07.10.2016, 17:53
Hallo Tim,
du hast ja schon viele gute Hinweise erhalten.
Deine Symptome sind jetzt nicht so spezifisch, aber das ist halt oft so bei Borreliose und macht die Sache wirklich sehr schwierig, vor allem weil es keinen beweisenden Test gibt. Urmel hat ja schon gute Hinweise zur Differentialdiagnostik gegeben.
Wenn deine Beschwerden aber durch eine Borreliose verursacht sein sollten, wäre eine Monotherapie mit so kurzer Dauer im Spätstadium nicht ausreichend. Nachlesen kannst du das in den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gesellschaft:
http://www.borreliose-gesellschaft.de/Te...linien.pdf
Ich finde es ein bisschen schade: Wenn du jetzt schon einen Therapieversuch machst (denn ein Versuch ist es ja bei der unklaren Lage) - warum dann nicht gleich richtig mit einer Kombination aus den Leitlinien?
Übrigens ist die Erfahrung einiger Spezialisten und meine eigene auch, dass Tabletten niemals so effektiv wirken wie Infusionen.
Dass die Symptome nicht durchgehend auftreten, sondern zeitlich und örtlich wechselhaft, ist eine der fiesen Eigenschaften der Krankheit, weil man sich als Betroffener immer fragt, ob man spinnt...
Die Benommenheit, von der du schreibst: Wann tritt die auf? Eventuell im Stehen oder nach längerem Stehen? Ich frage, weil es das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) gibt, das durch Borreliose ausgelöst werden kann. Testen kann man es durch einen Schellongtest (Pulsmessung im Liegen und Stehen). Wenn du allerdings noch Fußball spielen kannst, klingt das nicht nach POTS. (Ente deutete ja schon nett an, dass Schonung jetzt eine gute Idee wäre und mit der Dosierung kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dass du arbeitsfähig bist. Für bestmögliche Wirkung wäre eine Krankschreibung also eine gute Idee.)
Zum Doxy:
Die Dosierung finde ich angemessen für dein Gewicht, aber das ist schon wirklich hart, vor allem wenn man es als Tabletten nehmen muss.
Für den Magen ist sehr hilfreich gekochter Haferschleim (z.B. mit Kokos-/Mandel-/...milch aufkochen - das Aufkochen muss unbedingt sein für die schleimige magenschützende Wirkung), mit bisschen Apfelmus und Obst ist es auch lecker, dann kannst du das Doxy gleich hinterherschieben. Eventuell wäre Pantoprazol noch eine Idee, weil das Doxy echt aggressiv für den Magen ist und wenn der Magen erstmal hinüber ist, kannst du nicht weitertherapieren. Die Nebenwirkungen vom Pantoprazol sind natürlich blöd, aber ich kann Doxycyclin ohne Pantoprazol (2x 40) gar nicht nehmen.
Für den Darm: Es gibt Hefen (Perenterol) und Probiotika, nicht verwechseln.
Perenterol finde ich auch hilfreich (allerdings kann es auch stopfen), noch wichtiger finde ich aber Probiotika, am besten ein Präparat mit vielen hochdosierten Stämmen, z.B. OmniBiotic, Dr. Wolz Darmflora plus select... Am besten mal Präparate vergleichen und ausprobieren, was für dich das richtige ist. Mutaflor ist auch sehr hilfreich, das ist ein einzelner sehr wirksamer Bakterienstamm (z.B. bei Durchfall), die Geschichte dahinter ist auch sehr nett, nachzulesen im Buch "Darm mit Charme"
Ich würde keine Antibiose ohne Darmschutz (also auch Probiotika) machen an deiner Stelle, v.a. wenn sich jetzt anbahnt, dass das länger gehen könnte.
Wenn wirklich ausführliche Differentialdiagnostik betrieben wurde, wäre ein Borreliosespezialist natürlich besser für Behandlungsempfehlungen. Allerdings wäre bei so unspezifischer Symptomatik schon wichtig, sich nicht voreilig festzulegen, die Spezialisten sind an der Stelle unterschiedlich gut.
Immerhin kannst du ja mal schauen, wie du in den 3 Wochen ansprichst auf das Doxycyclin. Da es auch antientzündlich wirkt, wäre eine positive Wirkung aber kein "Beweis" für eine Borreliose.
Noch ne Kleinigkeit: Bei Verdacht auf Borreliose sollte kein Kortison gegeben werden. Ich sags nur, weil Ärzte ja manchmal lustige Ideen haben (Gelenke, ich hör euch knacken...). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das keine gute Idee ist - gibt ne Dauermitgliedschaft im Borrelioseclub, aber ohne Kündigungsoption
Alles Gute und viele Grüße,
Katie
du hast ja schon viele gute Hinweise erhalten.
