Entzündungshemmende Wirkung von Antibiotika
#1

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(21.08.2019, 08:31)Karl schrieb:  AB wirken ja auch entzündungshemmend;


Ich möchte dies so nicht unkommentiert stehen lassen. Unabhängig davon ob diese Aussage zutreffend ist, bitte ich zu beachten: Gern wird dies auch ärztlicherseits mal so fallen gelassen und die ggffs. positven Entwicklungen unter Antibiose damit relativiert- der Focus in eine andere Richtung gelenkt - jedenfalls nach meiner Erfahrung und Einschätzung.

Mir kommt es so vor, als ob "man dass allgemein so sagt" Ohne zu Hinterfragen wird es dann übernommen. Irgendeine belastbare Erklärung ist mir nicht bekannt.
Mag schon sein, dass unter der Vielzahl verschiedener AB und deren Stoffwechselprodukte auch Entzündungshemmung (wie auch immer man dies definieren möchte) dabei ist. Bei Imunsupresiva oder COX - 2 Hemmern kann ich mir dies in groben Zügen erklären, bei AB aber nicht in einem Maße, welches über eine ursächliche Bekämpfung des Erregers - einschränkend: nennesnswert - hinaus geht.
Wenn mir das Jemand näher bringen könnte. Gerne.

LG
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#2

(21.08.2019, 15:19)magihe schrieb:  Gern wird dies auch ärztlicherseits mal so fallen gelassen und die ggffs. positven Entwicklungen unter Antibiose damit relativiert
Weil halt nicht sein kann, was nicht sein darf. Und dann braucht man halt eine alternative Erklärung. Nichtsdestotrotz wirken gerade Tetrazykline in höheren Dosen wohl schon antientzündlich. Den genauen Wirkmechanismus kenne ich aber auch nicht.

Der erste Gedanke, wenn ein Antibiotikum wirkt, sollte eigentlich sein, dass da eine Infektion war/ist.
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#3

Auch wenn es nun ein wenig off-topic ist: Es gibt zu den Mechanismen der Tetracycline durchaus einige Betrachtungen und Untersuchungen zur Entzündungshemmung. Einfluss auf Metallproteasen und Interleukine, die an Entzündungsgeschehen beteiligt sind, sind dabei durchaus bekannt. Ob und wie das dann Hand-in Hand greift zu Erregern, bleibt dabei ungeklärt, aber sie ist da.
Es gibt Dissertationen darüber, die öffentlich zugänglich sind. Sagen wir mal so, wenn es bereits sofort nach Absetzen zur Entzündungsverstärkung kommt, hätte ich auch den Verdacht, dass diese Wirkkomponente im Vordergrund steht, gerade auch bei der langsamen Vermehrungsrate von Borrelien. Es wäre zumindest plausibel.
Ob dann andere Entzündungshemmer von Vorteil wären, bleibt dabei allerdings offen, bzw. käme auf einen Versuch an, gerade wenn es in Richtung Autoimmunerkrankung gehen könnte und ist sicherlich in der Komplexität nicht allgemein erfassbar und man kann viel dazu spekulieren.

Es wird spannend sein, was das Disulfiram bringt und ich drücke fest die Daumen, dass es euch weiterbringt, den Teufelskreislauf zu durchbrechen.

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#4

Ja, ja. Und Minocyclin hilft auch bei Depression! 1/3 der Patienten, die nicht auf Antideptessiva ansprechen, hat man dann Mino gegeben. Und siehe da: es hat gewirkt! Und diese Patienten hatten ‚nachweislich“ keinen bakteriellen Infekt! Sowas. Wer also Interesse hat an der Charité an dieser Studie teilzunehmen (übrigens auch für die unter euch die an
MS leiden, je he)und bei denen (komischerweise) Antidepressiva nicht genutzt haben,
kann sich noch bis Ende September dort melden.
Eigentlich sollten wir das alle machen, Hi, Hi. Das wäre ein Spass!! Weil Borre ist ja bei jedem von uns ausgeschlossen oder ausgeheilt.

https://amp.tagesspiegel.de/psychiatrie-...67682.html

Imagine a world where people with Lyme disease are diagnosed and treated correctly and go back to living their lives!
Chronic Lyme disease is real, it’s painful, scary and no one
can tell you if you’ll get better, die or somewhere in between.

Ärzte Strategie bei Borreliose:
„Delay, deny and hope you die“
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#5

(21.08.2019, 15:19)magihe schrieb:  
(21.08.2019, 08:31)Karl schrieb:  AB wirken ja auch entzündungshemmend;

Hier wurde bereits von Dr. Berghoff zu der anti-entzündlichen Wirkung von Antibiotika bemerkt (markiert von mir):

