04.01.2019, 11:52
Zitat:Vor 3 Jahren wurden dann im International Journal of Cardiology (2015; 182: 459–465) die Ergebnisse einer 10-Jahres-Nachbeobachtung vorgestellt. Diese bestätigten im Wesentlichen die Ergebnisse der 1. Publikation: Die 2-wöchige Behandlung mit Clarithromycin hatte die Gesamtmortalität (Hazard Ratio 1,10; 1,00–1,21) und die Rate der zerebrovaskulären Erkrankungen (Hazard Ratio 1,19; 1,02–1,38) erhöht.Die Erhöhung dürfte in absoluten Zahlen betrachtet für uns Borreliose-Patienten eher vernachlässigbar sein und sollte einen nicht von einer notwendigen Therapie abhalten. Zudem waren es in der Studie Patienten mit Vorerkrankungen des Herzens, wenn ich das richtig quergelesen habe.
Trotzdem sollte man mit Makroliden bei Herzrhythmusstörungen vorsichtig sein und das mit einem Kardiologen zuvor abstimmen, gerade wenn man länger therapieren will. Das Clarithromycin hat im Gegensatz zu Azi erhebliches Interaktionspotential mit anderen Wirkstoffen und scheint zudem in punkto QTc-Verlängerung/TdP kritischer zu sein. Ich persönlich setze daher bei mir nur Azi ein.
Mal so am Rande: Das ursprüngliche Ansinnen, eine Atherosklerose auf der Basis der Chlamydien-Hypothese mit 2 Wochen Clarithromycin 500 mg/d therapieren zu wollen, ist irgendwie niedlich. Dass das keinen Effekt haben kann ist ja eigentlich klar. Dennoch zieht man die falschen Schlüsse daraus, nämlich dass man die Chlamydien-Hypothese verwirft, anstatt das Studiendesign zu verwerfen.
Dr. Rainer Rothfuß: Feindbilder pflastern den Weg zum Dritten Weltkrieg

