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Lyme-Borreliose oder Reaktive-Arthritis(Yersinien)
#1

Hallo ihr Lieben,
ich stehe total im Nebel und brauch eure Hilfe.
Ich kämpf seit 2 Jahren mit Knieergüssen, seit 6 Wochen Rückenschmerzen.

Kurz und knapp meine meine Historie:
> Vor 10Jahren mal nen Zeckenstich, Wanderröte wurde damals als Gürtelrose behandelt
> Seit 2 Jahren unerklärliche Gelenkergüsse ohne Schmerzen im Kniegelenk zunächst Links
> 5 Wochen vor erstem Gelenkerguss Magen-Darm-Infekt für 2 Tage
> Nach einem halben Jahr ohne Verbesserung: Knie-OP Mikrofrakturierung Torchlea, Plicaentfernung, Synovektomie (leider wurde das Gewebe nicht untersucht!)
> OP brachte keine Verbesserung; Ergüsse kamen immer wieder.
> Nach genau einem Jahr Seitenwechsel auf rechtes Knie; linkes Knie seither wieder spitze!
> Wiederkehrende Ergüsse alle 15 Tage (Unabhängig von der Belastung)
> Seit 6 Wochen zunehmen Schmerzen/Verspannungen im Rücken; was mir echt angst macht. (Ostheopath/Massage hilft nicht)
> Der Orthopäde ist maßlos überfordert, nun hab ich in Eigenregie einen Spezial Borrelien/Co-Infektionen Antikörpertest gemacht.
> Borrelien und Yersinien sind positiv.

Nun die große Frage - ist es eine Lyme-Borreliose oder Reaktive Arthritis (Auslöser Yersinien)?
Ich kann die Uhr danach stellen. Alle 12-14 Tage läuft mein Knie voll; ohne Schmerzen! Das nimmt 3 Tage zu, und nimmt dann nach 5 Tagen wieder ab. Dann bin ich 5 Tage nahezu ohne Erguß. 
Der Erguß kommt unabhängig von der Belastung. Ich kann Joggen oder einfach nur Ruhe geben.
Ist dieses Intervall typisch für Borrelien?
Auch, dass ich keine schmerzen, nur dann eine Bewegungseinschränkung habe?

Lieben Dank für eure Zeit und Feedback im Voraus!
Lg
Philipp
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#2

Warst du schon einmal bei einem internistischen Rheumatologen? Falls nicht würde ich da so schnell wie möglich einen Termin vereinbaren, Wartezeiten sind in der Regel lange. Den Termin kannst du auch absagen, wenn es sich erledigt haben sollte. Aber bezüglich Differentialdiagnostik und Einschätzung wäre das nicht verkehrt.

Denkbar wäre beides (oder auch andere Ursachen), welche Diagnose vorliegt, können wir hier leider auch nicht genauer einschätzen. Der Magen-Darm-Infekkt könnte für Yersinien sprechen, muss aber nicht und die Erkrankungsdauer ist schon recht lange.

Kannst du anonymisiert die Testergebnisse und ggf. andere Laborbefunde einstellen? Wurdest du bisher antibiotisch oder sonst medikamentös (Entzündungshemmer) behandelt?

An deiner Stelle würde ich bei ärztlicher Verordnung und Empfehlung dann vorab einen antibiotischen Therapieversuch überlegen, wenn das zunächst oral mit Doxycyclin gemacht würde, wären Borrelien und Yersinien abgedeckt (einige andere in Frage kommenden Erreger auch).

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#3

Ich hab nun in Eigenregie vor einer Woche mit ner Entgiftung (Tee/Tinktur) und Karden-Tinktur gestartet, die komplette Ernährung auf Basisch umgestellt. Heiße basische Bäder.

Ich habe gestern eine super Heilpraktikerin gefunden; heute geht’s mit der Bioresonanz los.
Zudem hat sie mir folgende Heilmittelchen verschrieben:
  • Penecelin OP Sanum Kehlbeck Quentakehl D4 Kapseln
  • Biologische Antikeimlösung Sanacid Konzentrat 500ml 
Der letzte Schub die letzten Tage war tatsächlich bei weitem nicht so intensiv (nur3Tage).
Gestern Abend habe ich ein heißes/längeres Bad während der Erguß-Phase gemacht und der Erguß ging dadurch massiv zurück.
Über Nacht keine Reaktion, heute auch nochmal besser.
Heiß baden habe ich immer vermieden - sollte doch die Entzündung verstärken? Wie seht ihr das?

Ich geb mir nun 4-6 Wochen ohne Antibiotikum.


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#4

Es freut mich, dass es dir besser geht. Ich würde dennoch zügig einen Termin beim Rheumatologen veranlassen, damit da keine Autoimmunerkrankung übersehen wird.

Bezüglich Wärme und Kälte ist das individuell unterschiedlich, das muss nichts bedeuten. Gesunde Ernährung schadet sicher nicht.

Was für ein Antibiotikum nimmst du und wer hat es dir verordnet?

