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Wie mache ich weiter - ehemaliges Mitglied 4 - 10.08.2015

Zitat Nimrod:
Zitat:Können wir Dir noch irgendwie weiterhelfen?
Ja, das wäre schööön!

Dies ist meine aktuelle Situation und dies sind meine Überlegungen:

Ich nehme die AB nur als Notlösung. Hätte ich die Wahl, würde ich einen anderen Weg gehen. Ich habe aber bis heute keinen Arzt für andere Möglichkeiten gefunden oder nur so weit entfernt, daß es nicht machbar ist.

Außerdem werden AB mit Glück von der Krankasse bezahlt, auch das ist leider ein Aspekt in meiner Situation.

Grundsätzlich sehe ich AB schon als Ursachenmedizin und lebensrettend, aber eben für den kurzen Einsatz, wenn Keime z.B. zu aggressiv sind und das Immunsystem es, aus welchen Gründen auch immer, nicht allein schafft.

Wenn ich AB jetzt nicht nur kurzfristig nehme, sondern quasi erstmal open-end, dann möchte sie so nehmen, daß sie ihren Zweck möglichst gut erfüllen und dem Organismus möglichst wenig schaden. Der Zweck ist, hochgradig trickreiche Organismen in allen ihren Formen zu treffen unter Berücksichtigung ihrer Mechanismen.

B. Rosner in Freedom from Lyme Disease, S.87:
Zitat:In simplified terms, there are two opposing camps of Lyme physicians: those who advocate staying on the same treatment protocol for months or even years, and those who recognize that treatments should be rotated immediately after a “plateau” is reached. As time passes, I’m finding that more and more Lyme doctors are moving to the latter camp.

K. Spreen, Compendium of Tick-Born Disease (2013), S.526:
Zitat:In some cases the longer an AB is taken the more likely significant and sometimes permanent Adverse Effects can result.

Bei mir ist die Situation jetzt folgende:

Am 2. Juli mit Quensyl 2x1 angefangen, dann nach und nach dazu:
Clarithromycin 500mg 2x1
Minocyclin 100mg 1x 2

Seit dem 17. Juli nehme ich die Kombination in voller Dosierung.
D.h. Ende dieser Woche sind es 4 Wochen.

Vertragen tu ich die AB bisher vom Magen her und auch sonst.

Jedes Mal, wenn ich ein AB hinzugenommen habe, gab es drei sehr schlechte Tage mit enormer Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Erschöpfung, schwarzen Gedanken, Verstopfung ect. Wenn die schlechten Tage vorbei waren, ist der Zustand eigentlich „wie immer“, d.h. es passiert nicht viel außer vielleicht etwas mehr Kreislaufschwäche. Aber das kann auch vom Wetter kommen, mit dem ich sehr schlecht zurechtkomme (hohe Luftfeuchtigkeit, Tiefdruckgebiete, oder auch große Hitze)

1) Besser: Die gesamte Verdauung war schlagartig so gut wie seit langem nicht mehr (und damit ein wesentlicher Entgiftungsweg offen!). Ich hatte schon erwähnt, daß ich Dünndarmfehlbesiedlung habe und da helfen AB. Ich nehme die Verbesserung daher als Bestätigung.
2) Besser: Der Juckreiz nachts an allen möglichen Körperstellen ist deutlich weniger.
3) Schlechter: Tinnitus ist jetzt immer sehr laut, auch am Tag.

Wenn ich drei hochdosierte AB nehme, müßte ich dann nicht MEHR merken - Herx od. Besserung?

Seit ca 4 Tagen hat sich das Bild wieder verändert: die Verbesserungen bei Verdauung u. Juckreiz sind rückläufig.

Jetzt denke ich, das könnte so eine Situation sein, wo die aktuellen AB ihren Dienst quasi getan haben (oder die Erreger sich entzogen haben) – also vielleicht ein „Plateau“ - weshalb ich vielleicht eins der AB wechseln sollte.

