Forum Borreliose & Co-Infektionen

Normale Version: Kann jemand meinen Test interpretieren?
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Hallo,

ich würde gerne fragen, ob jemand meinen Test interpretieren kann...

Borrelien-IgG-AK (CLIA): + 16,9 AU/ml (positiv)
Borrelien-IgM-AK (CLIA): 15.9

Borrelien-IgG-AK (Blot): negativ

Kann man daraus ableiten, dass ich keine Borreliose habe? Mein Arzt tut das und schließt daraus, dass ich das nicht habe. Er weiß aber auch sonst nicht, was ich haben könnte und meint, es wäre vielleicht nur Stress.

Die Symptome, die ich seit Wochen und ohne vorherige große Ankündigung (ich war immer gesund) habe, würden ansonsten ziemlich gut auf mich passen (Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Blähungen, immer mal wieder Herzrasen, Schwindelgefühle, steifer Nacken, immer mal wieder Muskelzucken). Auch hatte ich im Verlauf der letzten Jahre sicherlich leicht zehn Zeckenbisse, da ich sehr viel im Wald unterwegs bin.

Oder kann mir vielleicht jemand einen guten Arzt zu dem Thema in HH empfehlen?

Ich will aber nicht wie ein Hypochonder hinter etwas herlaufen, das ich nicht habe. Wenn das eindeutig negativ ist, dann auch ok, dann habe ich vielleicht wirklich nur Stress.
Hey,
zu den Ergebnissen kann ich nix sagen, aber da haben wir hier ein paar Experten, die sich sicher bald melden! Die Symptome passen zur Borreliose und haben viele so erlebt. Sie kann so ungefähr alle möglichen Symptome auslösen, weil es eine Multiorgan-Krankheit ist. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Herzrasen und Schwindel und steifer Nacken sind zudem Borreliosetypische Symptome. Es kann aber auch eine andere Infektion sein, dazu kannst du in der Kategorie " Co-Infektionen" etwas finden. Ärztelisten mit Spezialisten findest du auf der Homepage der Borreliose Gesellschaft und bei Dr. Hopf Seidl. Einfach mal googlen.
Und lass dir nicht erzählen, du seist ein Hypochonder. Das durften sich hier schon viele anhören und waren dabei schwer krank. Mir haben das auch viele Ärzte gesagt. Die Krankheit löst große Kontroverse aus und nur wenige Ärzte kennen sich damit gut aus. Wenn du dich krank fühlst und viele Beschwerden hast, dann bist du auch krank. Ob es von der Psyche kommt, das kannst nur du beurteilen und wenn dein Urteil: Nein heißt, dann kommt es auch nicht daher.
Hier werden sich aber bald noch Leute wegen des Tests melden.
Ich wünsch dir einen schönen Abend
Leider gibt es keinen Test der eine Borreliose sicher ausschliessen könnte. Deine Symptome könnten von einer Borreliose, einer anderen von Zecken übertragenen Infektion oder sonst einer Krankheit verursacht werden. Das heisst, deine Symptome sind unspezifisch. Somit kann die Diagnose bei dir weder sicher gestellt noch ausgeschlossen werden. Die Situation für die Betroffenen ist sehr belastend, aber im Moment nicht zu ändern.

Die Borreliose-Diagnose basiert auf Vorgeschichte, Verlauf, Symptomen, Tests und Ausschluss anderer möglicher Kranheiten (Differentialdiagnostik). Am Schluss resultiert eine mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeit für eine Borreliose, der nur mit einem Therapieversuch begegnet werden kann. Das sind Hammertherapien, keine Smarties. Deshalb ist der Ausschluss anderer möglicher Krankheiten sehr wichtig. Du schreibst leider nicht, was bei dir schon mit welchen Untersuchungen mit welcher Aussagekraft ausgeschlossen werden konnte.

