18.08.2015, 11:51
So interessant das Vorhaben ist, von Symtomen auf ein bestimmtes Bakterium zu schließen, kann gefährlich sein.
Niki schrieb:Hab ich das richtig verstanden, dass man seine Symptome mit Gewichtung eingeben kann und man bekommt mögliche Infektionen, die dafür verantwortlich sein könnten, genannt? Wenn es so einfach wäre...Es kann eigentlich nur darum gehen, Hinweise zu bekommen. Auch als Hilfe, dass man nichts übersieht. Manchmal legt man sich auf eine Ursache fest, ohne zu bedenken, dass noch anderes für die Symptomatik in Frage kommt.
Einer Excel-Tabelle als Diagnosefindungsinstrument für mögliche Infektionen stehe ich ehrlich gesagt kritisch gegenüber und kann mir nicht vorstellen, dass man da zu vernünftigen Aussagewerten und Ergebnissen kommen kann.
Niki schrieb:Selbst wenn jemand seine Laborwerte wie du gerade auch schwarz auf weiß vor dir hast....was sagen die aus? Es ist enorm schwierig zu sagen, was da tatsächlich eine Rolle spielt. Ob überhaupt etwas beim aktuellen Krankheitsgeschehen eine Rolle spielt. Wenn man nun noch mehr Laborwerte in Auftrag geben würde, bin ich mir 100-prozentig sicher, dass man noch mehr Infektionen findet, mit der man Zeit seines Lebens Kontakt hatte.Eben weil die Infektionsdiagnostik so mangelhaft ist, muss sich die Diagnose auf das klinische Bild stützen. Und da könnte so ein Tool vielleicht schon nützlich sein. Aber wie gesagt steht und fällt das Vorhaben mit der Qualität der Symptomlisten. Insbesondere sind natürlich spezifische Symptome wichtig. Ich sehe es aber nicht als meinen Teil an, diese Listen zusammenzustellen; dazu habe ich absolut nicht die Kompetenz. Diese Listen müssten von Spezialisten erstellt sein und ich sähe meinen Part nur darin, das Ganze in eine systematische Form zu bringen.
Niki schrieb:Kannst du im Moment...nach all den Untersuchungen und Befunden, die du eingestellt hast, sagen: Genau da kommen meine Beschwerden her. Glaub eher nicht. Obwohl du inzwischen einige Erreger kennst, mit denen du Kontakt hattest.Nein, kann ich nicht. Diese Werte hat aber mein Arzt veranlasst und ich habe mich da diesmal zurückgehalten. Ich wollte mal den Doc machen lassen und nicht maßgeblich beeinflussen, was untersucht wird und was nicht. Einige der Werte hätte ich sicher nicht bestimmen lassen.
Niki schrieb:Wie würdest du allein schon Borreliose gewichten? Was sind die Leitsymptome? Welche gewichtet man am stärksten? Jede Borreliose ist anders. Die Symptomatik des einen kann man mit der eines anderen Patienten nicht vergleichen. Wie bringt man das auf einen Nenner?Die Definition der Leitsymptome müssten wie gesagt andere liefern. Meines Wissens sind z.B. springende Gelenkschmerzen oder auch springende Neuropathien recht spezifisch für Borreliose, während Nachtschweiß und Atemnot babesientypisch sind und kratzartige Hauterscheinungen für Bartonellen sprechen. Da gibt es sicher einiges mehr dazu.
Niki schrieb:Wenn ich mir die Symptome meiner Borreliose anschaue, dann könnte ich auch AIDS im fortgeschrittenen Stadium haben - zwei komplett unterschiedliche Erkrankungen mit relativ unspezifischen Symptomen. Aber genau die gleichen Symptome wie ich habe, kommen da auch vor. Genauso Candida...oder Fibromyalgie...Dann würde das Programm in deinem Fall halt liefern, dass bei dir Candida, HIV oder Borreliose in Frage kommen. Vor allem würde das Programm als Ergebnis ja auch liefern, welche Infektionen unwahrscheinlich sind; das ist auch schon viel wert. HIV könntest du dann ohne Probleme ausschließen lassen, bliebe dann die Diagnostik in Richtung Candida und Borreliose einzuleiten. Dieses Excel-Sheet wäre freilich nicht dazu gedacht, eine definitive Diagnose auszuspucken.
Niki schrieb:Mein Gedanke ist, dass wenn man unspezifische Symptome miteinander vergleicht noch unspezifischere Ergebnisse rauskommen, die als Entscheidungsgrundlage für ein weiteres Vorgehen (welches denn dann überhaupt?) nicht geeignet sind.Wichtig ist vor allem, die für die verschiedenen Infektionen jeweils (einigermaßen) spezifischen Symptome einfließen zu lassen, sonst hat das wenig Sinn. Wenn jedes Symptom mit der gleichen Wahrscheinlichkeit von einer beliebigen Infektion kommen kann, ist so eine Auswertung in der Tat Unsinn (dann könnte man höchstens folgern, dass man evtl. eine chron. Infektion hat, oder eben nicht).
Niki schrieb:Diese Erkrankungen sind unglaublich komplex und es ist davon auszugehen, dass da nicht allein ein Erreger für die Symptomatik verantwortlich ist.Das ist sicher so und das ist das große Problem dabei; der menschliche Körper ist viel zu komplex, um ihn in ein systematisches Korsett zu zwängen.
Zitat:Es kann eigentlich nur darum gehen, Hinweise zu bekommen. Auch als Hilfe, dass man nichts übersieht. Manchmal legt man sich auf eine Ursache fest, ohne zu bedenken, dass noch anderes für die Symptomatik in Frage kommt.
Zitat:Solche Fragebögen existieren doch schon und werden von vielen Ärzten verwendet.
Zitat:Eben weil die Infektionsdiagnostik so mangelhaft ist, muss sich die Diagnose auf das klinische Bild stützen.
Zitat:Aber wie gesagt steht und fällt das Vorhaben mit der Qualität der Symptomlisten. Insbesondere sind natürlich spezifische Symptome wichtig.
Zitat:Die Definition der Leitsymptome müssten wie gesagt andere liefern. Meines Wissens sind z.B. springende Gelenkschmerzen oder auch springende Neuropathien recht spezifisch für Borreliose, während Nachtschweiß und Atemnot babesientypisch sind und kratzartige Hauterscheinungen für Bartonellen sprechen. Da gibt es sicher einiges mehr dazu.
Zitat:Wichtig ist vor allem, die für die verschiedenen Infektionen jeweils (einigermaßen) spezifischen Symptome einfließen zu lassen, sonst hat das wenig Sinn. Wenn jedes Symptom mit der gleichen Wahrscheinlichkeit von einer beliebigen Infektion kommen kann, ist so eine Auswertung in der Tat Unsinn (dann könnte man höchstens folgern, dass man evtl. eine chron. Infektion hat, oder eben nicht).