Psyche und Körper -
urmel57 - 16.08.2013
Ein Thema, das immer wieder mal verstärkt auftaucht, und das ich als sehr wichtig empfinde.
In den Threads
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=2840&pid=27815#pid27815
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=2767
sind nun die verschiedenen Aspekte und Wahrnehmungen der Wechselseitigen Auswirkungen von Psyche und Körper angesprochen worden. In meinem Umfeld erlebe ich es zur Zeit, wie schwer es ist, mit diesem Thema umzugehen. Um es von den Ausgangsthreads wegzunehmen, damit es nicht untergeht, habe ich diesen Thread hier nun eröffnet.
Es ist bekannt, dass Krankheit Stoffwechselvorgänge auslöst, die zu psychischen Veränderungen führen können. Ebenso werden zum Teil vorschnell Diagnosen gestellt, die aus Ermangelung anderer Erkenntnisse auf die Schiene "psychosomatisch" geschoben werden.
Bekannt sind zum Beispiel:
Depression
Chronisches Erschöpfungssyndrom
Die als Folge von chronischer Erkrankung und gegebenenfalls genetischer Voraussetzung erfolgen können und NEBEN der Grunderkrankung zum tragen kommen können. Ich glaube sehr viele User hier kennen dieses Problem und war zum Beispiel für mich der Hauptgrund mich überhaupt in ärztliche Behandlung zu begeben.
Normalerweise wäre ich aller Voraussicht nach bei einem Neurologen gelandet, der mir mit Leichtigkeit eine Depression attestiert hätte, die ich zu dieser Zeit auch hatte. (Neben einigem anderen) Das Wort Borreliose traue ich mich fast in keiner Arztpraxis anzusprechen, denn meist treffe ich entweder auf ein mildes Lächeln oder auf eine Blockadehaltung. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Das Ergebnis => Ich fahre über eine Stunde zum Arzt, wenn ich Probleme mit diesem Thema habe, damit ich ein vernünftiges Gespräch darüber führen kann.
Als Nichtbetroffener oder als jemand, der frisch infiziert ist, kann man sich manchmal nur sehr schwer ein Bild über die Ausmaße über dieses Thema machen. Letztendlich ist es so, dass anders als es in den Medien oft dargestellt ist, viel zu wenig über diese Krankheit und deren Langzeitauswirkungen bekannt ist.
Die Diagnose "Psychosomatisch" bekommt man sehr schnell. Funktioniert man nicht so, wie die Gesellschaft es fordert braucht man nur ein krankes Kind, ein Pflegefall in der Familie, eine gescheiterte Beziehung, Arbeitlsosigkeit und schwupps hat man das Übel aller Erkrankungen gefunden. Trauert man nach einem Todesfall länger als 2 Wochen kann man in den USA bereits heutzutage die Diagnose "Depression" gestellt bekommen
http://www.tagesspiegel.de/wissen/streit-um-psychiatrische-diagnosen-ist-das-noch-normal/8081674.html
Zitat:Mir stellt sich ferner die Frage, ob Borrelien nach langer Zeit im Körper solche Schäden angerichtet haben können, dass diese nicht mehr abstellbar sind - ohne weiteres Vorhandensein des Erregers. Das würde diese vielen Beschwerden ohne wirkliche Heilung erklären. Es ist nur eine Hypothese, aber möglich wäre es theoretisch.
Hallo Ole, ich denke durchaus, dass es das gibt. Z.B. wenn Borrelien mit Körperzellen Lipide ausgetauscht haben, wäre auch ein Autoimmunreaktion auf körpereigenen Zellen denkbar aber auch eine Toleranz gegenüber diesen Erreger. Das dumme an der Sache ist eben leider nur, dass über die Folgen viel zu wenig bekannt ist.
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=1433
Insbesondere ist immer noch nicht ganz klar, was die DNA von Borrelien im Körper macht, wenn diese nach Antibiotikabehandlung angeblich nicht mehr aktiv ist. Normalerweise würden tote Bakterien aus dem Körper eliminiert.
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=1327 ähnliche Untersuchungen gibt es auch hier.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23929025
Fragen, Fragen, Fragen aber nur wenige Antworten. Lediglich Theorien und Hypothesen, die dem Patienten nicht weiterhelfen. Was uns als Individuum bleibt ist der Versuch, was hilft und was nicht. Dafür tauschen wir uns hier aus.
Letztendlich glaube ich persönlich, dass alle Infektionskrankheiten und deren chronische Verläufe nur sehr unzureichend untersucht sind.