Dein Testergebnis spricht weder für noch gegen eine Borreliose. Beim Blot wäre interessant, ob und welche Banden nachgewiesen werden konnten. Steht da nichts auf dem Befund? Irgendwelche Zahlen mit einem p vornedran oder kD hintendran? Oder was von OspC oder VlsE?
Ich werde dir am Schluss meines Beitrages eine meiner Textkonserven zur Diagnostik reinkopieren. Daraus solltest du dir ein eigenes Bild zu deinen Ergebnissen machen können. Ich habe mich bemüht, den Text für den Anfänger verständlich zu schreiben. Wenn du aber trotzdem was nicht verstehst, dann frag bitte.

LG, Regi

Hier meine Textkonserve:
Was bedeuten meine Laborbefunde?
ELISA / EIA / CLIA ist der erste Suchtest. Er bestimmt die Menge der Antikörper. Wenn von Titer die Rede ist, dann ist damit die Menge der Antikörper gemeint. Titerangaben ohne Referenzwerte sind unbrauchbar, da jedes Labor einen anderen Testkit mit anderen Grenzwerten verwendet.
Der Western Blot / Immunoblot / Blot ist der Bestätigungstest. Ein positiver ELISA muss mit einem Blot bestätigt werden, da der ELISA auch bei anderen Krankheiten oder Infektionen positiv ausfallen kann. Man sagt dem Kreuzreaktion. Beim Blot werden sogenannte Banden nachgewiesen. Es gibt hochspezifische, spezifische und unspezifische Banden. Hochspezifische Banden beweisen den Kontakt des Immunsystems mit Borrelien. Unspezifische Banden können bei Borrelien aber auch bei anderen Erregern nachweisbar sein. Das Bandenmuster wird schlussendlich als positiv oder negativ interpretiert. Für eine positive Interpretation des Blots braucht es eine bestimmte Anzahl Banden, wo immer Hochspezifische dabei sein müssen. Zur Bedeutung der einzelnen Banden im Blot findest du hier weitere Informationen:
http://www.laborlexikon.de/Lexikon/Tabel...n-Blot.htm
und hier:
http://forum.onlyme-aktion.org/showthrea...614#pid614

Es werden in der Regel von den Antikörperklassen IgM und IgG je ein ELISA und Blot gemacht. IgM-Antikörper werden in der Regel im Frühstadium und IgG in späteren Stadien gebildet. Die Antikörperantwort ist nicht bei allen Patienten gleich. Es kann auch zu Laborergebnissen kommen, die nicht mit dem Stadium übereinstimmen.

Die Tests können nicht zwischen aktiver und ausgeheilter (alter) Infektion unterscheiden. Die Tests müssen immer zusammen mit den Symptomen interpretiert werden. Ein positives Resultat ohne Beschwerden bedeutet nichts. Es kann aber auch trotz bereits fortgeschrittener Infektion zu negativen Resultaten kommen. Die Tests sind weder standardisiert, noch ist deren Zuverlässigkeit überprüfbar. Labors, die in Ringversuchen schlecht abschneiden, werden nicht bekannt gegeben.

Testergebnisse von verschiedenen Labors können nicht verglichen werden. Es können nichtmal die Ergebnisse vom selben Labor verglichen werden, wenn das Labor keine Verlaufskontrolle macht, sprich das erste Serum parallel mit dem zweiten Serum unter gleichen klimatischen Bedingungen testet.


Borreliose-Symptome, aber negativer Bluttest
Es gibt seronegative Fälle von Borreliose. Da bleibt einem oft nur noch der Therapieversuch mit Antibiotika nach Ausschluss anderer möglicher Krankheiten.


Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es sonst noch?
Praxiserfahrene Spezis lassen bei unklaren Serologien und Symptomen einen LTT machen. Der LTT ist von geltender Lehrmeinung nicht anerkannt und muss privat bezahlt werden. Wenn man nicht bei einem Spezi in Behandlung ist, macht ein LTT nur Sinn, wenn der behandelnde Arzt bereit ist, bei positivem Ergebnis mit Antibiotika zu behandeln. Mehr Infos zum LTT findest du hier:
http://www.imd-berlin.de/fachinformation...ostik.html
Danke erstmal für das erste Feedback. Zu dem Blot-Test habe ich leider keine weiteren Angaben und keine genaueren Werte, aber ich werde mal versuchen, die zu bekommen.