K. Spreen, S.137:
Zitat:A plateau is a state of little or no change after a time of progress. While many Lyme patients are grateful for plateaus compared to what they experienced previously, the symptoms persist. This is not a time of waxing and waning but of a fairly stable clinical picture. Patients can plateau with barely noticeable manifestations of Lyme or they can be incapacitated. Practitioners can try to break through a plateau by considering adding medicines, changing regimens, adjusting doses, mulling co-infections, or including ancillary, supportive, or alternative approaches. Continue to pursue and you just might achieve it.

K. Spreen, S.186:
Zitat:With a plateau the patient is not symptom-free but they aren’t getting better or worse either. They aren’t progressing as expected. They may experience low grad symptoms. Consider reworking of the overall strategy. … Dr. Burrascano has used a cyclic approach to plateaus. He would stop all antibiotics until the ssymptoms return, then uses high level antibiotics before again stopping until symptoms return. He repeats this same cycle until he breaks through. Usually 3 to 4 cycles are needed for effect.
… With the cycling nature of LD, with all the waxing and waning and flaring and relapsing, expect to have to change gears more than once in the course of persistent infections.

FRAGE 1: Als erstes wollte ich eigentlich noch Metronidazol zur bisherigen Kombo dazunehmen. Aber jemand im Forum hatte geschrieben: nicht mit Tetrazyklinen? Aber ich habe auch gesehen, daß Ärzte es zusammen geben. Was sagt ihr dazu?

FRAGE 2: AB rotieren (z.B. Horrowitz), d.h. zügig wechseln, bis man diejenige Kombination gefunden hat, die Wirkung zeigt, dann auf dieser länger bleiben. R. Horrowitz: Alles versuchen, um die richtige Kombi zu finden.

R. Horrowitz S.132
Zitat:I have found that thirty days is adequate in up to 80 percent of cases in determining whether or not the patient will respond to a specific regimen. Therefore, I consider rotating the regimen after one months if a particular treatment does not appear to be working. The only exception would be severe Jarisch-Herxheimer flares with a specific therapy, which will confound the clinical presentation …

vgl. auch Beitrag #1 von Valtuille hier:
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=3851&highlight=Plateau
Zitat:Er findet es wichtig, Protokolle zu rotieren, wenn ein Patient ein Plateau erreicht.
Teilweise verwendet er auch nur 1 AB und kombiniert es mit Kräutern.
Auch Umwelteinflüsse seien ein großes Problem ….

FRAGE 3: Pausen einlegen, damit die versteckten Spirocheten wieder an die Oberfläche kommen und man sie erneut attackieren kann? In diesen Pausen kann man andere Dinge tun, auch pflanzliche Mittel benutzen.

Sunflower schrieb hier, #29
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=5883&page=3&highlight=Bryan+Rosner
Zitat:Eine Patientin meines Spezis (der allerdings nur gepulst 10-12 Tage behandelt, da er die Erfahrung gemacht hat, dass dieses Schema genauso gut klappt wie eine Dauereinnahme von AB) wurde nach 1,5 Jahren wieder gesund.

Aber: Mehrere user im Forum haben geschrieben, daß ihnen Pausen nicht gut getan haben.

K. Spreen, S. 173:
Zitat:Be cautious if you decide to interrupt antibiotic coverage. Some practitioners believe that the best outcome results when at least one antibiotic is covering the patient at all times. Although specific antibiotic may be paused or changed during the treatment course, at least one antimicrobial is kept on board continuously …. If one agent is paused, then others are there as back-up. While that being said, some well-respected practitioners use pulsing, drug holidays, and treatment vacation with reports of success in their practices, especially in dealing with plateaus and relapses. Use risk/benefit analysis to decide what is best for a particular patient.

Wenn das mit Metronidazol zu Minocyclin dazu geht, würde ich erst das machen wollen. Anschließend würde ich Clarithromycin gern gegen Rifampicin tauschen.

