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Es tut sich was ...
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HuberSepp Offline
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Beitrag #1
Es tut sich was ...
http://www.sciencedaily.com/releases/201...101531.htm

Kurz auf deutsch zusammengefasst: In einer in vitro Studie wurde festgestellt, dass zu niedrige Dosen Antibiotika Bakterien dazu anregen, Biofilme zu bilden, bzw. zu verstärken.

Nichts wirklich neues für uns, aber zumindest mal ein Hoffnungsschimmer, da hier wohl gerade auch in der Mainstream-Wissenschaft ein Umdenken stattfindet.

Interessante Aussagen:

Zitat: "Once the biofilm forms, it becomes stronger with each treatment of antibiotics."
(Sobald sich der Biofilm geform hat, wird er mit jeder AB-Behandlung stärker)

Zitat:"What may appear to be antibiotic resistance when an infection does not clear up may actually be biofilms at work."
(Was wie eine AB-Resistenz aussieht, wenn eine Infektion nicht ausheilt, können in Wirklichkeit Biofilme sein)

Zitat:"If antibiotics are to continue to be relevant for treating bacterial infections it is important that their effects on biofilms be explored"
(Falls ABs weiterhin relevant für die Behandlung von bakteriellen Infektionen sein sollen, ist es wichtig, dass deren Effekte auf Biofilme untersicht werden müssen)

Es gibt dort noch mehr interessantes Lesefutter, z.B. hier und weiter unter "Related Stories".

Und das sind alles keine Im-Stillen-Kämmerlein-Forschungen a la Sapi, sondern lauter renommierte amerikanische Unis und Forschungseinrichtungen.

Für mich, der auch schon lange mit den Nebenhöhlen rummacht, ist interessant, dass sich die Biofilm-Theorie zumindest im Bereich der chronischen Sinusitis so allmählich durchsetzt (wird sogar in der S3-Leitlinie erwähnt).
Vielleicht gibt es ja auch bei Borreliose noch Hoffnung Confused
05.12.2014 09:03
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urmel57 Offline
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Beitrag #2
RE: Es tut sich was ...
Um es mal ganz salopp auszudrücken - momentan kümmert sich kein Schwein substantiell um Veränderungen bei der Borreliosebehandlung in Deutschland, jedenfalls nicht in der Lehrmedizin und nichts, über was man offen redet und ich denke auch sonst nichts. Was ich festelle, es wird sehr viel erwähnt, aber keine Schlüsse daraus gezogen.

Bei der Erkenntnis, dass Antibiotikabehandlungen Biofilme verstärken, wird in meinen Augen beim derzeitigen Engagement in Lehre und Fortbilung "draussen bei den Ärzten" allenfalls herauskommen, dass es bei dem bleibt, was wir momentan haben. Drei Wochen 200 mg Doxycyclin für alle und fertig. Wer damit nicht gesund wird, hat Pech gehabt und darf sich in der Regel mit seinen "somatoformen Störungen" herumschlagen. Die Zahl wieviele danach nicht gesund sind, wird sehr unterschiedlich angegeben und bewegt sich zwischen 5 und 35%.

Ich finde das Thema trotzdem sehr spannend, denn es wirft die Frage auf, welche alternativen Wege man gehen sollte, um dieses Strategien der Bakterien zu vermeiden.

Das Risiko von Arzneimittelnebenwirkungen bei erhöhter Gabe von Doxycyclin und anderen Anitbiotika im Sinne von ILADS wird derzeit von den deutschen IDSA-Anhängern höher gesehen als der Nutzen. Es wird geflissentlich weggeschaut, dass ILADS mittlerweile eine unabhängige Sichtung, der derzeitigen Studien durch ein anerkanntes Institut beauftragt hat, die das genaue Gegenteil davon festgestellt hat. Diese erfüllen die höchsten amerikanischen Standards.

Wer sich genauer dazu informieren möchte dem empfehle ich:

http://www.borreliose-verschwiegene-epid...Cbersetzt/

Risiko‐Nutzen‐Bewertung

Der Schaden, der mit der Beschränkung der EM‐Therapie auf 20 oder weniger Tage mit oralen Azithromycin, Cefuroxim, Doxycyclin und Phenoxymethylpenicillin / Amoxicillin verursacht wird, überwiegt die Vorteile. Bei der Beurteilung des Nutzen‐Risiko‐Profils, hat das Gremium festgestellt, dass die Versagensrate für die Antibiotikabehandlung von 20 oder weniger Tagen unannehmbar hoch war und dass für diejenigen, deren Behandlung fehlschlug, die Größe des möglichen Schadens durch die Verzögerung definitiver Behandlung, welche das Risiko erhöht, eine chronische und schwieriger zu behandelnde Form der Krankheit zu entwickeln, zu groß war.