Eine Sache verstehe ich aber nicht:

(05.02.2016 20:25)Regi schrieb: [ -> ]Am Schluss resultiert eine mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeit für eine Borreliose, der nur mit einem Therapieversuch begegnet werden kann. Das sind Hammertherapien, keine Smarties.

Was meinst Du damit? Soweit ich weiß, ist die "Hammertherapie" drei Wochen Antibiotika.

Notfalls würde ich das doch in jedem Fall machen, um sicherzugehen, bevor ich noch viele langwierige weitere Tests etc. mache - oder? Antibiotika sind meines Wissens nicht sonderlich voll mit Nebenwirkungen und auch nicht gefährlich.
Wenn ich auf Verdacht therapieren würde, dann würde ich so therapieren, wie wenn die Infektion gesichert wäre. Eine Therapie würde ich nur nach den Empfehlungen der DBG und/oder ILADS machen. Die dosieren höher und länger als geltende Lehrmeinung und die Fachinfo der entsprechenden Medis vorschreiben. Bei kurzer und niedriger Dosierung weiss ich bei Nichtansprechen nicht, ob eine höhere und längere Dosierung was gebracht hätte. Die DBG empfiehlt mind. 4 Wochen im Frühstadium.
http://www.borreliose-gesellschaft.de/Te...linien.pdf

Da die unterschiedlichen Borrelienstämme unterschiedlich empfindlich auf die zur Verfügung stehenden AB sind, würde ich bei unbefriedigenden Ergebnissen mindestens drei verschiedene Wirkstoffe (z.B. Tetracyclin, Cefalosporin, Makrolid) probieren wollen. Das käme dann im schlechtesten Fall auf mind. 12 Wochen, wenn ich nach jeweils 4 Wochen einen Wechsel mache. Einige Spezis verschreiben auch Kombi-Antibiosen von bis zu 3 Wirkstoffen gleichzeitig. Ist also nicht ganz so harmlos.

Bei den Nebenwirkungen kommts aufs AB drauf an. Bei 400 mg Doxy kann man nach meiner Erfahrung wegen der NW schon ziemlich eingeschränkt sein - zumindest in den ca. 2 Std. nach der Einnahme (Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen). Häufige NW bei allen AB sind Candida (Pilze), insbesondere bei langer und hoher Dosierung. Evtl. hast du bereits ein Problem mit Candida (wegen deiner Blähungen) als Ko-Infektion oder gar als Grundübel. Die ganze Darmflora kann schon gehörig durch AB durcheinander gebracht werden. Deshalb sollte man dann auch mit der Ernährung schauen und zwar während der ganzen Therapie, was ein weiterer Eingriff in die gewohnte Lebensführung ist. Des Weiteren können AB zu einem erhöhten Bedarf an bestimmten Mineralien und Vitaminen führen. Mir bekannt sind Magnesium und Vit. B12.

Man sollte mögliche NW nicht überbewerten, aber sicher auch nicht auf die leichte Schulter nehmen.

LG, Regi
Pylon, dein Gesamt-Testergebns ist negativ. Deine Symptome können hundert Ursachen haben.
Wie kommst du ausgerechnet auf Borreliose?
Gruß
Donald.
“Antibiotika sind meines Wissens nicht sonderlich voll mit Nebenwirkungen und auch nicht gefährlich.“

Was Regi wegen der NW schreibt, stimmt. Antibiotika sind keine Smarties.
Und die schlimmste NW ist eine Chlostridien-Infektion, die den Darm betrifft und sehr schmerzhaft ist. Ich hatte erst das *Vergnügen*

Gruß Rosenfan
Hallo Pylon,

ein paar Worte zu dem Test möchte ich gerne noch verlieren. Zum einen, wäre der Originalbericht des Labors aufschlussreicher, der genau die Grenzwerte und die Blotbanden auflistet.

Zum anderen wärst du, wenn lediglich im IgG was gefunden wurde keinen Deut schlauer, da das dann keine Aussage zu Aktivität der Erkrankung gibt. Das lässt sich wenn über die Symptome abschätzen, die bei dir jetzt nicht richtungsweisend eindeutig ausschließlich Borreliose passen.