FRAGE 4: Was mich dann noch interessiert: hat irgendjemandem im Forum eine Untersuchung des Immunsystems (Lymphozytentypisierung) konkret in der Behandlung weitergeholfen?

Und zum Schluß - Zitat Nimrod:
Zitat:Hast Du einen erfahrenen Schwermetallausleiter?

Nein, habe ich nicht. Ich habe vor kurzem einen Kassenarzt an meinem Wohnort gefunden, der bereit ist, mir die AB zu verschreiben. Er hat lange Jahre Erfahrung als Arzt, weil er schon älter ist, aber er ist kein erfahrener Arzt, was die Behandlung chron. Multiinfektionen betrifft. Wir versuchen das sozusagen zusammen, aber ich weiß nicht, wie sich das entwickeln wird. Er spritzt auch DMPS, und das schon lange, hat sich damit beschäftigt, möglich sogar, weil selber betroffen. Aber, wie immer, weiß ich nicht, was er weiß …. Da ich einige ungeklärte Störungen im Elektrolytbereich habe, möchte ich kein Risiko eingehen. Ich werde mit ihm reden, wenn er in 3 Wochen aus dem Urlaub zurück ist, bin aber für weitere Tipps offen.

Sonst habe ich niemanden für gar nichts, ich wohne halt in einer Gegend, wo Ärzte, die mehr als die verordnete Kassenmedizin machen, extrem rar sind. (Norddeutschland)

Nachdem mein letzter Versuch Anfang diesen Jahr bei einem Arzt von der Borreliose-Liste ein totaler Flop war, wollte ich eigentlich keinen weiteren Versuch in dieser Richtung machen. Aber vielleicht wäre es doch sinnvoll, allein als Rückendeckung für meinen Arzt zuhause. Allerdings könnte das wegen der Entfernung ja höchstens eine Beratung sein. Und dann frage ich mich schon wieder, ob sich das lohnt, wo alles so variable ist?

Übrigens habe ich mal gefragt, wie man auf die Liste von Frau Hopf-Seidel kommt. Mir wurde gesagt, wenn man Frau H.-S. anruft und sagt, daß man auch Borreliose behandelt, dann kommt man auf die Liste!!Confused

Viele Grüsse, Klarinette


RE: Wie mache ich weiter - Filenada - 11.08.2015

Aus Zeitgründen beantworte ich mal nur schnell die Frage, die Du nicht numeriert hast, die ich aber wichtig finde:

(10.08.2015, 18:35)Klarinette schrieb:  Wenn ich drei hochdosierte AB nehme, müßte ich dann nicht MEHR merken - Herx od. Besserung?

Hab mehr Geduld mit Dir und Deinem Körper! Du nimmst die Antibiotika in voller Dosierung jetzt noch nicht einmal vier Wochen. Man kann nicht davon ausgehen, daß alles innerhalb von Tagen "erledigt" ist, was sich jahrelang und in aller Seelenruhe im Körper ausbreiten konnte, zumal das bei Dir ja auch schon etliche Jahre sind. Bei vielen stellen sich die Verbesserungen erst später ein; bei mir gab's die ersten bleibenden Verbesserungen erst nach vier Monaten nonstop-Antibiose!
Ich will Dir (oder auch anderen, die hier mitlesen) damit nun keine Angst machen - um Jottes Willen! Nur den Tip geben: "runterkommen" und dem Körper die Zeit geben, die er braucht; er leistet grad zusammen mit den ABs Schwerstarbeit, das braucht seine Zeit. Sobald man sich unter Druck setzt, ist dies Streß für den Körper. Und Streß ist das mit Abstand Kontraproduktivste beim Gesundwerden. Also alles in Ruhe und - bildlich gesprochen - nicht schon die Fragen von überübermorgen heute versuchen zu beantworten.


RE: Wie mache ich weiter - Nimrod - 11.08.2015

Was unternimmst Du, um Biofilme abzubauen?


