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Normale Version: Anaplasma ?
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Habe ich gerade bekommen, weiß damit nicht viel anzufangen.

Nachkontrolle ist wohl notwendig ?

Gruß
Klaus
Du bist doch noch in Therapie ?
Ich denke mal da werden diese Erreger mit eliminiert...

LG Jo
Ja, mit Clari. und Chininsulfat.

Doch Doxy. und Tetra. habe ich lange genommen, da sollten sie weg sein !?
Vielleicht gibt es chronische Verlaufsformen ?

Oder die AK fallen sehr lansam.
So weit ich weiß ist Doxy , Tetra und Makrolid das Mittel der Wahl.
Ich denke Dein Spezi wird entsprechend darauf reagieren ?!
Das ist ein sehr gering ausgeprägter IgG-AK-Wert, könnte auch schon eine länger zurückgelegene Infektion sein. Thrombozytopenie und Fieber wären z.B. Hinweise für Anaplasmen.
Bei Verdacht auf akute Infektion sollte ein PCR durchgeführt werden, zur Diagnosebestätigung.
Ansonsten kann man den Titer nochmal kontrollieren.

Anaplasmen (früher "Ehrlichien" genannt) sind generell gut therapierbar und nach 2-3 Wochen Doxy in der Regel weg, von daher würde ich mir keine großen Sorgen machen.
Makrolide sind nicht wirksam, als Alternative für Doxy/Tetracycine oder Kombi gibt's noch Rifampicin, ist aber eher selten nötig, Anaplasmen verlaufen als alleinige Infektion bei gesunden Menschen meist symptomlos und heilen ohne Probleme aus, bei Borreliose können sie vermutlich zusätzlich etwas mitspielen, u.a. wird eine verminderte TH-1 Antwort vermutet.

BTW: Mein Titer war bei 512: 64, nach Therapie bei 128: 64.
Wenn Verdacht auf aktive Infektion besteht, würde ich einen PCR machen lassen, das geht auf Kasse, wenn der Arzt mitspielt. Wenn du aber längere Zeit Doxy genommen hast, würde ich das jedoch für eher unwahrscheinlich halten.
Zitat:granulozytäre Form: Human granulozytic Ehrlichiosis (HGE)

Die HGE wird von einer noch unbenannten Ehrlichienart verursacht, die nahe mit E. phagozytophila und E. equi verwandt ist. Vektoren sind nach derzeitiger Kenntnis vor allem Ixodes-Zecken , die auch Hauptüberträger der Borreliose sind. Die Zecken bleiben, wenn sie den Erreger bei einer Blutmahlzeit an einem bakteriämischen Wirt aufgenommen haben, transstadiell infiziert und geben die Ehrlichien bei der nächsten Blutmahlzeit weiter, weil diese in den Speicheldrüsen der Zecken persistieren. Reservoire sind unter anderem Schafe, Weißwedelhirsche (Odocileus virginianus, das amerikanische Äquivalent unserer Rehe), aber auch Mäusearten wie Peromyscus leucopus (Weißfuß-Hirschmaus) und Wühlmäuse (Walker 1997).

Akute Erkrankungen wurden fast ausschließlich in den Sommermonaten beobachtet.

Leitsymptome der HGE (nach Walker)

Fieber 100%
Myalgien 98%
Rigor 95%
Gewichtsabnahme 37%
Schwindel 39%
Erbrechen 34%
Lymphknotenschwellungen 2%
Durchfälle 10%
Leibschmerzen 8%
Verwirrtheit 17%
Exanthem 2%
Leukopenie 50%
Thrombopenie 92%
Transaminasenerhöhung 91%

53% der bisher bekannten Patienten wurden hospitalisiert, 5% starben.

Nicht immer verläuft die HGE spontan limitiert. Schwere Komplikationen inklusive letaler Verläufe wurden wie bei der HME bekannt. Neben neurologischen Komplikationen bis hin zur Meningitis in der Akutphase konnten auch Panzytopenien durch Befall der Vorläuferzellen im Knochenmark beobachtet werden (Klein 1997).

