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Studie zu zellulären Borreliosetests
#1

Neue Studie aus den Niederlanden, es wurden drei zelluläre Tests mit Antikörpertests verglichen.

Zitat:Hintergrund: Zelluläre Tests zum Nachweis von Lyme-Borreliose könnten die größten Mängel serologischer Tests, wie etwa ihre geringe Empfindlichkeit in frühen Infektionsstadien, ausgleichen. Deshalb haben wir die Sensitivität und Spezifität von drei zellulären Tests untersucht.

Methoden: Es handelte sich um eine landesweite, prospektive Fall-Kontroll-Studie in den Niederlanden mit mehreren Gates. Patienten mit ärztlich bestätigter Lyme-Borreliose, entweder im Frühstadium oder disseminiert, wurden zu Beginn der Antibiotikabehandlung nacheinander als Fälle aufgenommen. Bei den Kontrollen handelte es sich um Personen ohne Lyme-Borreliose aus der Allgemeinbevölkerung (gesunde Kontrollen) und um Personen mit potenziell kreuzreaktiven Erkrankungen (z. B. Autoimmunerkrankungen). Wir verwendeten drei zelluläre Tests für Lyme-Borreliose (Spirofind Revised, iSpot Lyme und LTT-MELISA) als Indextests und standardmäßige zweistufige serologische Tests (STTT) als Vergleichstest. Klinische Daten von Lyme-Borreliose-Patienten wurden zu Studienbeginn und 12 Wochen nach Aufnahme in die Studie erhoben, und Blutproben wurden zu Studienbeginn, nach 6 Wochen und nach 12 Wochen entnommen. Bei den Kontrollteilnehmern wurden nur zu Beginn der Studie klinische und Laboruntersuchungen durchgeführt.

Ergebnisse: Die Fälle umfassten 271 Patienten mit Lyme-Borreliose (davon 245 mit früh lokalisierter Lyme-Borreliose und 26 mit disseminierter Erkrankung) und die Kontrollen umfassten 228 Teilnehmer ohne Lyme-Borreliose aus der Allgemeinbevölkerung und 41 Teilnehmer mit potenziell kreuzreaktiven Erkrankungen. Die Rekrutierung erfolgte zwischen dem 14. Mai 2018 und dem 16. März 2020. Die Spezifität des STTT bei gesunden Kontrollen (216 von 228 Proben [94-7%, 95% CI 91-5-97-7]) war höher als die der zellulären Tests: Spirofind (140 von 171 [81-9%, 76-1-87-2]), iSpot Lyme (32 von 103 [31-1%, 21-5-40-3]) und LTT-MELISA (100 von 190 [52-6%, 44-9-60-3]). Zelluläre Tests waren unterschiedlich empfindlich: Spirofind (88 von 204 [43-1%, 36-4-50-4]), iSpot Lyme (51 von 94 [54-3%, 44-5-63-7]), und LTT-MELISA (66 von 218 [30-3%, 23-8-36-7]). Der Spirofind und der iSpot Lyme übertrafen den STTT bei der Sensitivität, waren aber mit dem C6-ELISA vergleichbar (C6-ELISA: 135 von 270 [50-0%, 44-5-55-5]; STTT: 76 von 270 [28-1%, 23-0-33-6]).

Auswertung: Die in dieser Studie verwendeten zellulären Tests für Lyme-Borreliose haben im Vergleich zu serologischen Tests eine geringe Spezifität, was zu einer hohen Anzahl falsch-positiver Testergebnisse führt. Wir kommen zu dem Schluss, dass diese zellulären Tests zum jetzigen Zeitpunkt nicht für den klinischen Einsatz geeignet sind.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35714662/

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Thanks given by: AnjaM , urmel57 , micci , USch4 , Regi , borrärger , Inkognito , FreeNine
#2

Zitat:Auswertung: Die in dieser Studie verwendeten zellulären Tests für Lyme-Borreliose haben im Vergleich zu serologischen Tests eine geringe Spezifität, was zu einer hohen Anzahl falsch-positiver Testergebnisse führt. Wir kommen zu dem Schluss, dass diese zellulären Tests zum jetzigen Zeitpunkt nicht für den klinischen Einsatz geeignet sind.
Über die grottenschlechte Sensitivität der serologischen Tests wird in der Auswertung kein Wort verloren.


