(12.12.2015, 12:45)Petronella schrieb: "Die einzige allgemein als beweisend anerkannte Untersuchungsmethode ist aber die Gastroskopie (Magenspiegelung) mit Dünndarmbiopsie bei Kindern und Erwachsenen"()
Ein sehr guter Artikel im Ärzteblatt:
(12.12.2015, 16:36)Markus schrieb: Eine Glutenunverträglichkeit ... in der Schulmedizin nicht anerkannt.
... das Wissen hat sich weiterentwickelt.
Ist aber nicht so ganz einfach.
Inzwischen kennt man mindestens drei unterschiedliche „Störungen“ durch Gluten:
Zöliakie
Weizen-Allergie
Gluten-Sensitivität (Glutenunverträglichkeit)
Es wird von einem
Spektrum von Gluten-Erkrankungen gesprochen: sog. „gluten-related disorders“ (GRD) – was man vielleicht mit Gluten-Erkrankungen übersetzen kann oder Krankheiten im Zusammenhang mit Gluten.
2011 gab es in London ein Expertentreffen mit dem Ergebnis eines
Konsensus-Dokuments (2012 im
British Medical Journal veröffentlicht:
Spectrum of gluten-related disorders: consensus on new nomenclature and classification), wo man sich auf eine neue Einteilung und Begrifflichkeiten geeinigt hat. Seitdem gilt auch die bisher umstrittenste Form der Gluten-Erkrankung, die Gluten-Sensitivität, als anerkannt, und alle neueren Autoren beziehen sich auf dieses Konsensus-Dokument.
Im Dokument werden 5 Gluten-Krankheiten genannt:
Weizenallergie (WA – Wheat Allergy) – allergisch
Zöliakie (CD - Celiac Disease) – autoimmun
Dermatitis herpetiformis (DH) – autoimmun
Gluten Ataxie (GA) – autoimmun
Gluten-Sensitivität (im Englischen: NCGS - Non-Celiac-Gluten Sensitivity) – Ursache bisher nicht klar, möglich autoimmun oder es mangelt an „adaptiven Mechanismen“ im Gastrointestinaltrakt
Überblick
Figure 1
Zöliakie z.B. ist eine Reaktion auf Gluten durch eine "unangemessene T-Zell vermittelte Immunantwort" bei genetisch prädisponierten Personen (HLA-DQ2 und/oder HLA-DQ8).
Die dramatischste Erscheinung einer neurologischen Beteiligung im Zusammenhang mit einer Immunantwort auf Gluten-haltige Lebensmittel ist vielleicht die Gluten-Ataxie. Sie wurde definiert als eine sporadische, durch keine andere Ursache erklärbare Ataxie mit serologischen Antikörpern, die mit dem Zustand der Sensibilisierung auf Gluten übereinstimmen.
Glutensensitivität (NCGS) ist das “jüngste” Mitglied in der Familie der Gluten-Krankheiten und ist charakterisiert durch intestinale und extraintestinale Symptome nach der Aufnahme von Gluten-haltigen Lebensmitteln bei Personen, bei denen Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen wurden.
Ebenfalls charakteristisch sind das schnelle Verschwinden von Symptomen bei Gluten-freier Ernährung, sowie das Wiederauftreten von Symptomen Stunden oder einige Tage, nachdem erneut glutenhaltige Nahrung aufgenommen wurde.
Außerdem:
Die Definition von Zöliakie wurde erheblich verändert, weil z.B. oft allgemeine Körpersymptome wie Anämie vorhanden sind, aber keine Darmsymptome. usw.
Selbst mit den modernsten serologischen Tests haben bis zu 2% der Zöliakie-Patienten keinerlei serologische Marker, sind also „seronegativ“.
Die Histologie allein gilt nicht mehr als ausreichend für die Diagnose der Zöliakie. (
Histology alone, however, is not specific for the diagnosis of CD, particularly if villous atrophy is absent)
Und schließlich hat sich inzwischen herausgestellt, daß viele Zöliakie-Patienten allein mit einer Gluten-freien Ernährung nicht gesund werden/ der Darm nicht heilt, selbst wenn die Diät peinlichst genau über Jahre eingehalten wurde.
Weizen
…. aktuelle Weizen-Sorten haben einen höheren Glutengehalt als in der Vergangenheit aufgrund von Veränderungen sowohl durch die Technologie als auch durch ernährungsphysiologische Gründe.
Weizensorten, die über Tausende von Jahren angebaut wurden, wie z.B.
Triticum Monococcum und
Triticum Dicoccum, enthalten geringere Mengen des hochgiftigen Peptid 33-Mer Gliadin.
Zu allem gibt es inzwischen sehr viel neue Literatur.
Quellen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4360499/
2015, Francesco Tovoli,
Clinical and diagnostic aspects of gluten related disorders
https://en.wikipedia.org/wiki/Non-celiac...ensitivity