Melancholie
#1

Traurigkeit,
Was ist das eigentlich.

Ich denke, Trauer ist zunächst mal ein Gefühl. Ein Mächtiges, wie die Liebe, die Wut, der Schmerz.
Ein Wichtiges aber ein Geächtetes und häufig Unterdrücktes.

Wie soll das gehen, immer fröhlich oder bestenfalls gelassen zu sein? Das Glück bekommt doch erst seinen Wert durch die Trauer, die gleichberechtigt dazugehört.
Trauer um was auch immer. Das Leid in dieser Welt, das persönliche Leid, die Fehler die ich gemacht habe, die Chancen die ich nicht ergriffen habe, das Verlorene, das nie Gehabte, das nicht Gewollte, das nicht Gekonnte, das nicht Gedurfte, das nicht Getraute…

Oder auch das nicht Betrauerte, weil es früher verpönt war (Du solltest froh sein, so gut wie es Dir geht), und weil man es dann selbst so betrieben hat (ich sollte dankbar sein für alles was ich habe).

Nur wenn ich der Traurigkeit genug Raum gebe, ist auch genug Platz für genug Freude. Beides ist Gleichwertig!

Warum ich diese Gedanken hier ausbreite?
Möglicherweise gibt es noch mehr Menschen, die einfach ihrer Traurigkeit Raum geben mögen. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Zwangströstungen, ohne ein Taschentuch aufgedrängt zu bekommen, ohne gleich Depressiv genannt zu werden, bloss weil man allen Gefühlen ihr Daseinsrecht zu erkennt?

Ich werde mir jedenfalls gleich einen Tee machen, passende Musik anschalten, in den Dezemberhimmel hinausschauen und genussvoll der Trauer ihren Raum lassen.

Danach ist auch wieder Platz für Freude und Ausgelassenheit.

Einen schönen 2ten Advent wünscht Euch Icon_xmas4_advent4

LG, Zotti

klar rede ich mit mir selbst.
Ich brauche ja eine kompetente Beratung. Icon_winkgrin
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#2

Danke. Deine Texte geben so viel Kraft.
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#3

Hallo Zotti,
ich finde, du hast das sehr schön ausgedrückt. Ich persönlich empfinde Traurigkeit als ein schönes Gefühl, und natürlich ist niemand krank, nur weil er traurig ist. Traurig sein gehört zum Leben. Und nur wer seine Trauer wahrnimmt und mitteilt, kann etwas dagegen unternehmen, damit sie sich nicht festsetzt.
Ich bin sogar der Meinung, daß das auch für die Angst gilt. Auch Angst ist ein ganz normales Gefühl, das wahrgenommen und ernstgenommen werden will. Ich weiß, daß die allermeisten nun sagen werden, daß das aber nur gilt, solange die Angst nicht unberechtigt groß ist. Ich finde aber, daß hier ein Denkfehler liegt.
Es ist ganz egal, wie groß die Angst oder die Trauer ist und ob andere Menschen sie für berechtigt halten oder nicht, sie sind immer wichtig und ernstzunehmen. Es scheint mir ein falscher Ansatz zu sein, daß in den meisten Psychotherapien versucht wird, Ängste, Depressionen oder auch Schuldgefühle zu beseitigen, also den Menschen auszureden. Eigentlich ist das Gegenteil viel wichtiger: den Menschen klarzumachen, daß sie ein Recht auf ihre Gefühle haben, auch dann, wenn andere Menschen sich daran stören.
Übermäßige Trauer, Ängste, Depressionen entstehen erst durch das Verbot. Wenn wir nun aber mal den Umgang mit dem Gefühl der Wut betrachten, so werden wir hier feststellen, daß unsere Gesellschaft da viel offener für ist. Ich jedenfalls habe gelernt, daß es wichtig ist, Wutausbrüche zu tolerieren, da es wichtig ist, die Wut rauszulassen. Das gilt aber für die anderen "negativen" Gefühle ganz genauso.
Auch ich wünsche dir einen schönen 2. Advent.

Wer Links zu den 4 mir bekannten Spezis haben möchte, kann mich per Email anschreiben, nicht mehr per PN.

Meine Geschichte:
https://documentcloud.adobe.com/link/tra...21bc996a12
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Thanks given by: Zotti , johanna cochius , Extremcouching


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