Ich gehe jedoch davon aus, wenn zyklische Verläufe als Schübe auftreten, dass auch eine Vermehrung von Erregern stattfindet. Diesen logischerweise mit Antibiotika zu begegnen kann zumindest die weitere Vermehrung eindämmen. Viel interessanter ist eigentlich die Zeit zwischen Schüben. Da wäre es die Zeit, das Immunsystem so zu stärken, dass es mit den restlichen Erregern von alleine fertig wird. Aber das mag individuell auch sehr unterschiedlich sein.
Letzendlich sollte man die Psyche aber auch mitberücksichtigen und ich finde es auch keinen Makel, wenn man sich psychologische Beratung zur Krankheitsbewältigung anvertraut, so wie es auch bei anderen Erkrankungen durchaus gemacht wird.
Als Patientenberatung in der Borrelioseberatung jedoch finde ich auch, dass auf alle Fälle erst alle organischen Ursachen einer Erkrankung erfasst werden sollten, bevor vorschnell Borreliose und andere Infektionskrankheiten ausgeschlossen werden.
Die Tendenz, dass die Fachrichtung "Neurologie" verstärkt auch jetzt in die Leitlinienerstellung auch bei der Standardisierung der Tests eingebunden wird, zeigt letztendlich auch, dass Borreliose hauptsächlich als Erkrankung der Nerven und Psyche gesehen wird. Das trifft den Punkt leider überhaupt nicht, denn organisch können sehr viele Dinge passieren, die mit den Nerven nur sekundär zu tun haben. Deshalb ist die Neurologie auch in meinen Augen nicht der einzige Ansprechpartner bei der Diagnosestellung sondern immer ein Internist oder ein Allgemeinmediziner, der sich nicht nur auf den Aspekt "Nervenbeteiligung" spezialisiert hat und die Ganzheitlichkeit eines Menschen im Auge hat.
Wenn alles so klar und einfach wäre bräuchte es noch nichtmal diese Forum.
Liebe Grüße Urmel
RE: Psyche und Körper -
Rosa45 - 16.08.2013
Liebe Urmel,
sehr schön zusammen gefasst

LG Rosa
RE: Psyche und Körper -
Stahlkocher - 16.08.2013
Die Möglichkeit,Ärzte aller betroffenen Fachrichtungen (Internist,Dermatologe,Neurologe-Psychologe,....?? ) zu einer Zusammenarbeit bei einer chronischen Borreolse zu gewinnen, scheint mir weltweit aussichtslos.
Erst wenn die "Leidlinien" verändert werden, die Kassen auch Druck auf die Politik machen, und diese wiederum Gelder für Forschungsprojekte bereitstellen, erst dann werden wir die dem Krankheitsbild entsprechende Behandlung erfahren. Und dazu gehört deutlich mehr als AB.
Grüße, und Dank an Urmel
RE: Psyche und Körper -
lymph - 16.08.2013
als ich wegen einer hirnhautentzundung im kh war, wurde ich kurz vor der Entlassung von einem psychotherapeut befragt da ich auch eine schwere Panik hatte. ist ja gut und Recht. wenn man aber dann so ein wenig aus dem nähKasten plaudert wird m.E. zu schnell ein psychisches Problem festgestellt. ich hatte einfach Angst weil ich eine halbseitige gesichtslaehmung hatte und schwer sprechen konnte. damals war die Diagnose lymphozytares meningitis OHNE Erregernachweis (Borrelien wurden gar nicht untersucht) und eine soforteinweisung psychisch empfohlen. hab ich abgelehnt. ich bin nachwievor der Meinung psychische Probleme zumindest bei mir sind Folge meiner Krankheit. ich mache gerne eine Therapie, aber nur nachdem die eigentliche körperliche Diagnose steht. oft verschwindet die Angst von ganz alleine wenn man weiss was man hat
LG
lymph
RE: Psyche und Körper -
irisbeate - 19.09.2013
Hallo liebe Forumsmitglieder,
komme soeben von einer einstündigen erstmaligen "Sitzung" bei einer
Psychotherapeutin.
Nach ausführlicher Darstellung der jetzigen Lebenssituation und Ereignissen aus meiner Kindheit/Jugend und dem frühen Erwachsenenalter stellte die Therapeutin den Grund fest, warum ich mich derzeitig so stark mit meiner Erkrankung beschäftige:
Mein Leben habe eine innere Leere, es sei zuwenig Dynamik drin.
So ist das also, wenn man seit 18 Jahren einen ruhigen Job hat (für den man allerdings 12 Stunden ab Aufstehen veranschlagen muß) und seit fast der gleichen Zeit noch einen verständnisvollen wundervollen Partner, dessen eigene Kinder längst außer Haus und selbständig sind.
Desweiteren kann ich nur noch mit zwei lieben Katzen zu Hause, ein bißchen Katzenschutzarbeit in der Freizeit und gelegentlichem Gassigehen mit zwei älteren Hunden dienen. Ach ja, und meine alten Eltern besuche ich natürlich auch regelmäßig.
