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Brucellose - Heinzi - 11.11.2015

Liebe Leute,

hier im Forum wurde noch relativ wenig über die Brucellose geschrieben. Dabei ist sie in mancher Hinsicht in der Symptomatik der Borreliose ähnlich und sollte meiner Meinung nach in der Differentialdiagnostik mit berücksichtigt werden. Dies gilt auch weil sie mit Doxycyclin in Kombination mit Rifampicin über 6-12 Wochen behandelt wird und längere Behandlungszeiträume bei neurologischen Schäden indiziert sind. Hinter einem "Borreliose-Rückfall" nach einer 6-wöchigen Doxy-Behandlung nach anfänglicher Besserung könnte sich eventuell eine Brucellose verbergen.

Der RKI-Ratgeber für Ärzte zur Brucellose schreibt:

"Bei der Brucellose handelt es sich um eine Zoonose, die durch Infektion mit Bakterien der Gattung Brucella (B.) erworben wird. ... Endemiegebiete sind der Mittelmeerraum, die Arabische Halbinsel, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika. ... Erkrankungen bei Menschen gehen in der Regel auf den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder direkten Kontakt zu infizierten Tieren zurück. Wichtigste Infektionsquellen für den Menschen sind kontaminierte, nicht pasteurisierte Milch bzw. aus ihr hergestellte Produkte."

"Der Beginn ist entweder schleichend (meist bei B. abortus) oder plötzlich (häufiger bei B. melitensis) mit Fieber, Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nachtschweiß. Der Fieberverlauf erstreckt sich über 7-21 Tage und kann von 2- bis 5-tägigen fieberfreien Intervallen unterbrochen sein (undulierendes Fieber). ... Bei nicht erkannten oder nicht korrekt behandelten Infektionen sind längere Erkrankungsverläufe möglich und nicht ungewöhnlich. ... Die Erkrankung manifestiert sich mit unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Leistungsminderung, Schweißausbrüchen und depressiven Episoden. Während Fieber, Hepatosplenomegalie und hämatologische Komplikationen selten zu beobachten sind, fallen relativ häufig Spondylitiden und Uveitiden auf. Die Rezidivhäufigkeit ist bei nicht adäquater Antibiotikatherapie sehr hoch. ... Chronische Verläufe werden meist durch persistierende Infektionsfoki in Knochen, Leber oder Milz unterhalten. Häufig ist der Befall von Knochen und Gelenken, insbesondere in Form einer Sacroiliitis, Arthritis und Bursitis. Auch das Auftreten einer Meningitis, Endokarditis und Epididymo-Orchitis ist möglich. In seltenen Fällen kommt es zur Cholezystitis, Pankreatitis oder Peritonitis. Bei Befall des Knochenmarks resultieren Anämie, Leukopenie und Thrombopenie. Der Befall der Lunge kann mit Vergrößerung der hilären und paratrachealen Lymphknoten sowie einer interstitiellen Pneumonie einhergehen."

"Die klinische Diagnose ist angesichts der Mannigfaltigkeit der Krankheitserscheinungen sehr schwierig. ... Antikörper gegen andere Erreger (z.B. Yersinia, Francisella, Salmonella) können zu falsch positiven Ergebnissen führen (Kreuzreaktionen)."

"Als Therapie wird in der Regel eine Kombination aus Rifampicin und Doxycyclin (6-12 Wochen) empfohlen. Insbesondere beim Befall von Gelenken, neurologischen Manifestationen oder ausgeprägter Organbeteiligung - speziell bei Vorliegen einer Neurobrucellose oder Endokarditis - sind ggf. auch weitere Kombinationen von Medikamenten sowie deutlich längere Behandlungszeiträume indiziert."

Heinzi


RE: Brucellose - Niki - 12.11.2015

Wir haben in der Verwandtschaft einen Brucellose-Fall.

Angesteckt auf dem eigenen Bauernhof vor über 30 Jahren. Nach Behandlung als geheilt entlassen und auch weiterhin keine wesentlichen Probleme.

