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Forschungsbedarf und Forschungsansätze - Druckversion

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Forschungsbedarf und Forschungsansätze - landei - 24.09.2012

Ergebnisse eines interdisziplinären Expertentreffens am Robert-Koch-Institut
Bundesgesundheitsblatt 2008

http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/B/Borreliose/Lyme-Borreliose_Bgbl_1108.pdf?__blob=publicationFile


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - fischera - 26.12.2021

Der Link in #1 funktioniert nicht mehr. Da ich persönlich die damals beschriebenen Probleme noch nicht als erledigt betrachte verlinke ich das Treffen in 2007 hier neu.
Lyme-Borreliose: Forschungsbedarf und Forschungsansätze (rki.de)


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - fischera - 26.12.2021

Prophylaxe,
nach Zeckenkontakt.
Deutsche Experten/innen haben sich in den letzten Jahren immer dagegen ausgesprochen. Auch wenn es seit Jahrzehnten Hinweise gibt, die auf eine prophylaktische Maßnahme als sinnvoll hindeuten.
Persönlich habe ich sie bei ca. 50 Zeckenkontakten angewendet, innerhalb von 10 Jahren.
Bestimmte Parameter gaben mir das Ja/Nein. Zecke über 12 Stunden, Zecke direkt von einem z.B. Reh auf mich. usw.
Viele weitere Beiträge hierzu hier im Forum an anderer Stelle.
Bambi schützt vor Borreliose - WELT
Saugzeit Zecke Auswertung Daten - Borreliose Nachrichten (borreliose-nachrichten.de)

Zurück zur Prophylaxe durch Antibiotika.
Eine aktuelle Studie aus China, ist der Anlass meiner Zeilen.
200 mg Doxycyclin können laut einer Studie mit rund 3800 Teilnehmer:innen die Entwicklung einer Lyme-Borreliose verhindern. Alle Proband:innen wiesen zum Zeitpunkt der Einnahme keine Borreliose-Symptome auf. 
In der Antibiotika-Gruppe erlitten 0,2 Prozent der Teilnehmer:innen ein ungünstiges Ereignis. 
In der Kontrollgruppe waren es 2,5 Prozent.
Laut der chinesischen Studie kann die Einmalgabe von 200 mg Doxycyclin also eine Entwicklung der Lyme-Borrelliose verhindern. Der Einsatz sollte jedoch nur im Ausnahmefall erfolgen. 
Beispielsweise dann, wenn die Zecke während des Rausziehens durch Blutaufnahme anschwillt.
Aus:
Doxycyclin zur Borreliose-Prophylaxe | APOTHEKE ADHOC (apotheke-adhoc.de)

Und da sind sie wieder diese 3 Fragezeichen  Huh
Im letzten Satz - während des Rausziehens durch Blutaufnahme anschwillt.
Die Übertragung findet ja beim Gegenteil statt!
Dies verhindert ein Quetschen der Zecke und somit auch die Freigabe von möglicherweise gefährlichen Körperflüssigkeiten.
Aus:
Zecken richtig entfernen | Zecken.de

Weitere Meinungen zum Thema:
2005, sie lesen gegenüber 2021 hat sich die Meinung der Übertragungszeit sehr verändert.
Prophylaxe und Therapie der Lyme-Borreliose (der-arzneimittelbrief.de)
Über Nymphen und adulten Zecken = 2001
Doxycyclin (Doxycyclin u.a.) zur Vorbeugung der Lyme-Borreliose - viele Fragen offen:- arznei telegramm (arznei-telegramm.de)

Auch diese Aussage hilft nicht wirklich weiter, wissenschaftlich gesehen, im Jahr 2021.
Nachdem mehrere Untersuchungen der letzten Jahre sowie eine Metaanalyse die Nutzlosigkeit der prophylaktischen Antibiotikagabe zeigten, konnte erstmals das Gegenteil bewiesen werden. 235 Personen mussten die Einmaldosis einnehmen, damit 7 von 8 erwarteten Erythemata migrantia verhindert werden konnten. Es kann aber nicht das Ziel sein, eine grundsätzlich selbstheilende oder gut behandelbare und wenig krankmachende Manifestation der Lyme-Borreliose zu verhindern.
Aus:
Doxycyclin schützt vor Erythema migrans -- infomed-screen -- Infomed Online

Hier haut mich der letzte Satz fast vom Hocker.