Obwohl allgemein angenommen wurde, dass Antibiotika‐Anwendungen von kürzerer Dauer mit einer niedrigeren Rate von signifikanten Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden, ist die Rate unerwünschter Ereignisse für orale Antibiotika in der Regel recht gering, unabhängig von der Dauer der Nutzung . Das Gremium kam zu dem Schluss, dass, während des Antibiotika‐Behandlungsschemas von 20 oder weniger Tagen etwas weniger signifikante Nebenwirkungen im Vergleich zu Therapien mit längerer Laufzeit auftreten. Dieser Nutzen gleicht nicht die möglichen Schäden im Zusammenhang mit der unakzeptabel hohen Ausfallrate dieses Behandlungsansatzes aus.

Darüber hinaus, wie bereits erwähnt, sollte die gleichzeitige Anwendung von Probiotika das Risiko von C. difficile Colitis und antibiotika‐assoziierter Diarrhoe reduzieren.


Mal schauen, wann sich endlich mal was bewegt, dass Borreliosepatienten ernst genommen werden.

Grüße vom Urmel

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05.12.2014 10:09
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fischera Offline
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Beitrag #3
RE: Es tut sich was ...
Wer kann bitte helfen ?
Ich suche 1-2 Beiträge die den Ausgang der Anklage von Blumenthal wiedergeben. Stehe auf einem Schlauch z.Z.
Das war 2008:
http://www.borreliosezentrum.de/IDSA2008.pdf
DANKE
07.12.2014 14:52
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FreeNine Offline
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Beitrag #4
RE: Es tut sich was ...
Hallo Fischera,
meinst du ggf. die
ILADS Stellungnahme zur Überprüfung der IDSA-Leitlinien (9.Mai)
und die
IDSA Pressemitteilung: Abschließende Vereinbarung zur Untersuchung des Justizministeriums von Connecticut zur LB
- hatte es jetzt nur als Ausdruck das könnte ich dir aber raussuchen - habe ich 100%ig auf unseren anderen Rechner!.
Oder gibt es noch was späteres?
LG

PS:
Hatte jetzt mal im Internet gesucht, aber unter der Schweitzer Seite finde ich es nicht mehr.
Bin aber auf diese ggf. interessante Seite gestoßen und meine Frage die Psychotherapeuten scheinen sich im Hintergrund ja doch über Borreliose zu informieren?! - Kennt jemand den Artikel/Beitrag: ab Seite 5
"Siegmar Stender
Der Borreliosepatient im Fokus des
Psychotherapeuten
Zur Komplexität psychosomatischen Arbeitens und Bedeutung
psychodiagnostisch-psychotherapeutischer Achtsamkeit am
Beispiel einer Infektionskrankheit
"
http://www.deutschepsychotherapeutenvere...1_2012.pdf
Das Quellenverzeichnis ist ja beachtlich.....

“Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.” Mahatma Ghandi

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(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.12.2014 12:45 von FreeNine.)
07.12.2014 19:01
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Sunflower Offline
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Beitrag #5
RE: Es tut sich was ...
Danke Sepp!

Als ich kürzlich versuchte, meine HÄ über die Bedeutung von Biofilmen für die chronische Borreliose aufzuklären, stoppte sie mich gleich mit der Frage:" Was sind Biofilme ?"...ich war sprachlos und habe dann gleich aufgebeben. Mein Rezept für Tinidazol bekam ich nicht und sie wird vielleicht in ihrer ganzen Karriere nie erfahren, warum Biofilme die AB-Resistenz von Bakterien bis zu 1000 fach erhöhen soll.

Zahnärzte wissen das und verschreiben AB deswegen nur, nachdem sie diese Biofilme mechanisch zerstört haben (Parodontose Behandlung), weil die AB nachweislich erst dann wirken. Aber auch nur kurz, denn es genügen ein paar überlebende Bakterien, damit die Biofilme sich erneuern und wieder wachsen können.