Zitat:Insbesondere im Zusammenhang mit Gutachten wird gelegentlich behauptet, dass Antibiotika eine antiphlogistische Wirkung besäßen, die wesentlicher Grund für eine (vorübergehende) Besserung von Symptomen bei der Lyme-Borreliose im Stadium III seien.
Tatsächlich gibt es für eine derartige Annahme keinerlei Literaturhinweise. Vielmehr wurde eine anti-entzündliche Wirkung von Doxycyclin ausgeschlossen (1).
...
Die Hypothese einer antiphlogistischen Wirkung von Antibiotika im Zusammenhang mit der Lyme-Borreliose bezieht sich im Wesentlichen auf Beschwerden des Muskel-Skelettsystems. Nach medizinischer Erfahrung wirken Antiphlogistika jedoch nur bei anhaltender Therapie und ausreichenden Konzentrationen. Nach Beendigung einer Antibiose wäre also mit einem sofortigen Abklingen des antiphlogistischen Effektes zu rechnen, so dass eine über längere Zeit anhaltende Besserung der LB-Symptomatik durch einen antiphlogistischen Effekt nicht erklärbar wäre.

https://www.praxis-berghoff.de/lehrbuch-...itel-23-19


Mir helfen Antibiotika auch besser als alle Schmerzmittel, warum auch immer...


(Der Titel von diesem Thread und bei diesen Erfahrungen klingt irgendwie absurd. Findet ihr nicht?..Wink)

Towanda, alles Gute! Heart
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#6

Danke an alle.

Für Tetracykline gibt es also entsprechende Betrachtungen. Interressant zu wissen wäre, ob dies speziell für Rifampicin auch zutrifft.

Einen lieben Gruß
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#7

Das ist hier OT und sollte ggfs. woanders weiterdiskutiert werden. Ich habe aber Zweifel an der Aussage von Berghoff. Z.B. zu dem Thema ein Review: Minocycline: far beyond an antibiotic

Ansonsten hier die komplette Trefferliste.
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#8

In der "kompletten Trefferliste" finden sich keine Hinweise in Bezug auf die LB (oder habe ich was übersehen?). Bei Berghoff geht es jedoch explizit um die Wirkung der Antibiotika bei der Borreliosesymptomatik. und in seiner weiteren Argumentation geht er auf die Tatsache ein, dass diese Wirkmechanismen noch weitgehend unerforscht sind.
Dass die Antibiotika bei anderen, sehr unterschiedlichen Krankheiten entzündungshemmend wirken können, ist ein völlig anderes Thema. Interessant ist es allenfalls, hier aber tatsächlich OT.

Zurück zum Disulfiram: Bei positiven Berichten kann man erwarten, dass es auch (zumindest) entzündungshemmend wirken soll (?). Was mich persönlich etwas zurück hält, ist die Frage der Verträglichkeit bei ausgeprägten Symptomen der Mastzellaktivität.

Vielen Dank euch und bitte berichtet weiter!
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#9

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#10

(21.08.2019, 15:19)magihe schrieb:  Beiträge abgetrennt aus [geteilt]Disulfiram bei PTLDS. https://forum.onlyme-aktion.org/showthre...#pid153119

(21.08.2019, 08:31)Karl schrieb:  AB wirken ja auch entzündungshemmend;


Ich möchte dies so nicht unkommentiert stehen lassen. Unabhängig davon ob diese Aussage zutreffend ist, bitte ich zu beachten: Gern wird dies auch ärztlicherseits mal so fallen gelassen und die ggffs. positven Entwicklungen unter Antibiose damit relativiert- der Focus in eine andere Richtung gelenkt - jedenfalls nach meiner Erfahrung und Einschätzung.

Mir kommt es so vor, als ob "man dass allgemein so sagt" Ohne zu Hinterfragen wird es dann übernommen. Irgendeine belastbare Erklärung ist mir nicht bekannt.
....
Wenn mir das Jemand näher bringen könnte. Gerne.

LG

Das Immunsystem funktioniert nach dem 2 Augen Prinzip: Nur wenn mind. 2 verschiedene Rezeptoren aktiviert werden gibt es Gas.(mal arg vereinfacht gesagt )
Du siehst das zum Beispiel bei sämtlichen Impfungen . Einfach nur abgetötete Virusbestandteile impfen bringt nichts. Da kommt Null Impfschutz.
Erst wenn ein sogenanntes Adjutant beigemischt wird aktiviert sich das Immunsystem und bildet Antikörper.
der Link erklärt das etwas genauer : http://weitergen.de/2009/11/adjuvantien-...nnovation/

Das ist (mit umgekehrtem Vorzeichen) dann der Effekt von Antibiotika. Die Bakterienlast im Körper wird reduziert . Das heißt weniger LPS im Körper und damit auch geringere Aktivierung des TLR 4 Rezeptors (dieser erkennt LPS (Bakterienhülle) und aktiviert das Immunsystem.

Anderes Beispiel : Es gibt Genmotifizierte Mäuse die genetisch bedingt die 100% tige Veranlagung zu Autoimmunkrankheiten haben. Solange diese Mäuse nun steril gehalten werden passiert Nichts.Keine Krankheit. Sobald keine Keime da sind schläft das Immunsystem quasi da viele Rezeptoren (hier vor allen der sehr wichtige TLR4) nicht aktiviert werden. Die selben Mäuse nicht steril gehalten werden sofort krank.

Antibiotika reduzieren also durch die geringere Anzahl an Bakterien die Aktivierung des Immunsystems im ganzen Körper.
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