Borreliose Kleinkind - Fragen
#1

Hallo miteinander! 
Vor 4 Tagen wurde meine Tochter (fast 4 Jahre alt und 15,5kg schwer) von einer Zecke gebissen; seitlicher unterer Rücken. 
Die Zecke wurde mit einer Pinzette vollständig entfernt und es wurde mit Octenisept desinfiziert. Wie lange die Zecke gesaugt hat, ist unklar. Definitiv weniger als 24 Stunden, denn da waren wir wegen einer anderen Sache beim Kinderarzt und da war die Zecke noch nicht da. 
Heute an Tag 4 nach dem Biss war ein leichter roter Kreis rundherum zu erkennen, nachdem gestern schon fast nichts mehr sichtbar war. Ab zum Notdienst, es handelt sich um eine Borreliose, klare Sache. 
Natürlich sind wir früh dran, das ist mir klar. Behandelt werden soll 10-14 Tage mit Amoxicillin, 750mg am Tag (aufgeteilt auf 3 Dosen). Ich will natürlich eher 14 als 10 Tage behandeln, klar! Aber reicht das aus? Wie seht ihr das? 
Ich muss dazusagen, mein Kind ist chronisch krank (urologisch), muss sowieso oft Antibiotika nehmen und ist oft im Krankenhaus. Natürlich will ich sie mit einer „neuen Baustelle“ nicht unnötig belasten. Aber was sein muss, muss sein. Ich will auf Nummer sicher gehen und finde speziell zu Kindern wenige Informationen im Internet. Daher hoffe ich, dass ich bei euch ein paar Anhaltspunkte finde. 
Danke schon mal!  Shy

Noch ein Nachtrag, falls das eine Rolle spielt: FSME Impfung haben wir noch nicht ganz durch, die dritte Impfung wäre jetzt Mitte Juli dran. Fieber etc. hatten wir (bislang) nicht. Wir leben im Hochrisikogebiet.
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#2

Hallo T123,

die Behandlung deines Kindes mit Amoxicillin ist durchaus leitliniengerecht.    
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-044.html

14 Tage sind bei einer Wanderrötung ohne weitere Symptomatik durchaus üblich. Oft ist das ausreichend aber bei einem Prozentsatz, der irgendwo zwischen 5-25% liegt, reicht das ggf. nicht aus. 
Die Meinungen gehen hier auseinander. Einige Ärzte erhöhen auf vier Wochen, was ich persönlich auch präferieren würde. Es gibt dazu leider keine Anwendungsstudien, die längere Behandlungszeiten bei einer Wanderröte betrachtet haben. 

Es kann also durchaus sein, dass vierzehn Tage ausreichen. 

Ob längere Behandlung bessere Erfolge für die Zukunft zeigen, ist nicht untersucht. 

Eine amerikanische Leitlinie (ILADS )beschreibt daher, dass die Patientenpräferenzen beachtet werden sollten. Ebenso sollte das Ansprechen auf die Behandlung berücksichtigt werden. Ganz klar sollte das mit der Besonderheit deines Kindes gemeinsam mit dem Arzt erwogen werden.

Wichtig wäre es erstmal die Behandlung ganz durchzuziehen. Die Rötung sollte sich dann nach wenigen Tagen zurückbilden. Falls das nicht passieren sollte, müsste man es neu überdenken. 

Was ich jetzt nicht machen würde, wäre die FSME- Impfung. Damit würde ich deutlich über das Ende der Antibiose hinaus warten. 

Gute Besserung erstmal! 

Liebe Grüße Urmel

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#3

Zitat:Einige Ärzte erhöhen auf vier Wochen, was ich persönlich auch präferieren würde.
Ich auch. Aufgrund perönlicher Erfahrungen.

Niko
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Thanks given by: berta
#4

Danke für eure Antworten!
Ich war heute bei unserer Kinderärztin. In der Notaufnahme bekam ich nämlich nur ein Rezept für 7 Tage (kleinste Packung) und sollte mir den Rest eben in der Arztpraxis organisieren. Es war eine ziemliche Diskussion, weil ich 14 statt 10 Tagen behandeln möchte. Und nach noch längerer Diskussion (...) habe ich sogar ausreichend Medikamente für 3 Wochen rausgehandelt. Ob ich wirklich auf 3 Wochen gehe, weiß ich noch nicht. Denn erstens ist der rote Kreis schon deutlich blasser und zweitens waren wir ja mit Tag 4 nach dem Biss wirklich früh dran. 
Unser Urologe (wie gesagt, Kind chronisch krank) ist nicht begeistert. Je kürzer, desto besser hinsichtlich unseres individuellen Problems. Tja und jetzt steh ich da. Wahrscheinlich muss ich auch erst mal sehen, wie lange mein Kind das mitmacht und ob Nebenwirkungen auftreten. Bislang zum Glück alles gut. Wenn das so bleibt, weiß ich echt nicht, was ich nach den 14 Tagen tun soll. Unsere Grunderkrankung spielt da eben auch eine große Rolle. 
Wenn’s nach der Kinderärztin ginge, hätten wahrscheinlich 7 Tage auch gereicht.  Huh
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Thanks given by: urmel57
#5