Da die Erkrankung chronisch verlaufen kann, sind rekurrierende Fieberschübe mit schweren Allgemeinsymptomen gelegentlich zu beobachten. Bei einem eigenen Fall konnten wir nachvollziehen, daß sich der Betroffene 1990 in Kansas/USA nach multiplen Zeckenstichen infiziert hatte. Über acht Jahre traten die Fieberschübe zunächst etwa in vierzehntägigem Abstand, später etwa alle zwei Monate auf. Immer wieder wurden umfangreiche serologische und klinische Untersuchungen veranlaßt, die keinerlei tragfähige Diagnose erbrachten. Erst im August 1998 konnte durch Nachweis spezifischer Antikörper und Bestätigung mit dem Westernblot die Ätiologie geklärt werden. Nach dreißigtägiger Doxycyclintherapie wurde der Patient erstmals seit Jahren wieder beschwerdefrei.

Dr.Hassler

http://www.dieterhassler.de/index.php?id=67

3 Monate nach meiner "Borreliose Grippe" (1 Woche nach Zeckenstich aufgetreten, ohne EM) war mein LTT Ehrlichiose positiv. Während dieser "Grippe" litt ich an Fieber, Muskel-, Gelenk-und Kopfschmerzen, Lymphknotenschwellung (Hals), Sinusitis, Bronchitis (es ist wenig bekannt, aber diese ORL Symptome können von Ehrlichien ausgelöst werden), starke Müdigkeit, Schwitzen. Kein Arzt hat im Frühstadium ein Blutbild gemacht, so dass ich bis jetzt nicht weiß, ob meine Transaminasen zu diesem Zeitpunkt (1-6 Wochen nach Zeckenstich) erhöht waren, meine Leukozyten und Thrombozyten erniedrigt.

Ich hatte im Frühstadium 6 Wochen Amoxicillin bekommen, das gegen Ehrlichien unwirksam ist. Nach der Antibiose traten Kopf-, Gelenk-und Fußsohlenschmerzen (diese sind erst in der 4.Woche der Antibiose aufgetreten) wieder auf (und wurden chronisch).

Alle paar Wochen hatte ich Fieberschübe mit extremen nächtlichen Schwitzen.

Erst nach ein paar Wochen Minocycline/Quensyl (ca. 3 Monate nach Ende der 1.Antibiose begonnen) verschwanden diese Fieberschübe mit nächtlichen Schwitzen. Ich nehme deswegen an, dass die Ehrlichien für die Symptome verantwortlich waren und durch Minocycline eliminiert wurden.
Weil mich die Aussage von PD Dr Hassler, dass "[n]euere Makrolide und Fluorochinolone [..] ebenfalls wirksam (Klein 1997)" sind, überrascht hat und ich schon an anderer Stelle über die vermeintliche Wirksamkeit von Makroliden auf Anaplasmen/Ehrlichien gelesen habe, hab ich kurz recherchiert und die angegebene Quelle überprüft.
In Hasslers Quellenangabe steht, dass HGE hochresistent gegen Azithromycin und Erythromycin waren:
http://aac.asm.org/content/41/1/76.long
Daher ist die Aussage, dass Makrolide wirksam sind, falsch und vermutlich auf einen Fehler in der Literaturrecherche zurückzuführen.

Auch in einer anderen Studie konnte keine Wirksamkeit von Makroliden festgestellt werden
( "Gentamicin, ampicillin, azithromycin and cethromycin showed no activity against the isolates tested in this investigation." http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15194126 ).

Als effektiv in vitro haben sich Doxycyclin, Rifampicin und Quinolone (auf letztere würde ich jedoch nicht unbedingt zurückgreifen, wegen potentieller Nebenwirkungen) herausgestellt.
Therapieversager sind beschrieben, auch mit Doxy und Quinolonen (z.B. gab's hier einen Rückfall 15 tage nach einer Therapie mit Levofloxacin, die auch im Maus-Modell reproduziert werden konnte: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17187574 ).