RE: Wie mache ich weiter - Niki - 11.08.2015

Hallo Klarinette,

sei mir nicht böse, aber du fängst an dich bissle im Kreis zu drehen und dadurch wirds dir vielleicht grad bissle schwindelig Blush

Du suchst nach der perfekten Lösung und verzweifelst dran, dass es die nicht gibt.

Aber es führen viele Wege nach Rom. Vielleicht musst du dich auch einfach mal auf ein Konzept einlassen. Such dir einen Arzt, dem du Vertrauen schenkst. Egal - auch wenn der weiter weg ist. Du hast nämlich das große Glück einen Hausarzt vor Ort zu haben, der bereit ist unterschiedliche Therapien mit dir durchzuziehen. Indem du anfängst selber zu recherchieren - bei ehrlich gesagt mehr oder weniger zuverlässigen Quellen - und versuchst das iwie in deine Behandlung einzuwursteln, wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum gewünschten Ziel kommen.

Versteh mich bitte nicht falsch...es ist gut, sich zu informieren, aber ohne einen spezialisierten Arzt wird es sehr schwierig.

Auch muss man in der Borreliose-Therapie vor allem eins haben - Geduld. Ich weiß selbst, dass das aber unwahrscheinlich schwierig ist. Aber das ist auch mit der Schlüssel zu einer Verbesserung.

Nun zu deinen Fragen....

Frage 1....Metro sowie auch Tinidazol ist ohne Probleme mit den Tetracyclinen zu kombinieren. Das ist ein gängiges Therapieschema, das viele Ärzte anwenden.

Frage 2...Wenn ein Regime nicht wirklich anspricht lohnt sich ein Wechsel, man muss einer Therapie aber auch eine Chance geben (das sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen, denn Patienten interpretieren das oftmals falsch). ....Inwieweit aber ein dauernder schneller Wechsel gerechtfertigt ist, wenn man derzeit nicht mal genau sagen kann, ob es für manche Patienten DAS heilbringende Therapieregime überhaupt gibt? Meiner Meinung nach muss man da über die Pathogenese des Erregers mehr wissen. Und da ist jetzt nicht Kunst, sondern Wissenschaft gefragt. Aber vielleicht kann man da ja in näherer Zeit mit neuen Infos rechnen.
Man muss sich bei solchen Therapien auch immer bewusst sein, dass das reine Versuche sind. Und meiner Meinung nach sollte man da immer hinterfragen, wie schwer bin ich überhaupt betroffen. Bei ganz schweren Fällen haben solche Therapie sicherlich ihre Daseinsberechtigung.

Frage 3....auch die Pausen sollten in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Pausen können Sinn machen, aber auch kontraproduktiv sein. Bei sehr langer Therapie macht eine Pause Sinn, weil man Nebenwirkungen oftmals von Borreliose-Symptomen nicht mehr unterscheiden kann. Bei manchen Patienten tritt eine Verbesserung auch erst nach Absetzen der Therapie ein.

Frage 4....Eine Lymphozytendifferenzierung bzw. generell der Besuch bei einem Immunologen macht meiner Meinung nach Sinn. Das Immunsystem hat bei einer Infektion eine ganz zentrale Rolle. Und je nach Verschiebungen im Lymphozytenstatus kann man auch Indizien für die Entstehung der Erkrankung finden. Ob z.b. autoimmune Prozesse mit eine Rolle spielen oder generell das Immunsystem nicht in der Lage ist, sich gegen Erreger zu Wehr zur setzen.

Mein Lymphozytenstatus ist mit einer chronischen Infektion vereinbar. Ich habe z.B. ein sehr gut funktionierendes Immunsystem, dass aber dauerhaft im Sinne der Auseinandersetzung mit einem intrazellulären Erreger stimuliert ist. Das Immunsystem ist nicht mehr in der Lage zurückzufahren und das ist dann quasi die Basis für weitere autoimmune Prozesse.

zwecks der Borreliose-Liste...so viel ich weiß, kommt man da drauf, wenn man angibt, Borreliose nach den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gesellschaft zu behandeln. Das wird aber von manchen Ärzten recht unterschiedlich ausgelegt und es lohnt sich immer, zu einem Arzt auf der Liste Erkundigungen einzuholen. Am besten bei der nächsten SHG oder aber auch hier im Forum.

