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Bedingungsloses Grundeinkommen
#15

Liebe Leute,

Bei Armuts- und Reichtumsberichten in den Massenmedien und von Politikern, insbesondere wenn "generelle Trends" proklamiert werden, bin ich tendenziell vorsichtig. Da werden manchmal Bevölkerungsgruppen aufeinander aufgehetzt. Und oftmals ist das Ziel die Einführung neuer Steuern und Abgaben. Die "Millionärssteurer" wird zwei Jahre später zur "Reichensteuer" und wiederum zwei Jahre später für eine Zusatzbelastung für fast alle, die zwar wenig Geld auf dem Konto haben aber gut verdienen, davon aber vielleicht zwei oder drei Kinder finanzieren müssen.

Die Welt schrieb gestern in Wie man mit Statistik Stimmung gegen "die Reichen" macht", dass man in Deutschland als "superreich" gilt, wenn man 3,000 Euro netto im Monat verdient. Das ist ein sehr gutes Gehalt! Aber ist man deshalb "reich" oder gar "superreich"? Eine kleine Rechnung: München in einer Mietwohnung (90 qm) für 1,500 EUR und zwei Kindern (sagen wir 2 x 300 EUR Kindergarten, 3 x 150 EUR Versicherungen) mit einem Auto (300 EUR) oder Öffiabo (1-2 x 50 EUR). Da bleibt nichts übrig. Superreich? Die Definition gemessen am Gehalt ist unverantwortlich und erzeugt nur soziale Gräben. Denn der nächste sagt, dann: Du bist ja selbst Schuld, wenn du Kinder hast. Zieh doch auf's Land, da ist es billiger. (Nebenbemerkung: Und irgendwann trifft man dann vielleicht auf Leute, die behaupten, dass man an seiner chronischen Krankheit auch selbst Schuld ist, man sich doch bitte "zusammenreissen" soll.)

Es gibt zum Begriff "Armut" eine relativ nüchterne Abhandlung von Walter Krämer: Armut in der Bundesrepublik: Zur Theorie und Praxis eines überforderten Begriffs.

"Walter Krämer beleuchtet den theoretischen und praktischen Umgang mit dem Begriff der "Armut" in Deutschland. Er stößt dabei auf Widersprüche und auf eine seiner Einschätzung nach willkürliche Verwendung des Begriffs. Er beleuchtet, was Armut in unserem Land bedeutet und liefert Fakten und Zahlen, die den vagen Begriff mit Inhalt füllen. Für Krämer ist Armut messbar und erfassbar, aber gleichzeitig auch eine Waffe im politischen Tagesgeschäft."

Nicole Rippin schreibt dazu: "Schuld daran ist das Konzept der Armutsrisikoquote an sich. Das ist auch die Sicht des Dortmunder Statistikprofessors Walter Krämer, der sie kurzerhand zur „Unstatistik des Monats“ erklärte. Sein vernichtendes Urteil ist derzeit ein allseits beliebtes Zitat in der Presse: „Da wird Ungleichheit gemessen, aber nicht Armut.“ Und er hat Recht. Als armutsgefährdet gilt, wer in einem Haushalt lebt, der über weniger als 60 % des gewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügt. Mit anderen Worten: steigt das Einkommen der Oberschicht, steigt auch die Armut. Ein solches Armutskonzept muss zwangsläufig umstritten sein, haftet ihm doch der fade Beigeschmack von Neidpolitik an: Der einzelne braucht mehr, wenn andere in seinem Umfeld auch mehr haben."

Das "bedingungslose Grundeinkommen" ist in meinen Augen einfach ein alternatives Konzept zum jetzigen Sozialstaat. Einer der Vorzüge wäre eine Entbürokratisierung und damit Kostenersparnis. Im Idealfall: Jede oder jeder bekommt es, auch Kinder, lebenslang, basta. Jede und jeder bekommt eine Chance. Keine komplizierten Regeln, Grenzen, Sonderfälle (zu deren Identifikation man einen teuren Berater braucht, den sich wiederum nur die Reicheren leisten können), fast keine Verwaltungskosten.

Daneben müsste es eine solide Absicherung für die Kosten einer Krankheit, Pflegebedürftigkeit, etc. geben, allerdings nicht gegen "Arbeitslosigkeit". Denn die Menschen wie jetzt in zwei Schubladen zu stecken: "Arbeitslos" und sogenannte "Leistungsträger" würde dann (hoffentlich) weniger passieren, und die soziale Diskriminierung fällt weg. Wie gesagt, soweit die Theorie. Wie sich so etwas entwickeln würde, weiß niemand.

Heinzi
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Thanks given by: Filenada , johanna cochius


Nachrichten in diesem Thema
Bedingungsloses Grundeinkommen - von johanna cochius - 15.01.2016, 12:44
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Luddi - 15.01.2016, 15:27
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von johanna cochius - 15.01.2016, 19:46
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Filenada - 16.01.2016, 06:50
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Luddi - 16.01.2016, 09:28
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Heinzi - 16.01.2016, 10:48
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von johanna cochius - 16.01.2016, 10:50
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von johanna cochius - 16.01.2016, 10:53
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Heinzi - 16.01.2016, 11:25
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Luddi - 16.01.2016, 11:26
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Ehemaliges Mitglied - 16.01.2016, 11:55
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Ehemaliges Mitglied - 16.01.2016, 12:07
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von johanna cochius - 16.01.2016, 13:07
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Ehemaliges Mitglied - 20.01.2016, 13:08
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Heinzi - 20.01.2016, 14:15
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Ehemaliges Mitglied - 21.01.2016, 17:15
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Mainz06 - 21.01.2016, 18:14
RE: Bedingungsloses Grundeinkommen - von Ehemaliges Mitglied - 22.01.2016, 11:51

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