Jedoch ist Anaplasmose in der Regel meist eine akut verlaufende Erkrankung, die dann auch entsprechend heftig ausfallen kann - vermutlich kann sie auch latent verlaufen.
Wie es in Kombination mit anderen Infektionen aussieht, steht in den Sternen, welche Dynamik sich dadurch entwickeln kann ist, wie auch bei anderen Infektionen, nicht erforscht.

Aber ich würde mir keine zu großen Sorgen machen, im Zweifel PCR und Titer kontrollieren.
Ehrlichien Durch Zecken übertragbare Erreger

Birgit Uta Baumgarten
Martin Röllinghoff
Christian Bogdan

http://www.aerzteblatt.de/pdf/97/38/a2456.pdf

Zitat:Ehrlichien werden von Zecken auf den Menschen übertragen. Sie vermehren sich in Monozyten/Makrophagen oder Granulozyten und
können zu schweren, akuten oder chronischen Krankheitszuständen mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien, Leber und Nierenfunktionsstörungen führen.

Ehrlichiosen gehören zu den „neu aufgetretenen“ Infektionskrankheiten („emerging infectious diseases“), die aufgrund der Nichtanzüchtbarkeit mit klassischen mikrobiologischen Verfahren bisher selten diagnostiziert wurden.

In Süddeutschland sind etwa 1,6 bis 4 Prozent der Zecken mit granulozytären Ehrlichien infiziert.

Bei Fieber unklarer Ursache mit Leukozytopenie, Thrombozytopenie oder Erhöhung der Transaminasen sollte während der Zeckensaison
eine Ehrlichien-Diagnostik erfolgen.

Bei mir hat leider keiner der 4 im Frühstadium (1-2 Wochen nach Zeckenstich) konsultierten Hausärzte eine Ehrlichien-Diagnostik veranlasst. Dabei hatte ich quasi alle Symptome einer akuten Ehrlichiose!Confused

Zitat:Die meisten Infektionen werden durch Nymphen
(1,5 mm) übertragen
, die im Gegensatz zu den adulten Zecken (5 mm) leichter übersehen werden können (58).

[quote]Einzelne Zecken können mit Ehrlichien und anderen Erregern koinfiziert sein, sodass mit einem Zeckenstich gleichzeitig zwei oder mehr Erreger übertragen werden und zu Doppelinfektionen (zum Beispiel mit Borrelien, Rickettsien, Babesien) führen können (8, 13, 27a, 48, 53, 64, 67, 86).
(...)
Basierend auf serologischen Untersuchungen und einzelnen Fallberichten kommen Koinfektionen mit Ehrlichien und Borrelien oder Babesien beim Menschen vor (5, 64, 79). An diese Möglichkeit sollte insbesondere bei Versagen einer erregerspezifischen Therapie gedacht werden.

An diese Möglichkeit hat kein Arzt gedacht, auch nicht der, der mir 4 Wochen Amoxicillin auf Verdacht einer Frühborreliose verschrieben hat.Dodgy

Zitat:Tierexperimentelle Untersuchungen und klinische Beobachtungen ergaben, dass persistierende Infektionen mit Ehrlichien möglich sind (9, 18, 22).

Zitat:Die Serologie ist zur Diagnose einer akuten Ehrlichiose ungeeignet, da die meisten (55 bis 78 Prozent [6, 15]) Patienten diagnostisch verwertbare Antikörper- Titer erst ein bis vier Wochen nach Krankheitsbeginn entwickeln und diese Antikörper dann oft über
mehrere Jahre persistieren (4, 6, 89, 96). Zur nachträglichen diagnostischen Bestätigung einer Ehrlichiose gilt die Serologie jedoch als sensitivste Methode (21).Die serologische Reaktion kann bei frühzeitigem Therapiebeginn oder bei Immunsuppression
ausbleiben.