LG Niki


RE: Wie mache ich weiter - ehemaliges Mitglied 4 - 11.08.2015

@ Filenada, was denkst du denn, wie lange ich der ersten AB-Kombination ungefähr Zeit geben sollte, bevor ich weiter überlege?

@Nimrod, habe es diesmal nur vergessen zu erwähnen: ich nehme von Anfang an Enzyme dazu. Was ich noch nicht genommen habe, ist ein Probiotikum.

@Niki,

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  Aber es führen viele Wege nach Rom. Vielleicht musst du dich auch einfach mal auf ein Konzept einlassen.

Darum geht es ja, auf welches Konzept lasse ich mich ein?

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  bei ehrlich gesagt mehr oder weniger zuverlässigen Quellen

Ich dachte schon, daß so jemand wie R. Horrowitz eine zuverlässige Quelle ist. Und Dr. Kathleen Spreen schon gar. Die hat ihr Leben lang in den USA auf verschiedensten Ebenen des Gesundheitssystems gerabeitet, auch viel wissenschaftlich. War selber an chron. B. erkrankt, ihr Sohn war schwerst erkrankt. Bis vor einigen Jahren hat sie viele Borreliose-Patienten behandelt. Ihr Buch enthält allein 19 Seiten nur Quellenangeben, pro Seite ca 33. Sie hat unzählige Studien gelesen.

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  Auch muss man in der Borreliose-Therapie vor allem eins haben - Geduld.

Leider sagt einem keiner, wie viele Tage/Wochen/Monate man mit einer Kombination abwarten sollte. Oder woran man merkt, daß eine Änderung angebracht ist. Wenn ich das Gefühl hätte, auf einem guten Weg zu sein, wäre das mit der Geduld einfacher. Ich hab schon so viele Lebensjahre verloren.

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  Frage 2...Wenn ein Regime nicht wirklich anspricht lohnt sich ein Wechsel, man muss einer Therapie aber auch eine Chance geben (das sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen, denn Patienten interpretieren das oftmals falsch).

D.h. man kann nicht selber am eigenen Körper/Befinden feststellen, wann ein Wechsel angezeigt ist?

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  ein sehr gut funktionierendes Immunsystem, dass aber dauerhaft im Sinne der Auseinandersetzung mit einem intrazellulären Erreger stimuliert ist. Das Immunsystem ist nicht mehr in der Lage zurückzufahren ...

Und wird das überaktive IS auch mit behandelt?

(11.08.2015, 08:23)Niki schrieb:  es lohnt sich immer, zu einem Arzt auf der Liste Erkundigungen einzuholen. Am besten bei der nächsten SHG oder aber auch hier im Forum.

Werde ich machen.

VG, Klarinette


RE: Wie mache ich weiter - Ehemaliges Mitglied - 11.08.2015

@ Klarinette
Zitat:Bislang gibt es für diese ernstzunehmende Infektion nur unzureichende Forschungsergebnisse. Die meisten stammen aus den USA und können nicht eins zu eins auf Europa übertragen werden, da Borreliose in Europa auch durch andere Borrelienspezies verursacht wird und andere Krankheitsausprägungen hervorruft.
http://onlyme-aktion.org/borreliose-neue-langzeit-bevolkerungsstudie-in-deutschland-untersucht-wird-auch-auf-den-borreliose-erreger/

Dazu ein Interwiev mit Herrn Horrowitz:
Zitat:Die Zecken in Europa müssen auf Borrelia burgdorferi, aber auch auf andere Borrelienstämme untersucht werden. Längst gibt es ja andere Borrelienspezies in Zecken:
Borrelia miymotai
Borrelia afzelii
Borrelia garinii
und andere,
Aus:
http://www.borreliose-verschwiegene-epidemie.de/2014/07/08/borreliose-zusammengefasste-%C3%BCbersetzung-dr-horowitz-im-belgischen-senat/
Es gibt keine Zeitvorhersage der Behandlung. Viel zu viele spezifische Beschwerden, Belange, Ursachen spielen dabei eine Rolle.
Hier berichten über 800 Betroffenen über IHRE Erfahrungen:
11. Auswertung
http://www.borreliose-nachrichten.de/uebersicht-aller-auswertungen/

