 Jahren. Diese wurden unabhängig voneinander 1915 von dem Briten Frederick Twort und dann 1917 von dem kanadischen Forscher Felix d'Herelle am PasteurInstitut in Paris entdeckt. Der Kanadier verpasste dann diesen Viren den Namen Bakteriophagen.

Manche Virologen bezeichnen diese Viren als Nanomaschinen, die äußerst spezifisch und effizient Bakterien attackieren und nur einen oder wenige Bakterienstämme befallen können.

Die Phagen - der Prototyp sieht aus wie eine Mondlandefähre, andere sind eher fadenförmig - docken über bestimmte Rezeptoren an der Bakterienoberfläche an und spritzen ihr Erbgut unter hohem Druck durch die Hüllmembran ins Zellinnere, wo sie sich massenhaft vermehren.

Das hat Folgen: Der Keim stirbt. Das kann aber auch dadurch geschehen, dass auf der Bakterienoberfläche zu viele Phagen sitzen, die die Hülle porös werden lassen.

Durch den anfänglichen Erfolg bei der Bekämpfung von bakteriellen Infektionen mit Antibiotika gab es zunächst keinen Anlass, die pharmakologische Forschung in diese Richtung voranzutreiben. Schon längst hat sich aber das Blatt gewendet, denn es werden viel weniger neue Antibiotika entdeckt und entwickelt als früher.

Und: resistente Keime häufen sich, etwa MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken). Da werden Phagen wieder interessant.
Phagen in Osteuropa schon lange im Einsatz

In Osteuropa, vor allem in Georgien, setzt man schon lange auf die kleinen Helfer, die für das normale mikrobielle Gleichgewicht besonders wichtig sind.

Nach eigenen Angaben nutzen Ärzte am Phagentherapie-Zentrum in Tiflis die Viren bereits seit einer Dekade im Kampf gegen eine breite Palette von Infektions-Erkrankungen. Sie reicht von Otitis media bis zu Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen wie MRSA, Pseudomonas aeruginosa und Shigellen.

Weil sich mithilfe der überall vorkommenden und unter anderem für die Zusammensetzung der Darmflora wichtigen Phagen Bakterien wirksam bekämpfen lassen, werden sie schon seit Längerem in der Lebensmittelindustrie zur Reduktion der Keimzahl von Pathogenen und Verderbniserregern wie Salmonellen und Listerien verwendet.

Die FDA hat bereits mehrere Produkte und die entsprechende Behörde in den Niederlanden ein Produkt zugelassen. Ob und in welchem Umfang Phagenpräparate derzeit auch in der EU genutzt werden, ist nach Angaben des österreichischen Gesundheitsministeriums unklar.

Dies gelte auch bei der Frage zur Notwendigkeit von Zulassungsverfahren für den Einsatz der Präparate, so das Ministerium aus Anlass einer im Juli veröffentlichten Studie.

Nach Osteuropa mit Georgien, Polen und Russland ist nun auch in Westeuropa das Interesse an den Phagen für die Therapie gestiegen. So baut das Leibniz-Institut derzeit eine Therapiephagenbank auf: In der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig (DSMZ) gibt es bereits eine Sammlung von etwa 350 Phagen für viele verschiedene Bakterien. Wer die Genehmigung für Arbeiten mit solchen Phagen hat, kann sie sich dort bestellen.

Längst belässt man diese Viren nicht mehr in ihrem Urzustand, sondern verändert sie genetisch. Das haben zum Beispiel US-Forscher um Dr. Timothy K. Lu am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge gemacht. Sie haben gezeigt, dass sich dadurch die Spezifität für eine Bakterienart (E. coli) in eine andere (etwa Klebsiella) verwandeln lässt (Cell Systems 2015; online 23. September).

Ein wichtiger Schritt zur künftigen individualisierten Phagentherapie.
EU unterstützt Projekt mit 3,8 Millionen Euro

Was bisher fehlte, sind größere kontrollierte klinische Studien mit gesicherter Qualität und nach sauberen wissenschaftlichen Kriterien.

Das wollen nun endlich französische Ärzte ändern, die vor Kurzem die randomisierte Phase-I/II-Studie Phagoburn begonnen haben, an der 220 Patienten mit schweren Verbrennungen von elf Verbrennungszentren in der Schweiz, in Frankreich und Belgien teilnehmen werden.

Sie ist Teil des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms und wird über 27 Monate laufen. Die Verumgruppe erhält einen von dem Unternehmen Pherecydes Pharma entwickelten Cocktail aus 25 Phagen, der sowohl E.-coli-Bakterien als auch Pseudomonas aeruginosa unschädlich machen soll.

Vergleichsgruppe sind Patienten, die topisch mit Silbersulfadiazin versorgt werden. Studienleiter ist der Intensivmediziner Dr. Patrick Jault am Percy-Militärkrankenhaus in Clamart in Frankreich.

Die EU unterstützt das Projekt mit 3,8 Millionen Euro - Geld, das gut angelegt ist. Denn auf Dauer reichen Erkenntnisse aus Kasuistiken und kleinen unkontrollierten Studien nicht aus.

Bleibt zu hoffen, dass dieser Schritt das Interesse an klinischen Studien zur Phagentherapie verstärkt"

http://www.aerztezeitung.de/medizin/kran...nfektionen
Ein TV Beitrag zum Thema, heute 20:15 NDR
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/v...78618.html
Seiten: 1 2
Referenz-URLs