Merke: Eine nicht erscheinende Wanderröte schließt eine Borreliose nicht aus, vielleicht aber doch!?

Und weil ich gern den Unterschied zwischen der USA und Deutschland aufzeige.
Lightbulb
Kampf gegen Borreliose: Hoffnung und viele offene Fragen | US-Studie - SWR2


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - urmel57 - 26.12.2021

Zitat:Zurück zur Prophylaxe durch Antibiotika.

Eine aktuelle Studie aus China, ist der Anlass meiner Zeilen.


Gibt's auch einen Link dazu, bzw. eine nachvollziehbare Quellenangabe? 

LG Urmel


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - fischera - 27.12.2021

Guten Tag Urmel,
ich schrieb der Autorin eine Mail, mit der Bitte um Quellenangabe.
Alexandra Negt | APOTHEKE ADHOC (apotheke-adhoc.de)
Gruß
fischera


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - fischera - 14.01.2022

Frau Negt, #4 hat sich bis dato nicht bei mir gemeldet, 
bezüglich Nennung der Quelle zum Artikel in #1.

Damit ist der Fall für mich erledigt, auch weil (mit Quellenangabe)

BORRELIOSE-PROPHYLAXE 
Doch besser einmalig Doxycyclin nach Zeckenstich? 
STUTTGART - 10.01.2022
Aus:
Borreliose-Prophylaxe: Doch besser einmalig Doxycyclin nach Zeckenstich? (deutsche-apotheker-zeitung.de)


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - urmel57 - 15.01.2022

Danke Fischera,

ich denke es bezieht sich hier auf dieses Review

https://bmcinfectdis.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12879-021-06837-7 das am 8.Nov. 2021 veröffentlicht wurde.

Zhou, G., Xu, X., Zhang, Y. et al. Antibiotic prophylaxis for prevention against Lyme disease following tick bite: an updated systematic review and meta-analysis. BMC Infect Dis 21, 1141 (2021). https://doi.org/10.1186/s12879-021-06837-7




Es wurde ein Literaturreview gemacht, in dem letztlich 6 Studien eingeschlossen wurden.
Zitat:Hintergrund

In Gebieten, in denen die Lyme-Borreliose endemisch ist, sind Zeckenbisse häufig, doch gibt es derzeit keinen Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose beim Menschen. Daher ist die Durchführbarkeit einer Antibiotikaprophylaxe zur Vorbeugung der Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich eine weitere Untersuchung wert. Bisherige Metaanalysen sind nicht aussagekräftig genug, um die Wirksamkeit einer Antibiotikaprophylaxe zur Vorbeugung der Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich nachzuweisen. In dieser Studie untersuchten wir genauere Belege und versuchten, optimale Behandlungsstrategien zu ermitteln und zu aktualisieren.
Methoden

Wir haben PubMed, Embase und die Cochrane Library bis zum 23. März 2021 nach Studien durchsucht. Wir schlossen Studien ein, wenn die eingeschlossenen Patienten innerhalb von 72 Stunden nach einem Zeckenstich zufällig einer Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugewiesen wurden und zum Zeitpunkt des Einschlusses keine klinischen Anzeichen einer Borreliose aufwiesen. Bei der Datenerfassung wurden die PRISMA-Richtlinien (Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-analyses) befolgt. Zwei Autoren (GZZ und XX) überprüften unabhängig voneinander die Abstracts und wählten Artikel für eine detaillierte Bewertung aus. Zur Berechnung der gepoolten Ergebnisse wurde ein Modell mit zufälligen Effekten verwendet und das 95%-Konfidenzintervall (CI) angegeben. Die Qualität der Studien wurde anhand einer modifizierten Jadad-Skala bewertet, und der Publikationsbias wurde mit dem Egger-Test ermittelt. Wir berechneten das Risikoverhältnis (RR) für die Raten ungünstiger Ereignisse bei Patienten, die eine Intervention erhielten, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Studie ist bei PROSPERO unter der Nummer CRD42021245002 registriert.
Ergebnisse

