15.01.2015, 09:06
Hallo Regi...danke für den Input...für mich ist das gerade ein ganz zentrales Thema.
Der erste Punkt ist der Umgang mit der eigenen Krankheit. 20 Jahre chronische Borreliose... zeitweise stabil...aber insgesamt doch im Abwärtstrend...Zukunftsängste...bin gerade Mitte 40...in welchem Zustand bin ich in 10-20 Jahren?
Meine Bewältigungsstrategie besteht eigentlich darin, im Jetzt zu leben, Kleinigkeiten mitzunehmen, schöne Sachen extrem zu genießen. Ich freue mich über Dinge, die ich früher als selbstverständlich angesehen haben. Iwie bin ich fast ein bisschen demütig geworden. Aber auch die Krankheit anzunehmen. Lange Zeit bestand mein Denken nur darin: Das Ganze muss weg und ich setze alles dran, das zu schaffen. Ich war einen großen Schritt weiter, als ich erkannt habe: Das gehört zu meinem Leben mit dazu, ich muss mich arrangieren.
Die Frage: warum ich? habe ich komplett abgelegt. Ich sehe das eher so... die Borreliose gehört dazu, sie hat mich negativ, aber auch positiv geprägt. Durch die Borreliose sind bei mir vielleicht persönliche Eigenschaften, die mir wichtig sind, deutlicher ausgeprägt worden.
Ich lebe mit Sicherheit dadurch bewusster und sehe vieles als nicht selbstverständlch an.
Dazu gehört auch eine gewisse Gelassenheit, für die ich aber Jahre gebraucht habe. Ich steiger mich nicht mehr so sehr rein, wenn ein neues Symptom auftaucht. Vor einiger Zeit, habe ich da noch am Rad gedreht und Panik bekommen. Durch meine Entscheidung, nur noch im Notfall, d.h. falls Symptome für mich nicht mehr regelbar sind, zu behandeln, habe ich etwas an Lebensqualität gewonnen. Das psychische Hineinsteigern in die Sache verschlimmert nämlich nur alles.
So weit so gut...aber wie funktioniert das tatsächlich in der Praxis?...ehrlich gesagt mal besser mal schlechter.
Was ich bei mir in letzter Zeit festgestellt habe, ist, dass ich nicht mehr mit Stress umgehen kann, sehr schnell nervös und fahrig werde. Aktuell beschäftige ich mich zumindest theoretisch mit Qi Gong und ich denke, dass es mal einen Versuch Wert ist.
Alles wäre ja gut umsetzbar, wenn nicht der Alltag immer dazwischenpfuschen würde. Ich lebe z.B. in einer Situation, in der um mich rum, alle extrem stressbelastet sind, und es ist für mich ganz schwierig da zuzuschauen und das auszuhalten.
Manchmal fühlt man sich wie in einem reißenden Fluss, man versucht an Land zu schwimmen, aber es geht nicht...es kostet nur unnötig Kraft, man kommt aus den Turbulenzen nicht raus. Also muss man versuchen, mit der Strömung mitzuschwimmen und sich über Wasser zu halten. Mit der chronischen Borreliose kostet das aber ungemein Kraft. Und ich brauch da fast auch mehr mentale Stärke als körperliche. Mal sehen, vielleicht ist ja da Qi Gong ein Ansatz. Ich habe zumindest das Gefühl, dass ich mich drauf einlassen könnte.
Das betrifft jetzt aber nur die eigene Krankheit. Was für mich in der Zwischenzeit wirklich problematisch geworden ist, ist der Umgang mit der Selbsthilfe, was dich ja sicherlich auch betrifft. Und die Borreliose-Kranken sind da nur ein Teil davon. In dem Moment, indem man mit Rat und Tat zu Seite steht, lädt man sich jedes Mal zusätzlich noch ein Päckchen mehr drauf. Die Gefahr, dass zu viel Leid und negative Erfahrungen auf einen einprasseln ist extrem groß.
Erweiternd kommt z.B. bei mir dazu, dass durch die chronische Krankheit bei meinem doch großen Bekanntenkreis ganz deutlich die Hemmschwelle sinkt, mit Problemen zu mir zu kommen. Und so landet zusätzlich noch Eheprobleme, Krebs, Gehirnblutung und und und auch bis ins kleinste Detail bei mir.
Und ich suche da für mich gerade wirklich auch Bewältigungsstrategien. Mich Ende letzten Jahres mal für 3 Monate klammheimlich aus allem rauszunehmen, hat leider nur bedingt funktioniert.
Ich merke aber, das drüber Schreiben tut gut. Ich neige auch sehr dazu, mich selbst beladen zu lassen, aber nicht selbst woanders abzuladen. Vielleicht wäre auch eine Art Supervision sinnvoll....aber wie ist sowas umzusetzen?
Das Ganze ist wie eine Waagschale, dass was man an Negativen auf der einen Seite draufpackt, muss man auf der anderen Seite durch positive Erlebnisse ausgleichen, sonst kommt man ins seelische Ungleichgewicht.
Ich hoffe, es ist jetzt nicht zu lang geworden....und bin sehr gespannt auf weitere Beiträge....