Wenn ELISA im IgG positiv sind und im Blot nichts gefunden wurde, darf man auch noch an andere Spirochätenerkrankungen denken. Da kämen Lues und Leptospiren ggf. in Frage.

Hier fängt das Dilemma und die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen an. An diesem Punkt stehst du jetzt.

Selbst wenn du auf Borreliose behandelst - die Standardbehandlung mit 200mg Doxycyclin über 3 Wochen ist nur für gesicherte Borreliose der Hautmanifestationen in der Frühphase! und für Neuroborreliose in der Frühphase! überhaupt mal so ein wenig in Studien festgehalten. Da bleiben dazu viele Fragezeichen offen, denn je weniger typisch die Symptome sind, umso größer sind die Quoten der Therapieversager..... Da kann man natürlich auch vermuten, dass die Diagnose nicht gestimmt hat - oder dass diese weitere Formen einer Borreliose, insbesondere wenn es sich um ein Spätstadium handelt, behandlungstechnisch wissenschaftlich nicht abgesichert sind.

Also landet man sehr schnell bei aggressiveren Therapien aller Art, die bei einigen durchaus hilfreich sind, aber auch nicht bei allen.

Antibiotika haben nicht nur die häufigen Nebenwirkungen wie Candida oder Clostridien sondern können auch mehr oder weniger häufig einige mehr haben, die sich in den Beipackzetteln der Präparate finden. So sollte man sich vorher überlegen, ob man die Risiken eingehen möchte oder erstmal andere Wege beschreitet, seinen Beschwerden entgegenzutreten.

Das spiegelt sich auch durchaus in der Liste der Ärzte wieder, die sich dem Problem annehmen. Da gibt es kein einheitliches Behandlungschema und je nach Arzt werden auch bei der Diagnostik andere Schwerpunkte gesetzt.

Die Infektiologie war leider ein jahrelang vernachlässigtes Stiefkind der Medizin und es gibt fast kein Arzt, der parasitären Erkrankungen, latente Infektionen bakterieller und viraler Art überhaupt in die nähere Betrachtung rückt.

Ich denke, du solltest dir da wirklich einen Arzt suchen, der bereit ist, all die Hintergründe mit dir mal näher zu betrachten und dann gemeinsame Lösungsstrategien zu überlegen. Auf die Schnelle wird das nicht gehen.

Wer sich da in HH eignet, dazu habe ich leider kein Hintergrundwissen, vielleicht fragst du nochmal in der Ärzterubrik nach.

Liebe Grüße Urmel
(06.02.2016 05:52)Donald schrieb: [ -> ]Pylon, dein Gesamt-Testergebns ist negativ. Deine Symptome können hundert Ursachen haben.
Wie kommst du ausgerechnet auf Borreliose?
Gruß
Donald.

Testergebnis ist negativ, und? Man könnte auch einen Würfel werfen. Symptome passen auf andere Krankheiten? Auf welche denn? Welchen Mehrwert hat dein Beitrag Donald?

Da die Symptome durchaus zu Borreliose passen, empfiehlt es sich einen LTT auf Borrelien zu machen. Informationen findest du dazu hier im Forum reichlich.

http://news.doccheck.com/de/7598/lyme-bo...mit-elisa/

http://www.imd-berlin.de/spezielle-kompe...elien.html
(05.02.2016 17:40)Pylon2012 schrieb: [ -> ]Borrelien-IgG-AK (CLIA): + 16,9 AU/ml (positiv) ... zehn Zeckenbisse ...
Wenn das eindeutig negativ ist, dann auch ok, dann habe ich vielleicht wirklich nur Stress.

Du könntest den Test in einem anderen Labor wiederholen lassen. Wenn der IgG-Westernblot positiv ist, hattest du sicherlich in deinem Körper irgendwann Kontakt mit Borrelien. Falls du noch nie antibiotisch dagegen behandelt wurdest und es dir weiterhin schlecht geht, würde dies einen Behandlungsversuch rechtfertigen. Wie schon geschrieben wurde, kannst du auch einen LTT oder Elispot machen lassen. Das liefert eventuell weitere Puzzlesteine zur Diagnose.
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