Es wurden sechs Studien (3.766 Personen) eingeschlossen. Die gepoolte Rate an ungünstigen Ereignissen bei den behandelten Personen und der Kontrollgruppe betrug 0,4 % (95%CI: 0,1-1,1 %) bzw. 2,2 % (95%CI: 1,6-3,0 %). Die gepoolte RR betrug 0,38 (95%CI: 0,22-0,66). Eine Subgruppenanalyse ergab eine gepoolte RR von 0,29 (95%CI: 0,14-0,60) in der Gruppe mit 200 mg Doxycyclin zur einmaligen Anwendung, von 0,28 (95%CI: 0,05-1,67) in der Gruppe mit einer 10-tägigen Behandlung (Amoxicillin, Penicillin oder Tetracyclin) und von 0,73 (95%CI: 0,25-2,08) in der Gruppe mit einer topischen Antibiotikabehandlung (Azithromycin).
Schlussfolgerungen

Die vorliegenden Erkenntnisse sprechen für den Einsatz von Antibiotika zur Vorbeugung von Borreliose und weisen auf die Vorteile einer Einzeldosisbehandlung hin, die jedoch noch weiter bestätigt werden muss.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)




Im Journal for Infektion erschien im Juni 2020 eine Studie die in der Metaanalyse oben auch eingeschlossen wurde:
https://www.journalofinfection.com/article/S0163-4453(20)30414-X/fulltext



Zitat:Zielsetzung
Eine einmalige Gabe von Doxycyclin nach einem Zeckenstich kann die Entwicklung von Lyme-Borreliose in Nordamerika verhindern, aber die Extrapolation auf Europa wird durch Unterschiede bei den Genospezies von Borrelia burgdorferi sensu lato und den Zeckenarten erschwert. Wir haben die Wirksamkeit der Prophylaxe nach einem Zeckenstich in Europa untersucht.

Methoden
Wir führten eine offene, randomisierte, kontrollierte Studie durch, bei der eine Einzeldosis von 200 mg Doxycyclin innerhalb von 72 Stunden nach der Entfernung einer angehefteten Zecke aus der Haut verabreicht und mit einer Nichtbehandlung verglichen wurde. Potenzielle Teilnehmer im Alter von ≥ 8 Jahren, die online über einen kürzlich erfolgten Zeckenbiss berichteten, wurden zur Teilnahme an der Studie eingeladen. Nach einer informierten Zustimmung wurden sie nach dem Zufallsprinzip entweder der Prophylaxe- oder der Nichtbehandlungsgruppe zugewiesen. Die Teilnehmer der Prophylaxe-Gruppe wurden gebeten, zur Verabreichung der Antibiotika ihren Hausarzt aufzusuchen. Alle Teilnehmer wurden mittels Online-Fragebögen nachbeobachtet. Unser primäres Ergebnis war die Entwicklung einer ärztlich bestätigten Lyme-Borreliose in einer modifizierten Intention-to-Treat-Analyse. Diese Studie ist im niederländischen Studienregister (NTR3953) registriert und wurde abgeschlossen.

Ergebnisse
Zwischen dem 11. April 2013 und dem 10. Juni 2015 wurden 3538 potenzielle Teilnehmer randomisiert, von denen 1689 in die modifizierte "Intention-to-Treat"-Analyse aufgenommen wurden. Von 1041 Teilnehmern (0,96 %) in der Prophylaxe-Gruppe wurden 10 Fälle von Lyme-Borreliose gemeldet, von 648 Teilnehmern ohne Behandlung 19 Fälle (2,9 %), was einer relativen Risikoreduktion von 67 % (95 % CI 31 - 84 %) und einer Number-Needed-to-Treat von 51 (95 % CI 29 - 180) entspricht. Es wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse gemeldet.