Nach einer OP vor ein paar Jahren plötzlich hohes Fieber und entzündetes Knie. Die Ärzte haben aber nach früheren Erkrankungen gefragt und sind der Brucellose sofort nachgegangen und Bingo.

Nach einer AB-Therapie geht's wieder.

LG Niki


RE: Brucellose - Filenada - 13.11.2015

Bei mir wurden vor vier Jahren auch Antikörper gegen Brucellen festgestellt. Da sich die Symptome aber mit denen der anderen sechs Untermieter sehr überlappen, kann ich nicht sagen, wer was bei mir verursacht hat. - Therapie war dann: Mit Schrot schießen und anschließend gucken, was übrig bleibt; sprich Kombi-Antibiose, die alle abdeckt.


RE: Brucellose - KeyLymePie - 28.01.2016

Welche Antibiotika Kombination wäre denn geeignet bei aktiver Borreliose + Brucellose? Von Minocyclin, Azitromycin und Tinidazol lassen sich weder Borrelien noch Brucelen großartig beeindrucken.

Würde Cefotaxim + Rifa was bringen?


RE: Brucellose - Luddi - 28.01.2016

(28.01.2016, 18:18)KeyLymePie schrieb:  Von Minocyclin, Azitromycin und Tinidazol lassen sich weder Borrelien noch Brucelen großartig beeindrucken.

das würde ich so nicht unterschreiben. Beeindrucken lassen sich Borrelien schon davon, mir gings damit deutlich besser, aber sie lassen sich nicht wegkriegen, da hast Du recht.

Ich glaube die Standardtherapie für Brucellen ist Rifa und Doxy in Kombi für 6 Wochen.

lg luddi


RE: Brucellose - fischera - 30.01.2016

Der Überbegriff = Zoonose
Ob es mehr Brucellose Fälle gäbe wenn mehr untersucht würde ?
Zitat:In Deutschland gelten die Rinderbestände sowie die Schaf- und Ziegenbestände als amtlich frei von B. abortus bzw. B. melitensis. Auftretende Erkrankungsfälle bei Tieren sind daher durch Tierhandel importiert oder von Wildtieren auf Nutztiere übertragen. Bei den im Rahmen der Meldepflicht gemäß IfSG an das Robert Koch-Institut übermittelten Fällen handelt es sich überwiegend um importierte Fälle. In den letzten Jahren wurden 24-37 Fälle pro Jahr registriert.
Quelle: RKI

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/39249/umfrage/krankheiten-faelle-von-brucellose/

http://www.bfr.bund.de/de/zoonosenberichterstattung_durch_das_bfr-300.html
Und aus diesem Forum
http://forum.onlyme-aktion.org/showthread.php?tid=4540


RE: Brucellose - KeyLymePie - 30.01.2016

Stephen Phillips MD spoke on "Brucellosis":

-Lyme disables many from their career; Brucella disables you from every aspect of your life. It is incapacitating.

Aus:
http://www.betterhealthguy.com/ilads-2014


RE: Brucellose - Heinzi - 30.01.2016

Phillips: Chronische Fälle sind oft seronegativ. Die Bakterien sind resistent gegenüber Ceftriaxon. Die Herxheimer-Reaktion kann tödlich (engl.: "fatal") sein.


RE: Brucellose - Heinzi - 13.03.2016

Meltzer et al.: Sexually transmitted brucellosis in humans. Clin Infect Dis., 2010.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/20550455/

Sinngemäß übersetzt: "Wir beschreiben zwei Fälle von wahrscheinlichen sexuellen Übertragungen von Brucella von Mann zu Frau. Im ersten Fall war orchidoepididimitis vorhanden. Im zweiten Fall wurden Brucella im Samen durch PCR nachgewiesen ohne genitale Symptome."


RE: Brucellose - KeyLymePie - 13.03.2016

@Heinzi hast du denn Brucellose bei dir im Verdacht? Schon darauf getestet?