Zitat:Der Spirofind und der iSpot Lyme übertrafen den STTT bei der Sensitivität, waren aber mit dem C6-ELISA vergleichbar (C6-ELISA: 135 von 270 [50-0%, 44-5-55-5]; STTT: 76 von 270 [28-1%, 23-0-33-6]).
Ich verstehe das so, dass beim C6 ELISA 50 bis 100 % und bei standardmäßigen zweistufigen serologischen Tests (SSST) 72 bis 99 % der Patienten labortechnisch durchs diagnostische Raster fielen (falsch negative Resultate). Oder verstehe ich das falsch? Somit sind auch die SSST kaum für den klinischen Einsatz geeignet, zumal die Heilungschancen am Grössten sind, je früher behandelt wird. Und ohne Diagnose gibts bekanntlich keine Therapie. Ach ja, habs ganz vergessen. Falsch negative Resultate sind nicht so schlimm. So einen chronischen Verlauf sitzt man locker auf der rechten Ar...backe ab Angry

Je mehr ich über die Borreliose weiss, desto mehr weiss ich, dass man fast gar nichts weiss.

Nichts auf der Welt ist gefährlicher als aufrichtige Ignoranz und gewissenhafte Dummheit. (Martin Luther King)

Absenz von Evidenz bedeutet nicht Evidenz für Absenz
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Thanks given by: micci , borrärger
#3

Zitat:Über die grottenschlechte Sensitivität der serologischen Tests wird in der Auswertung kein Wort verloren.
Zumindest für die Frühphase steht das zu Beginn des Abstracts und ist ja der Grund, weshalb man diese Studie durchgeführt hat.



Zitat:Ich verstehe das so, dass beim C6 ELISA 50 bis 100 % und bei standardmäßigen zweistufigen serologischen Tests (SSST) 72 bis 99 % der Patienten labortechnisch durchs diagnostische Raster fielen (falsch negative Resultate). Oder verstehe ich das falsch? Somit sind auch die SSST kaum für den klinischen Einsatz geeignet, zumal die Heilungschancen am Grössten sind, je früher behandelt wird.
Man muss beachten, dass die Studie sich auf das Frühstadium konzentriert, ein kleinerer Teil im disseminierten Stadium. Da mir der Volltext nicht vorliegt, kann ich da nur mutmaßen, ob die 26 Proben mit disseminierter Borreliose sich auf Spätstadium bezogen haben und wie die Sensivität dort abgeschnitten hat. Wenn Früh-Lokalisiert im überwiegenden Fall mit Erythema migrans gleichgesetzt wurde, überrascht mich das Ergebnis der 2-Stufen-Serologie nicht, dich vermutlich auch nicht, und dann ist der Mehrwert aufgrund der möglichen Blickdiagnose ohnehin gering. Ohne den Volltext kann ich dazu nicht viel sagen...


Die Schwierigkeit bei früher Borreliose ohne EM zu diagnostizieren bleibt leider bestehen.

Was mich eher überrascht, ist das grottenschlechte Ergebnis von LTT und Elispot. Damit kann man im Grunde genommen gar nichts diagnostizieren. Bei der Spezifität bedeutet das beim Elispot, dass 2 von 3 Nicht-Borreliose-Infizierten einen positiven Test erhalten (aber nur einer von zwei Infizierten), beim LTT einer von zwei Nicht-Infizierten und einer von drei Infizierten. Die positive Nachricht ist, dass der C6-Elisa eine vergleichbare Sensitivität aufweist.

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Thanks given by: micci , urmel57 , Regi , borrärger
#4

Leider ist diese Studie nur sehr beschränkt aussagefähig!
Da scheinbar jeweils nur ein Test, eines Herstellers mit anderen verglichen wurde.