Wir haben es hier mit BORRELIEN (853 Gene) zutun. Die sollte man sehr ernst nehmen. Und nicht mit 08/15 Bakterien gleichsetzen.

Zitat:Es zeigte sich, dass auch bei Patienten mit jahre- bis jahrzehntelanger Vorgeschichte totale Beschwerdefreiheit erreichbar war, und dies immerhin in 37% der Fälle.

In 56% der Fälle konnte befriedigende Beschwerdebesserung erreicht werden, aber trotz monatelanger Behandlung kam es bei diesen Fällen noch zu Rezidiven, wobei durch jeweils neuerliche 3-4-wöchige Antibiose jeweils wieder Besserung erzielt werden konnte.
Aus:
http://www.dr-w-klemann.de/htmldocs/neuigkeiten-erfahrungen-mit-langzeitantibiose-erkenntnisse-ueber-biofilme.htm

Das ist aber alles kein Grund, den Kampf nicht anzufangen. Es ist nur sinnvoll seinen Gegner zu kennen und ihm immer einen Schritt voraus zu sein.
Alles Gute


RE: Wie mache ich weiter - Niki - 11.08.2015

Hallo Klarinette,

fischera hat's schon geschrieben. Die Situation und die Veröffentlichungen in den USA sind nicht so ohne Weiteres auf Europa zu übertragen. Dort haben sie hauptsächlich mit einem Stamm zu tun, während wir hier in Europa viel mehr unterschiedliche Stämme haben. Bei denen wiederum der Verdacht da ist, dass sie unterschiedlich auf AB reagieren.

Zitat:D.h. man kann nicht selber am eigenen Körper/Befinden feststellen, wann ein Wechsel angezeigt ist?

Nicht unbedingt. Ein Wechsel wäre für mich angezeigt, wenn sich unter einem Therapieregime über mehrere Wochen keine Veränderung zeigt. Das heißt, keine Veränderung sowohl ins Positive wie auch ins Negative. Wenn sich unter einem 2. Therapie-Regime auch nichts verändert, sollte auf jeden Fall die Diagnose überdacht werden.

Eine Verschlechterung unter AB wird von manchen Patienten häufig als Unverträglichkeit empfunden. Ebenso kann da auch der Gedanke aufkommen, dass das AB nicht wirkt und die Borreliose sich verschlechtert. Oftmals ist das aber gerade ein Zeichen der Wirksamkeit. Auch wenn man subjektiv das Gefühl hat, dass es einem wesentlich schlechter geht. Meist nicht nur physisch, sondern auch psychisch.

Zitat:Und wird das überaktive IS auch mit behandelt?

Ja, eigentlich müsste ich Kortison nehmen, was aber durch die chronische Infektion kontraindiziert ist. Der Therapie-Vorschlag meines Immunologen (was gerade auch aktuell vom Rheumatologen bestätigt wurde) ist ein Tetracyclin in niederer Dosierung über 1 Jahr. Und zwar nicht wegen der antibiotischen Wirkung, sondern wegen der immunmodulierenden und entzündungshemmenden Wirkung der Tetracycline.

LG Niki


RE: Wie mache ich weiter - ehemaliges Mitglied 4 - 11.08.2015

Danke!

Klarinette

Ach, doch noch eine Frage: Metronidazol.

DerMarc hat hier (#38)
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=1144
geschrieben, daß er das Metronidazol 10 Tage lang VOR den AB genommen hat.

Und Leonie hat geantwortet (# 44),
Zitat:Yipp, das Metronidazol kommt vor der kombinierten Therapie mit Mino, Azi und Quensyl.