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt hat, weiß, dass 60% der aktuellen chronischen AB-resistenten Infektionen auf biofilmbildende Bakterien zurückzuführen sind. Und hier wird intensiv nach wirksamen "Biofilm-Knackern" gesucht (Zystische Fibrose, chronische Sinusitis, Dentalbiofilme, usw.). Oft geht es um Leben und Tod (Tod durch Infektion mit Pseudomonas aeruginosa bei Mukusviszidose-Patienten, Sepsis nach Infektion von Implantaten).

Aber über Biofilme von Bb forscht nur Sapi, still in ihrem Kämmerlein, mit sehr begrenzten Mitteln...

Zysten spielen laut IDSA für die chronische Borreliose "keine Rolle":

Clin Infect Dis. 2014 Mar;58(5):663-71. doi: 10.1093/cid/cit810. Epub 2013 Dec 12.
A systematic review of Borrelia burgdorferi morphologic variants does not support a role in chronic Lyme disease.
Lantos PM1, Auwaerter PG, Wormser GP

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24336823

Über die Biofilme schweigt die IDSA komplett, obwohl Beweise für ihre in vitro Bildung durch Bb existieren und starke Indizien für ihre in vivo Existenz bei chronischen Patienten (ACA) ebenfalls vorhanden sind (Eisendle/Sapi).

http://www.ctpost.com/local/article/UNH-...978859.php

http://lymediseaseguide.org/lyme-disease...ronic-lyme

http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=5947

Sapi hat übrigens bei den meisten AB festgestellt, dass sie auch in hohen Dosen (Doxy bis 5 Mal der üblichen MHK) nur mäßig gegen Biofilme wirken. In üblichen Konzentrationen wirken sie womöglich gar nicht.

Damit haben wir ein mächtiges Problem!!!Sad

Gute Besserung und liebe Grüsse
Sunflower


Lyme-Borreliose seit 2008

Seit Mai 2014 Mitglied beim OnLyme-Aktion.org Verein
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.12.2014 19:31 von Sunflower.)
07.12.2014 19:11
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hanni Offline
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Beitrag #6
RE: Es tut sich was ...
hier isser, der psycho-artikel von 2012, seite 24
http://www.deutschepsychotherapeutenvere...2012-1.pdf

hab ihn aber noch nicht gelesen...

Icon_winken3
hanni
07.12.2014 19:26
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urmel57 Offline
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Beitrag #7
RE: Es tut sich was ...
Hanni Icon_smilina

wow:

Zitat:Kompliziert und völlig unbefriedigend
stellt sich hingegen dieser Sachverhalt
dar, wenn keine Diagnose gestellt und
auch keine sachdienliche Orientierung
gegeben wurde. Der Patient bleibt al-
lein und rutscht in absehbarer Zeit in
die Kategorie „psychisch krank“. Ge-
nau dieses passiert einer großen Anzahl
von Menschen, welche einer Borreli-
eninfektion zum Opfer fielen

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07.12.2014 19:57
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Claire Offline
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Beitrag #8
RE: Es tut sich was ...
Oh, vielen Dank für den Link!

Liebe Grüße
Claire

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08.12.2014 21:08
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Regi Offline
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Beitrag #9
RE: Es tut sich was ...
@fischera:
Ich habe die Übersetzung von damals gefunden, die wir für den Newsletter haben machen lassen. Weiss auch nicht, warum die Schweizer Schlafmützen solch wichtige Dokumente nicht auf der neuen Homepage zur Verfügung stellen.

https://www.dropbox.com/s/fh91v6yosgeadw...g.pdf?dl=0

LG, Regi

Je mehr ich über die Borreliose weiss, desto mehr weiss ich, dass man fast gar nichts weiss.

Nichts auf der Welt ist gefährlicher als aufrichtige Ignoranz und gewissenhafte Dummheit. (Martin Luther King)
09.12.2014 04:46
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fischera Offline
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Beitrag #10
RE: Es tut sich was ...
Frage aus #3
Zitat:Monde und Jahre vergehen
Und sind immer vergangen,
Aber ein schöner Moment
Leuchtet das ganze Leben hindurch.
(Franz Grillparzer 1791-1872, österreichischer Schriftsteller)
DANKE, an alle die sich bemüht haben, eine schlaflose Nacht hatten.(Regi)
09.12.2014 12:15
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