Hallo Tschimos,
schade, dass die Besserung nicht angehalten hat. Leider ist in deiner Situation nun tatsächlich nicht mehr ganz so einfach, weiter zu entscheiden.
Wurdest du bei den neuen Beschwerden nochmals differentialdiagnostisch untersucht?
Die Antikörpertests können nicht wirklich etwas über Aktivität sagen, aber wurden sie nochmals bestimmt und geschaut, ob sich das Bandenmuster geändert hat? Sind die ANA derzeit wieder positiv?
Zunächst: Wenn es eher neurologische Beschwerden sind, gibt es nicht so wahnsinnig viele Therapieoptionen. Doxy kann bei Neuroborreliose wirksam sein, ist auch das einzige orale Medikament. Neben Doxy wird Ceftriaxon, was du ja schon hattest, und Cefotaxim (nur IV, muss 2-3 Mal am Tag gegeben werden) offiziell empfohlen.
Doxy hat gegebenüber Ceftriaxon den Vorteil, dass es intrazellulär wirkt und auch einige andere Erreger, die durch Zecken übertragen wurden, mit abdecken würde. An sich wird es meist zu Beginn gegeben, da es recht gut verträglich und sehr günstig ist.
Ob es bei dir nun besser wirkt als Ceftriaxon, ist schwer zu antizipieren, das hängt ein Stück weit davon ab, was deine Beschwerden verursacht.
Die Kurzversion: Wissenschaftlich ist da derzeit vieles noch sehr unklar.
Die Gute Nachricht: Borrelien sind nicht in der Lage, Resistenzen zu bilden. Es gibt Hinweise aus einigen Studien, dass Borrelien jedoch eine Antibiotikatoleranz entwickeln, d.h. ein Teil der Borrelien die Standardantibiotika einfach aussitzen kann (entweder in sogenannten zystischen Formen, auch "round body forms" genannt, oder Persisterformen, teils als Biofilme bezeichnet). Wenn das Antibiotikum weg ist und die Borrelien wieder aktiv werden, sind sie aber weiterhin gegen das gleiche Antibiotika empfindlich. Wissenschaftlich ist dies jedoch bislang noch ziemlich umstritten, da die Studien im Labor und Tier stattfanden und es in Menschen wenig belastbare Hinweise gibt (und Borrelien generell im Menschen sehr schwer direkt nachweisbar sind).
Es gibt also bei dir leider ziemlich viele Möglichkeiten (ohne Ranking):
1. Deine Beschwerden haben eine andere Ursache, es füht sich lediglich so an wie Borreliose damals.
2. Es gibt neben der ggf. reaktivierten oder erneut eingefangenen Borreliose eine weitere Erkrankung, die die Beschwerden (mit-)verursacht, die Borreliose "reaktiviert" oder die Behandlung erschwert (kann, muss aber keine Infektion sein).
3. Es handelt sich weiterhin um eine Borreliose, diese ist aber schwer therapierbar wegen der erwähnten Antibiotikatoleranz.
4. Die Borreliose ist an sich erfolgreicht behandelt, der Körper hat die Schäden aber noch nicht geheilt (eher unwahrscheinlich, wenn die Beschwerden besser waren und wieder kamen)
Zur Frage, wie man therapieren soll, wenn man die Hypothese der Antibiotikatolerenz (im Einzelfall leider nicht beweisbar, ob das möglich wäre) annimmt, gibt es leider keine eindeutige Antwort. Derzeit wird da viel rumgedoktert, teils mit exotischen Antibiotika. Es gibt hier verschiedene Ansätze und jeder behandelt da irgendwie anders:
1. Längere Gaben von Standardantibiotika, wie Doxy (in Studien nicht wirksamer als normal-lange Gaben).
2. Standardantibiotika werden mit einem oder zwei weiteren Medikamenten kombiniert.
3. Neuere Mittel, die speziell auf diese Schläferformen wirken (alleine oder in Kombination).
4. "Gepulste" Therapien, d.h. man wiederholt die Antibiotikatherapien nach einer bestimmten Zeit, da es keine Resistenzen gibt.
Auch wenn diese gepulste Therapie bislang nur im Labor erforscht ist, wurde diese bereits experimentell eingesetzt. Sehr beliebt war hier Ceftriaxon. Mein früherer Arzt hat bspw. nach der normalen Ceftriaxongabe alle 2 Wochen nochmals für 3 Tage Ceftriaxon gegeben und nochmals 2 Wochen gewartet usw.
Wenn es nicht zu kompliziert ist, hier eine Tabelle mit einigen Auszügen aus Studien, u.a. auch zu Ceftriaxon, was relativ gut abschneidet:
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