Aber das alles ist der Psychologin zu wenig. Vielleicht sollte ich beim nächsten Mal besser was von Fallschirmspringen, Messerstechereien, fremden Liebhabern und kriminellen Kindern erzählen. Dann hätte ich wenigstens keinen Grund, mich immer mit der Krankheit zu beschäftigen.
Im Prinzip kann man vortragen, was man will, es ist eh egal.
Liebe Grüße, IrisBeate
RE: Psyche und Körper -
Ponti - 19.09.2013
Ich hab meine Psychotante gefeuert, war eine sehr gute Entscheidung, ich komme ohne klar

VG
Ponti
RE: Psyche und Körper -
leonie tomate - 19.09.2013
Es ist wie überall im Leben...es gibt gute und schlechte Psychotanten.
Und manchmal gibt es welche, die sind einfach nur grausig.
RE: Psyche und Körper -
Regi - 20.09.2013
Ich habe jetzt schon zum zweiten mal gute Erfahrung mit ganzheitlich orientierten Psycho-Onkelz gemacht. (Warum der zweite? Der erste ist nach Deutschland ausgewandert.) Die wissen, dass sich die menschliche Psyche nicht in ein Schulbuch pressen lässt. Eine Recherche über den Therapeuten kann deshalb hilfreich sein. Aber nicht immer sind Infos verfügbar.
Mit einer chronischen Krankheit wie der Borreliose umzugehen ist nicht leicht. Neue Symptome machen Angst, Einbruch der Leistungsfähigkeit führt zu vermindertem (Selbst-)Wertgefühl, chronische Schmerzen setzen einem auf Dauer zu etc.
Angst, Schmerzen etc. führen zu körperlichen Anspannungen und auch die Atmung ist anders. Das kann zu weiteren Beschwerden führen. Am Schluss weiss man nicht mehr, was Krankheit und Psyche ist, wenn man sich nicht um seine psychische Gesundheit kümmert - so gut es eben möglich ist. Ignorante, verletztende und demütigende Bemerkungen gewisser Psycho-Onkelz und -Tanten dürften dabei nicht sehr hilfreich sein. Ich habe da auch meine Erfahrungen gemacht. Jede abverreckte Therapiestunde hat dazu geführt, dass ich mindestens ein Jahr keinen Psycho-Onkel mehr sehen wollte.
LG, Regi
RE: Psyche und Körper - Ehemaliges Mitglied - 20.09.2013
Hallo IrisBeate zu #5
Zitat:warum ich mich derzeitig so stark mit meiner Erkrankung beschäftige:
.
Ein Gutachter warf mir das auch vor. In einem Widerspruchsverfahren, machte ich dann deutlich, das ich sicher schon KO oder ein Pflegefall geblieben wäre, wenn ich mich nicht gekümmert hätte. Ich fand einen Spezie der etwas vom 4 Augenprinziep/2 Meinungen/Diskussionen hält. -Allein um den ganzen Ablehnungen, falschen Behauptungen ... etwas entgegenzusetzen, bedarf es WISSEN des Betroffenen. Wenn ich heute etwas von Teilungszeiten, Biofilmen usw. andeute bin ich mir
manchmal sicher, es wird Nachgelesen, was dieser Laie da so von sich gibt. Gern hätte ich (Ihr) eine andere Erkrankung, wo der Arzt einem diesen ganzen
Mist abnehmen kann, und man sich auf das Gesundwerden konzentrieren kann. Doch solange wir wie, nicht existent behandelt werden, die Gegner erst duch Biologische Vorgänge verschwinden werden - Was bleibt uns übrig. Das Ehrenamt wird hoch gehalten, zu recht. Was in diesem Forum schon an Unheil und Leid verhindert wurde, was an Informationen gegeben wird, verdiente eigentlich monatlich eine Auszeichnung seitens des Gesundheitsministerium, Krankenkassen ..... Ich war sehr erfreut über eine Mitteilung hier: Die Krankenkasse schickt mir eine Ärzteliste!!! Zwecks AB Behandlung abseits der
Leidlinien.
http://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum
RE: Psyche und Körper -
dori-39 - 23.10.2013
Liebe fischera,
ich stimme Dir voll zu. Seidem ich im Forum bin, habe ich schon viele richtig gute Infos bekommen und alleine die Tatsache, ernst genommen zu werden, hat mir sehr gut getan - so dass es plötzlich auch mit der AB - Therapie nach einer gewaltigen Durststrecke eine plötzliche Besserung gab.
Ich habe beschlossen, diesen Effekt zu verstärken und habe jetzt eine sehr nette Therapeutin kennen gelernt, bei der ich am 5. Oktober starte.
Ich bin schon gespannt!
dori-39