Schlussfolgerungen
Diese auf der Primärversorgung basierende Studie liefert den Beweis, dass eine einmalige Gabe von Doxycyclin die Entwicklung von Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich von Ixodes ricinus verhindern kann.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)



RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - Regi - 15.01.2022

Allerdings stellt sich zu der Studie die Frage, wie lange die Teilnehmer beobachtet wurden und welche Diagnosekriterien verwendet wurden, da ja nach wie vor keine Diagnostika zur Verfügung stehen, die eine aktive von einer früher durchgemachten Borreliose unterscheiden können und unspezifische Symptome nicht zur Diagnose führen dürfen, auch wenn die Tests positiv sind. Wenn die Prophylaxe nur die Wanderröte verhindert, jedoch keine später auftretenden chronischen Verläufe mit unspezifischen Symptomen, ist die Studie soviel wert wie Viele - nämlich nichts.


RE: Forschungsbedarf und Forschungsansätze - fischera - 18.01.2022

Wanderröte = Beitrag von Regi
Ich denke da ist immer noch die Behauptung das die Wanderröte in bis zu 90% der Infektionen auftritt in vielen Köpfen.
In dieser und auch in anderen Veröffentlichungen wurden Studien herangezogenen die als fragwürdig erscheinen, mit dem Wissen der letzten Jahre zum Thema WR. So mein Eindruck als Nichtmediziner.
Studien aus USA z.B. wo es diese Borrelien nicht gibt (*)
Borrelia afzelii – v. a. bei späten Hautmanifestationen

Ich möchte dazu aber selbst keine Diskussion führen, sondern den gesunden Menschenverstand entscheiden lassen.

(Bei weit über 300 Zeckenstichen hatte ich selbst nie eine bemerkte Wanderröte, vielleicht mal EINE ganz kleine. Die brachte mir 5 Tage 100 mg Doxi ein, mit schwerwiegenden Folgen der Chronifizierung. War um das Jahr 2000)

Menschenverstand
Ich bemerke eine Zecke, die über 10 (4) Stunden in mir stecken könnte.
Warum nicht die Einmalgabe (2 X?) von 200 mg Doxi? (oder anderes passendes AB)

Ohne diese Prophylaktische Einnahme passiert doch folgendes, mit etwas "Glück".
Wenn wenige Tage, wenige Wochen später Probleme auftreten dann stehen 3 Wochen Doxi an.

Und nicht nur Du und ich wissen u.U. sind 3 Wochen nicht immer ausreichend.

Persönlich bedaure ich es sehr, dass diese Forschung nicht fruchtete.
2011
Ein Pflaster mit dem Antibiotikum Azithromycin, direkt auf dem Zeckenbiss angebracht, kann eine Borreliose-Infektion verhindern. Dies haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig und der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) an Mäusen nachgewiesen.  Die Mäuse wurden mit Spritzen oder über Zecken mit den Borreliose-Erregern Borrelia burgdorferi infiziert. Die Tiere wurden entweder eine Stunde oder drei Tage danach an der Einstichstelle mit Azithromycin behandelt. Anschließend konnten in allen Mäusen keine Erreger mehr nachgewiesen werden.
Aus:
Pflaster gegen Borreliose | APOTHEKE ADHOC (apotheke-adhoc.de)

Es wären wohl nur einige Borreliose Experten/innen erbost (Patente) wenn keine ELISA oder Western Blot Test mehr nötig wären.
(Nachfragen dazu gern über PN ein kleiner Einblick in die Materie sei mir hier gestattet, an dieser Stelle.
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=77820&pos=4&anz=563&Blank=1.pdf )

(*) 2018
Die Populationsstruktur, die klinischen Erscheinungsformen und die Humanpathogenität von B. afzelii in Europa sowie von B. burgdorferi s. s. in Europa und den USA wurden verglichen. Darüber hinaus wurde die Invasivität von Sequenztypen (ST) und klonalen Komplexen (CC) bei beiden Arten analysiert.
...
Moderne Typisierungssysteme haben bereits eine riesige Datenbasis für bakterielle Analysen geschaffen. Dennoch wären weitere Studien auf der Grundlage unserer Daten erforderlich, um die Unterschiede zwischen ST und CC in der Humanpathogenität zu verifizieren und geeignete statistische Daten über die Unterschiede zwischen ST in Europa und den USA zu erhalten.
Aus und mehr
Multilocus Sequence Typing von Borrelia burgdorferi sensu stricto und Borrelia afzelii Stämmen aus Europa und den USA: Populationsstruktur, Pathogenität und Patientensymptomatik (uni-muenchen.de)