Dabei ist bekannt, dass es unter den gleichen Tests verschiedener Hersteller (z.B. ELISA oder LTT..) gewaltig Unterschiede gibt.
Interessant wäre z.B. auch einmal ein Vergleichstest der verschiedenen LTT von dem ich noch nie etwas gehört habe,
da LTT verschiedener Hersteller nicht gleich LTT ist!

Ich kenne bisher nur meinen persönlichen LTT Vergleich, bei dem ich schon zweimal die gleiche Blutprobe vom selben Tag,
jeweils nach Ettlingen und Berlin zu LTT gesendet hatte.
Beides mal war der LTT im einen Labor eindeutig hoch positiv, aber im anderem negativ?  Cool
Das auf enorme Unterschiede bei den jeweiligen LTT Laboren hinweist.

Wenn man nun nur einen x-beliebigen LTT, mit unbekannter Sensitivität und Spezifität mit anderen Testverfahren wie ELISA etc.
vergleicht ist dessen Ergebnis kaum aussagefähig.   Confused
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Thanks given by: Valtuille , urmel57 , micci , Regi , borrärger
#5

Da die Studie Teil von weiteren Studien zu zellulären Tests ist, könnte sein, dass da noch was kommt. Das Studienprotokoll findet sich hier:
https://forum.onlyme-aktion.org/showthre...?tid=13106
Ebenfalls hat die Gruppe bereits weitere Studien zum Elispot veröffentlicht, wo auch ein In-House-Elispot angewendet wurde:
https://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=4467

Zitat:Ich kenne bisher nur meinen persönlichen LTT Vergleich, bei dem ich schon zweimal die gleiche Blutprobe vom selben Tag,
jeweils nach Ettlingen und Berlin zu LTT gesendet hatte.
Beides mal war der LTT im einen Labor eindeutig hoch positiv, aber im anderem negativ?  [Bild: cool.gif]
Das auf enorme Unterschiede bei den jeweiligen LTT Laboren hinweist.

Richtig, war bei mir und anderen ebenfalls der Fall beim LTT, beim Elispot hab ich das noch nicht versucht. Ist bei der Serologie zumindest früher ebenfalls häufig aufgetreten, dass die Ergebnisse mit der gleichen Blutprobe unterschiedlich ausgefallen sind. Problematisch beim LTT ist hier aber auch die mangelnde Standardisierbarkeit, das ist kein Argument, das dem LTT zuträglich wäre.




Zitat:Wenn man nun nur einen x-beliebigen LTT, mit unbekannter Sensitivität und Spezifität mit anderen Testverfahren wie ELISA etc. vergleicht ist dessen Ergebnis kaum aussagefähig.
Dass das Ergebnis für die verwendeten Testskits nicht unbedingt auf andere übertragbar ist, sehe ich auch so. Jedoch geht es zunächst mal darum, ob die verwendeten Testverfahren im Grunde genommen praxistauglich sind. Die vergleichende Ermittlung der Sensivität und Spezifität unterschiedlicher Testarten mit den gleichen Blutproben war ja Ziel der Studie, Herstellerangaben sind da auch nicht ausreichend. Größter Kritikpunkt ist meiner Meinung nach der Fokus auf die frühe Phase, da ist sehr viel Zufall im Spiel.

Interessanter wäre hier eine spätere Infektionsphase. Für die Spezifität hat das aber keinen Einfluss und die ist doch ziemlich erschreckend.

Dass man irgendwo anfangen muss und nicht eine unendliche Anzahl an Testkits in eine Studie mitaufnehmen kann, ist klar. Weshalb nun gerade die beiden Testkits ausgewählt worden sind, könnte man versuchen in Erfahrung zu bringen. Interssant ist, dass die Studie aus den Niederlanden stammt. In der Hochburg der zellulären Borreliosetests Deutschland hat es seit vielen Jahren keine Studien gegeben und auch keine Studie in einem vergleichbarem Umfang und dass obwohl zwei der Tests seit weit über einem Jahrzehnt für teures Geld privat angeboten worden sind.

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