Was deine Laborwerte angeht:
Das wurde in einem Speziallabor gemacht, ich bin da skeptisch. Die Elispots sind aufgrund fehlender Validierung und Studien laut geltender Lehrmeinung nicht aussagekräftig und ich teile diese Einschätzung.
Yersinien würde ich daher eher als unwahrscheinlich ansehen bei fehlenden Antikörpern. Bei den Borrelien ist lediglich im IgM (akute Antikörper) ein leicht positiver Befund beim gewählten Testverfahren, dessen Zuverlässigkeit ich auch nicht einschätzen kann. Daher würde ich empfehlen bei einem anderen Labor einen Elisa (Suchtest) und Blot (Bestätigungstest) anzuforden, das kann auch der Hausarzt oder Orthopäde, dann geht es auf Kasse.
Was jedoch noch beachtet werden muss, ist, dass du Hinweise auch leicht IgA Antikörper auf Campylobacter hast. Die machen ebenfalls Durchfallerkrankungen (sind auch sehr verbreitet) und können ebenfalls eine reaktive Arthritis auslösen.

Wurden bei dir mal Entzündungsmarker bestimmt? Die gängigen Laborwerte sind CRP (C-reaktives Protein) oder BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit).

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#5

(13.11.2020, 07:01)philipprunner schrieb:  Heiß baden habe ich immer vermieden - sollte doch die Entzündung verstärken? Wie seht ihr das?

In meinen schlimmsten Zeiten, was Gelenk- und/oder Sehnenentzündungen betrifft, hab ich teilweise über zwei Stunden im sehr heißen Badewasser gelegen. Das waren die einzigen schmerzfreien Stunden. Ohne Heizdecke ging abends gar nichts, konnte vor Schmerzen kaum liegen.
In den Winterhalbjahren, also auch jetzt wieder, krabbel ich zwei- bis dreimal pro Woche morgens um fünf für 'ne halbe Stunde in die Badewanne, um eine Stunde später überhaupt die Treppen runter zum Auto und somit zur Arbeit zu kommen.
Ich kann's nicht erklären, warum mir bei diesen Entzündungen, bei denen die betroffenen Stellen meistens auch heiß sind, Wärme hilft. Vielleicht weil sie die Durchblutung anregt.
Kälte dagegen ist für mich "tödlich". Hab's anfangs bei Knie und Fingern probiert mit Kältepacks, hat die Schwellung nicht beeindruckt, dafür aber noch mehr Schmerzen gemacht.
Mir geht's generell im Sommer (ab 25 °C) besser als im Winter (unter 15 °C). Und wie es aussieht, bin ich damit auch nicht die Einzige (jedenfalls damals, als ich die Umfrage gemacht hab).

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#6

Lieben Dank für euren Rat und Einschätzung.
Ich war heute beim Hausarzt zur Blutabnahme. Er macht Rheuma-Blutbild und Stuhlprobe auf Keime.
Antibiotika habe ich bislang keines genommen.
Entzündungswerte wurden diese Woche neue bestimmt.
CRP <1,2 (Normwert <=5.0)
BSG 2 (Normwert <=15)

Kann man dann anhand dem Rhema-Blutbild eine Autoimmunerkrankung erkennen?

2 Rheumatologen haben mir schon abgesagt; das werde ich aber n. Woche in Angriff nehmen.
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#7

(13.11.2020, 20:50)philipprunner schrieb:  Kann man dann anhand dem Rhema-Blutbild eine Autoimmunerkrankung erkennen?

Es gibt kein Standard-Rheuma-Blutbild. Normalerweise werden anfangs paar Entzündungswerte und die "Obergruppe" der Autoimmunantikörper bestimmt. Und dann kommt's immer drauf an, welche Erkrankung aus dem sogenannten Rheumatischen Formenkreis vermutet wird. Geht's zum Beispiel Richtung Lupus-Verdacht, sind u. a. auch Gerinnungswerte wichtig. Ich hab neulich gestaunt, was da alles aufgelistet wurde in meinem Befund, den ich vom Rheumatologen abgeholt hab. Zwei andere Rheumatologen hatten nur die "handelsüblichen" Werte auf'm Schirm, die auch jeder Hausarzt abnimmt. Sad  
Wichtig sind dabei auch bildgebende Verfahren, die natürlich auch jeder Hausarzt in Auftrag geben kann. Aber ob die Schlußfolgerungen dann... Gibt nicht umsonst Fachärzte.


Der Vollständigkeit halber: Unter Letzteren gibt's natürlich auch schwarze Schafe. Viele sogar, nicht nur meine beiden ersten Rheumatologen. Die meisten von denen verpassen einem dann auch gern die Diagnose "Dann ist es eben seronegatives Rheuma!" - Seronegative Infektionen gibt's dagegen nicht... *räusper*
Ich will Dir keine Borreliose oder ähnliches einreden, um Jottes Willen! Kümmere Dich um sinnvolle Differentialdiagnostik und um viel eigenes Wissen in verschiedene Richtungen! Fehldiagnosen und daraus folgende Falschbehandlungen gibt es auf beiden Seiten. Die Folgen davon trägt kein Arzt, sondern ganz allein DU. Und nicht vergessen: Man kann auch Flöhe UND Läuse haben.

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