Ich hatte mir das auch überlegt, daß das eigentlich Sinn macht: erst die Zysten, dann Therapie für das, was aus den Zysten kommt. Hm. Leider hat mich keiner drauf hingwiesen.

Fange mit dem Metronidazol dann also jetzt an.


RE: Wie mache ich weiter - AnjaM - 11.08.2015

(11.08.2015, 12:23)Klarinette schrieb:  Leider hat mich keiner drauf hingwiesen.

Mich auch nicht. Ich habe es nach den Antbiosen erhalten und seitdem keine einzige Antibiose mehr gebraucht.

Es gibt eben kein standardisiertes Heilungsrezept - das musste ich auch lernen. Und auch mal Rückschläge wieder einstecken. Ich glaub, dass eine der wichtigsten Lektionen, die man mit dieser Krankheit zu lernen hat, Geduld ist. Undecided


RE: Wie mache ich weiter - Filenada - 11.08.2015

(11.08.2015, 09:25)Klarinette schrieb:  @ Filenada, was denkst du denn, wie lange ich der ersten AB-Kombination ungefähr Zeit geben sollte, bevor ich weiter überlege?

Ich kopiere Dir hier noch mal meinen letzten Gedanken von heute morgen hin:
Zitat:Sobald man sich unter Druck setzt, ist dies Streß für den Körper. Und Streß ist das mit Abstand Kontraproduktivste beim Gesundwerden. Also alles in Ruhe und - bildlich gesprochen - nicht schon die Fragen von überübermorgen heute versuchen zu beantworten.
Und das meinte ich auch so!
Aber Du kommst mir so hibbelig vor (will Dir nicht zu nahe treten, Du wirkst aber so auf mich), daß es scheint, Du liest es nicht mal in Ruhe durch, damit es sacken kann. Sondern stellst statt dessen gleich die nächste Frage, die praktisch in dieselbe Richtung geht.
Du sollst Dir eben NICHT irgendwelche Termine setzen in Sachen Antibiose, weil DAS nämlich Streß ist, wie ich heute früh schon schrieb.
Laß es - Deinem Körper zuliebe - langsam auf Dich zukommen! Ein Tag dauert 24 Stunden, eine Woche sieben Tage, das sind 168 Stunden. Das heißt, die nächsten drei Wochen sind über fünfhundert Stunden... Nimm Dir diese auch!
Selbst wenn Du jetzt die dollsten Pläne schmiedest für in drei oder fünf Wochen, was ist, wenn sich Deine Untermieter oder Dein Körper nicht an diese Pläne halten? Dann haste Dir jetzt umsonst den Kopp zermartert, umsonst Streß selbst produziert. Warte doch erstmal eine gewisse Zeit ab, ohne einen Termin zu setzen! Und DANN kannste immer noch entscheiden, wie Du weiter vorgehst.

Glaub mir, ich mußte auch erst Geduld lernen, wollte anfangs auch alles gleich auf einmal. Aber so funktioniert's nicht. Leider.
Bei dem einen wirken ABs schon nach paar Tagen positiv, bei anderen erst nach Wochen oder Monaten. Bei einigen gibt's Rückschläge, bei anderen zwischendurch Stillstand, bei wiederum anderen gleich von Anfang an Verbesserung. An Wochen- oder Monatszahlen anderer kann man sich mit dieser scheiß Erkrankung aber nun mal nicht orientieren, jeder ist anders gestrickt von seinen Nehmerqualitäten, von seinem Immunsysten und vor allem von seiner Erregerbelastung her.
Also nimm Dir Zeit, gönn Dir zwischendurch immer was Gutes. Lies auch mal was anderes, tu was anderes, lenk Dich ab, laß Dich ablenken - nicht alles im Leben ist Krankheit. Und das ist nicht als verdroschene Phrase gemeint, sondern aus jahrelanger eigener Erfahrung. Ich drück Dir die Daumen! Heart