Hallo T123,
vermutlich wirst du merken, dass Amoxi ganz gut verträglich ist. 
Dann ist es auch kein Problem, die Behandlung eine Woche länger durchzuhalten, um auf der sichereren Seite zu sein.
Viele Grüße und alles Gute 
Berta
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#6

Hallo Berta,
aufgrund der Vorerkrankung meiner Tochter hat sie schon unzählige Male AmoxiClav bekommen (meist intravenös), wo ja auch Amoxi mit drin ist. Ich weiß daher, dass sie es gut vertragen wird. Nur die orale Form als Tablette - Saft wird erbrochen - ist für uns neu. Ich mörsere die Tabletten und fertige Schokopralinen damit an. Funktioniert wunderbar und Amoxi darf man ja zum Glück mit Milch :)
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Thanks given by: urmel57
#7

Wenn ärtzliche Gründe (urologogisch) gegen eine 3-wöchige Amoxicillin-Einnahme vorliegen, ist es natürlich schwierig für Dich!

Zitat:Denn erstens ist der rote Kreis schon deutlich blasser und zweitens waren wir ja mit Tag 4 nach dem Biss wirklich früh dran.
Wenn es die Vorerkrankung nicht gäbe, bei einem vor Zeckenstich gesunden Kind, würden vermutlich manche erfahrene Behandler von Borreliose-und Co-Infektionen (z.B. in Deutschland, USA) durchaus 2 Wochen über das vollständige Verschwinden der Wanderröte hinaus behandeln.

Als Mutter eines gesunden Kindes würde ich das mit meiner Erfahrung heute in jedem Fall versuchen zu erhalten.
Sicher wart ihr früh dran, aber man darf ruhig im Hinterkopf haben, dass es vermutlich nicht wirklich ausreichend erforscht ist, wie rasch eine Ausbreitung der Borrelien im menschlichen Körper stattfindet.
Da eine frühzeitige ausreichende Behandlung wichtig ist, würde ich mindestens die 3 Wochen behandeln lassen wollen (vor dem Hintergrund meiner Erfahrung), denen die Kinderärztin zugestimmt hat durch die Abgabe des Rezeptes.
Wir wollen es nichthoffen, aber falls Dein Kind zu den Fällen gehören würde, bei denen eine 14 tägige Erstbehandlung leider nicht ausreichend ist, so wäre später wegen der Vorerkrankung eine erneute antiinfektive Behandlung vermutlich ebenso nicht einfach zu verantworten und ärztlich unterstützt werden.
Deshalb wäre meine Vorgehensweise eher jetzt einmal früh so lange wie eben möglich behandeln und dann hoffentlich Ruhe.
Wenn man es jetzt bei 2 Wochen belässt, dann würde ich mich als Mutter immer fragen, was wäre gewesen, wenn es 3 Wochen behandelt worden wäre.
Ich möchte Dich nicht ängstigen, aber mir ist bekannt, dass viele Fachärzte in erster Linie die Risiken der Erkrankungen ihres Faches einschätzen können und nicht so sehr die Risiken einer Zeckenstich-Infektion und deren möglichen Spätfolgen. So werden diese letzteren Risiken oft nicht gleich stark gewichtet.

Ich hoffe es geht alles gut bei Deinem Kind.
LG Niko
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Thanks given by: Filenada
#8

Hallo Niko,
ja ich sehe es durchaus auch so wie du.
Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, das würde den Rahmen sprengen, aber bei meiner Tochter geht es um den Erhalt der Blase. Das Organ ist bei Antibiotikum-Gabe quasi „beleidigt“ und stoppt das von uns so dringend erwünschte Wachstum.
Die Urologen sagen ganz klar, die Borreliose hat Vorrang und muss behandelt werden. Aber niemand der insgesamt 3 beteiligten Ärzte wäre über die 14 Tage hinaus gegangen (auch nicht bei einem gesunden Kind wohlgemerkt).
Ich finde es wahnsinnig schwierig, da eine richtige Entscheidung zu treffen. Wenn es weiter so unproblematisch läuft und die Amoxi-Pralinen gut ankommen ;) ziehe ich es wahrscheinlich 3 Wochen durch. Darüber hinaus verschreibt mir ja eh niemand was.
Ich kann das alles so überhaupt nicht einschätzen. :(
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Thanks given by: Niko
#9

Hallo T123,

Wahrlich sehr schwierige Entscheidung, die zu treffen ist. Die sollte dringend individuell abgewogen werden. Tatsächlich reichen Antibiotikagabe von zwei Wochen sehr oft aus. Es gibt wie gesagt, keine Vergleichsstudien, ob es möglicherweise weniger Therapieversagen gibt, bei drei oder vier wöchiger Behandlung. Daher bleiben die meisten Ärzte auch bei dieser Empfehlung von zwei Wochen. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen....

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Thanks given by: Niko
#10

Oh ja, der Erhalt ist natürlich auch sehr wichtig. Da wäre ich auch vorsichtig. LG Niko
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