Deine Symptome sind jetzt nicht so spezifisch, aber das ist halt oft so bei Borreliose und macht die Sache wirklich sehr schwierig, vor allem weil es keinen beweisenden Test gibt. Urmel hat ja schon gute Hinweise zur Differentialdiagnostik gegeben.
Wenn deine Beschwerden aber durch eine Borreliose verursacht sein sollten, wäre eine Monotherapie mit so kurzer Dauer im Spätstadium nicht ausreichend. Nachlesen kannst du das in den Leitlinien der Deutschen Borreliose Gesellschaft:
http://www.borreliose-gesellschaft.de/Te...linien.pdf
Ich finde es ein bisschen schade: Wenn du jetzt schon einen Therapieversuch machst (denn ein Versuch ist es ja bei der unklaren Lage) - warum dann nicht gleich richtig mit einer Kombination aus den Leitlinien?
Übrigens ist die Erfahrung einiger Spezialisten und meine eigene auch, dass Tabletten niemals so effektiv wirken wie Infusionen.
Dass die Symptome nicht durchgehend auftreten, sondern zeitlich und örtlich wechselhaft, ist eine der fiesen Eigenschaften der Krankheit, weil man sich als Betroffener immer fragt, ob man spinnt...
Die Benommenheit, von der du schreibst: Wann tritt die auf? Eventuell im Stehen oder nach längerem Stehen? Ich frage, weil es das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) gibt, das durch Borreliose ausgelöst werden kann. Testen kann man es durch einen Schellongtest (Pulsmessung im Liegen und Stehen). Wenn du allerdings noch Fußball spielen kannst, klingt das nicht nach POTS. (Ente deutete ja schon nett an, dass Schonung jetzt eine gute Idee wäre und mit der Dosierung kann ich mir auch gar nicht vorstellen, dass du arbeitsfähig bist. Für bestmögliche Wirkung wäre eine Krankschreibung also eine gute Idee.)
Zum Doxy:
Die Dosierung finde ich angemessen für dein Gewicht, aber das ist schon wirklich hart, vor allem wenn man es als Tabletten nehmen muss.
Für den Magen ist sehr hilfreich gekochter Haferschleim (z.B. mit Kokos-/Mandel-/...milch aufkochen - das Aufkochen muss unbedingt sein für die schleimige magenschützende Wirkung), mit bisschen Apfelmus und Obst ist es auch lecker, dann kannst du das Doxy gleich hinterherschieben. Eventuell wäre Pantoprazol noch eine Idee, weil das Doxy echt aggressiv für den Magen ist und wenn der Magen erstmal hinüber ist, kannst du nicht weitertherapieren. Die Nebenwirkungen vom Pantoprazol sind natürlich blöd, aber ich kann Doxycyclin ohne Pantoprazol (2x 40) gar nicht nehmen.
Für den Darm: Es gibt Hefen (Perenterol) und Probiotika, nicht verwechseln.
Perenterol finde ich auch hilfreich (allerdings kann es auch stopfen), noch wichtiger finde ich aber Probiotika, am besten ein Präparat mit vielen hochdosierten Stämmen, z.B. OmniBiotic, Dr. Wolz Darmflora plus select... Am besten mal Präparate vergleichen und ausprobieren, was für dich das richtige ist. Mutaflor ist auch sehr hilfreich, das ist ein einzelner sehr wirksamer Bakterienstamm (z.B. bei Durchfall), die Geschichte dahinter ist auch sehr nett, nachzulesen im Buch "Darm mit Charme"

Wenn wirklich ausführliche Differentialdiagnostik betrieben wurde, wäre ein Borreliosespezialist natürlich besser für Behandlungsempfehlungen. Allerdings wäre bei so unspezifischer Symptomatik schon wichtig, sich nicht voreilig festzulegen, die Spezialisten sind an der Stelle unterschiedlich gut.
Immerhin kannst du ja mal schauen, wie du in den 3 Wochen ansprichst auf das Doxycyclin. Da es auch antientzündlich wirkt, wäre eine positive Wirkung aber kein "Beweis" für eine Borreliose.
Noch ne Kleinigkeit: Bei Verdacht auf Borreliose sollte kein Kortison gegeben werden. Ich sags nur, weil Ärzte ja manchmal lustige Ideen haben (Gelenke, ich hör euch knacken...). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das keine gute Idee ist - gibt ne Dauermitgliedschaft im Borrelioseclub, aber ohne Kündigungsoption

Alles Gute und viele Grüße,
Katie
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