LG Niki
Der erste Punkt ist der Umgang mit der eigenen Krankheit. 20 Jahre chronische Borreliose... zeitweise stabil...aber insgesamt doch im Abwärtstrend...Zukunftsängste...bin gerade Mitte 40...in welchem Zustand bin ich in 10-20 Jahren?
Meine Bewältigungsstrategie besteht eigentlich darin, im Jetzt zu leben, Kleinigkeiten mitzunehmen, schöne Sachen extrem zu genießen. Ich freue mich über Dinge, die ich früher als selbstverständlich angesehen haben. Iwie bin ich fast ein bisschen demütig geworden. Aber auch die Krankheit anzunehmen. Lange Zeit bestand mein Denken nur darin: Das Ganze muss weg und ich setze alles dran, das zu schaffen. Ich war einen großen Schritt weiter, als ich erkannt habe: Das gehört zu meinem Leben mit dazu, ich muss mich arrangieren.
Die Frage: warum ich? habe ich komplett abgelegt. Ich sehe das eher so... die Borreliose gehört dazu, sie hat mich negativ, aber auch positiv geprägt. Durch die Borreliose sind bei mir vielleicht persönliche Eigenschaften, die mir wichtig sind, deutlicher ausgeprägt worden.
Ich lebe mit Sicherheit dadurch bewusster und sehe vieles als nicht selbstverständlch an.
Dazu gehört auch eine gewisse Gelassenheit, für die ich aber Jahre gebraucht habe. Ich steiger mich nicht mehr so sehr rein, wenn ein neues Symptom auftaucht. Vor einiger Zeit, habe ich da noch am Rad gedreht und Panik bekommen. Durch meine Entscheidung, nur noch im Notfall, d.h. falls Symptome für mich nicht mehr regelbar sind, zu behandeln, habe ich etwas an Lebensqualität gewonnen. Das psychische Hineinsteigern in die Sache verschlimmert nämlich nur alles.
So weit so gut...aber wie funktioniert das tatsächlich in der Praxis?...ehrlich gesagt mal besser mal schlechter.
Was ich bei mir in letzter Zeit festgestellt habe, ist, dass ich nicht mehr mit Stress umgehen kann, sehr schnell nervös und fahrig werde. Aktuell beschäftige ich mich zumindest theoretisch mit Qi Gong und ich denke, dass es mal einen Versuch Wert ist.
Alles wäre ja gut umsetzbar, wenn nicht der Alltag immer dazwischenpfuschen würde. Ich lebe z.B. in einer Situation, in der um mich rum, alle extrem stressbelastet sind, und es ist für mich ganz schwierig da zuzuschauen und das auszuhalten.
Manchmal fühlt man sich wie in einem reißenden Fluss, man versucht an Land zu schwimmen, aber es geht nicht...es kostet nur unnötig Kraft, man kommt aus den Turbulenzen nicht raus. Also muss man versuchen, mit der Strömung mitzuschwimmen und sich über Wasser zu halten. Mit der chronischen Borreliose kostet das aber ungemein Kraft. Und ich brauch da fast auch mehr mentale Stärke als körperliche. Mal sehen, vielleicht ist ja da Qi Gong ein Ansatz. Ich habe zumindest das Gefühl, dass ich mich drauf einlassen könnte.
Das betrifft jetzt aber nur die eigene Krankheit. Was für mich in der Zwischenzeit wirklich problematisch geworden ist, ist der Umgang mit der Selbsthilfe, was dich ja sicherlich auch betrifft. Und die Borreliose-Kranken sind da nur ein Teil davon. In dem Moment, indem man mit Rat und Tat zu Seite steht, lädt man sich jedes Mal zusätzlich noch ein Päckchen mehr drauf. Die Gefahr, dass zu viel Leid und negative Erfahrungen auf einen einprasseln ist extrem groß.
Erweiternd kommt z.B. bei mir dazu, dass durch die chronische Krankheit bei meinem doch großen Bekanntenkreis ganz deutlich die Hemmschwelle sinkt, mit Problemen zu mir zu kommen. Und so landet zusätzlich noch Eheprobleme, Krebs, Gehirnblutung und und und auch bis ins kleinste Detail bei mir.
Und ich suche da für mich gerade wirklich auch Bewältigungsstrategien. Mich Ende letzten Jahres mal für 3 Monate klammheimlich aus allem rauszunehmen, hat leider nur bedingt funktioniert.
Ich merke aber, das drüber Schreiben tut gut. Ich neige auch sehr dazu, mich selbst beladen zu lassen, aber nicht selbst woanders abzuladen. Vielleicht wäre auch eine Art Supervision sinnvoll....aber wie ist sowas umzusetzen?
Das Ganze ist wie eine Waagschale, dass was man an Negativen auf der einen Seite draufpackt, muss man auf der anderen Seite durch positive Erlebnisse ausgleichen, sonst kommt man ins seelische Ungleichgewicht.
Ich hoffe, es ist jetzt nicht zu lang geworden....und bin sehr gespannt auf weitere Beiträge....
LG Niki