Zitat:Mittel der ersten Wahl sind Doxycyclin beziehungsweise Tetracyclin, welches in der Regel über 10 bis 14 Tage gegeben wird (Minimum: fünf bis sieben Tage). Die meisten Ehrlichiose-Patienten sprechen innerhalb von 24 bis 48
Stunden mit einem raschen Fieberabfall auf die Therapie an (31), bis zur vollständigen Rekonvaleszenz vergehen jedoch oft mehrere Wochen. Bei etwa zwei Drittel der Patienten kann ab dem dritten bis fünften Tag nach Therapiebeginn mit Doxycyclin eine Lymphozytose (g/d-T-Zellen) beobachtet werden (24). Betalaktam-Antibiotika
(Penicilline und Cephalosporine) sind nicht wirksam (Textkasten 4).
(12.12.2014, 20:46)Valtuille schrieb: [ -> ]Therapieversager sind beschrieben, auch mit Doxy und Quinolonen (z.B. gab's hier einen Rückfall 15 tage nach einer Therapie mit Levofloxacin, die auch im Maus-Modell reproduziert werden konnte: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17187574).

Dein Link funktionniert nicht!

Zitat:Wie es in Kombination mit anderen Infektionen aussieht, steht in den Sternen, welche Dynamik sich dadurch entwickeln kann ist, wie auch bei anderen Infektionen, nicht erforscht.

Infect Immun. 2001 May;69(5):3359-71.

Coinfection with Borrelia burgdorferi and the agent of human granulocytic ehrlichiosis alters murine immune responses, pathogen burden, and severity of Lyme arthritis.

Thomas V1, Anguita J, Barthold SW, Fikrig E.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11292759

Zitat:Lyme disease and human granulocytic ehrlichiosis (HGE) are tick-borne illnesses caused by Borrelia burgdorferi and the agent of HGE, respectively. We investigated the influence of dual infection with B. burgdorferi and the HGE agent on the course of murine Lyme arthritis and granulocytic ehrlichiosis. Coinfection resulted in increased levels of both pathogens and more severe Lyme arthritis compared with those in mice infected with B. burgdorferi alone. The increase in bacterial burden during dual infection was associated with enhanced acquisition of both organisms by larval ticks that were allowed to engorge upon infected mice. Coinfection also resulted in diminished interleukin-12 (IL-12), gamma interferon (IFN-gamma), and tumor necrosis factor alpha levels and elevated IL-6 levels in murine sera. During dual infection, IFN-gamma receptor expression on macrophages was also reduced, implying a decrease in phagocyte activation. These results suggest that coinfection of mice with B. burgdorferi and the HGE agent modulates host immune responses, resulting in increased bacterial burden, Lyme arthritis, and pathogen transmission to the vector
.

Die Co-Infection mit Bb und A führt zu einer Immunschwächung (Reduzierung der Makrophagenaktivation) und damit zu einer erhöhten bakteriellen Last, einer verstärkten Gelenkentzündung und einer erhöhten Transmission zum Vektor.
Zitat:Dein Link funktionniert nicht!
Doch, tut er schon, da fehlte nur ein Leerzeichen nach dem Link und vor der Klammer Blush Wink

Die von dir verlinkte Studie ist mir bekannt, darauf bezog ich mich, als ich geschrieben habe, dass eine verminderte TH-1 Antwort vermutet wird, was z.B. auch Satz in seinem Buch erwähnt hat.
Das ist aber so nicht übertragbar, da es nur eine Studie mit einem Mausmodell ist und Mäuse sich ziemlich unterscheiden von Menschen.
Anaplasmen sind auch schwer vergleichbar bei Tieren, da ist oft eine persistierende Infektion vorhanden, die so bei Menschen selten, wenn überhaupt nachgewiesen worden ist. Wobei Anaplasmen generell eher wenig erforscht sind bei Menschen.

Zumindest sind auch bei Doxy Therapieversager beschrieben bei Menschen, u.a. mit einem Todesfall, in den USA gab es auch kürzlich einen Todesfall bei einem Kleinkind, worauf das Krankehaus verklagt wurde und die klagende Mutter Recht bekommen hat.

Ich bin gespannt auf Buhners im Februar erscheinendes Buch zu weiteren Co-Infektionen, u.a. auch Anaplasmen, da sind meist sehr viele detaillierte Infos zu den Infektionen.
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